Autogramm Kia Sportage Der Bulliganbieter

Wie sorgt ein Autohersteller dafür, dass sein erfolgreichstes Modell noch erfolgreicher werden kann? Kia macht es so: Der SUV Sportage ist schöner als der Vorgänger - und vor allem praktischer. Nur das Piepsen nervt.

Kia

Der erste Eindruck: Billig war gestern, heute muss es bullig sein. Der neue Kia Sportage wird endlich seinem Namen gerecht und sieht aus manchen Perspektiven so dynamisch aus, dass man ihn beinahe mit dem Porsche Macan verwechselt.

Das sagt der Hersteller: Für Steffen Cost, den Chef von Kia Deutschland, ist der Sportage in mehrfacher Hinsicht das wichtigste Modell. Zum ersten, weil der kompakte SUV der meistverkaufte Kia-Typ hierzulande ist. Zum zweiten, weil keine andere Baureihe so sehr den Wandel des Kia-Images von der Billig- zur Designermarke vermitteln soll. Und zum dritten, weil das Auto so etwas wie eine Marke in der Marke ist. Denn laut Cost ist der Bekanntheitsgrad des Sportage-Modells größer als der von Kia selbst.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Vorgängermodell des Sportage 12.752 Neuzulassungen in Deutschland - so viele wie nie zuvor seit seiner Markteinführung. Dass trotzdem jetzt schon der Nachfolger an den Start geht, liegt zum einen an den immer kürzeren Modellzyklen des koreanischen Herstellers, zum anderen wohl aber auch am neuen VW Tiguan, der bald bei den Händlern steht. Denn der Neuauflage des ärgsten Rivalen wollte Kia offenbar gerade noch zuvorkommen.

Das ist uns aufgefallen: Außen forsch, innen entspannt - während der neue Sportage an der Karosserie kräftig die Muskeln spielen lässt, ist es in der Kabine mit der Sportlichkeit nicht so weit her. Im Gegenteil: Wie es sich für eine Familienkutsche gehört - und als solche werden die SUVs ja meistens genutzt -, regiert hier vor allem die Vernunft.

Das bedeutet zunächst mal: großzügige Platzverhältnisse. Obwohl der Sportage außen nur vier Zentimeter gewachsen ist und der Radstand lediglich um drei Zentimeter zulegte, wirkt der Wagen innen spürbar geräumiger. Neue Sitze und eine etwas modifizierte Anordnung lassen Kopf- und Kniefreiheit in beiden Reihen deutlich wachsen. Und auch das Gepäckabteil legt um knapp zehn Prozent zu und fasst nun mindestens 503 Liter. Es gibt einen doppelten Ladeboden und damit ein praktisches Fach im Souterrain sowie eine zwar nicht verschiebbare, wohl aber in der Neigung variable Rückbank.

Den Kontrast zwischen aufgeregtem Außendesign und einer ruhigen Formensprache im Innenraum sieht man vor allem am Cockpit. Das kommt bei Material und Verarbeitung nah an das Vorbild aus Wolfsburg heran und ist auch ähnlich langweilig gestaltet wie bei Tiguan & Co. Aber dafür gibt die Bedienung keine Rätsel auf, und niemand zwingt einen in die Tiefen irgendwelcher Menüfunktionen.

Blick ins Cockpit des Sportage
Kia

Blick ins Cockpit des Sportage

So brav und bieder der Sportage innen auch wirkt - sobald man das Set-up von "Normal" auf "Sport" stellt, lässt er sich feinfühlig und dynamisch fahren. Spätestens dann zahlt sich auch die Investition in die neue Lenkung aus, deren Servomotor jetzt von weit oben an der Säule nach unten ans Quergestänge gewandert ist, was ein viel direkteres Lenkgefühl zur Folge hat.

Erst recht, wenn man mit dem quirligen Top-Benziner unterwegs ist, der mit 177-Turbo-PS und 265 Nm Drehmoment selbst den stärksten Diesel aussticht. Im direkten Vergleich ist das neue, ausschließlich im GT-Trimm lieferbare Triebwerk nicht nur spritziger und agiler, sondern läuft auch viel ruhiger und harmoniert besser mit der Doppelkupplung als der Selbstzünder mit der Automatik. Und für ein so stattliches Auto geht der Normverbrauch von 7,5 Litern auch in Ordnung.

Als aufpreispflichtige Ausstattungsoptionen bietet Kia neben Standards wie einem Parkroboter oder einer elektrischen Heckklappe per Fußsteuerung auch Finessen an: zum Beispiel eine in dieser Klasse bislang konkurrenzlose Sitzbelüftung sowie eine induktive Ladeschale fürs Smartphone oder eine automatische Notbremse mit Fußgängererkennung.

Das muss man wissen: Wenn Kia am 30. Januar mit dem Verkauf beginnt, sieht der Sportage erst einmal nach einem Schnäppchen aus. Denn obwohl größer, geräumiger, stärker, sparsamer und in vielen Varianten auch besser ausgestattet, wird das Auto um 600 Euro billiger. Der Basispreis liegt dann bei 19.990 Euro. Allerdings ist das Augenwischerei. Erstens, weil Deutschlandchef Cost einräumt, dass dieses Einstiegsmodell fast nie gekauft wird. Und zweitens, weil viele andere Varianten eben doch teurer geworden sind und man deshalb schnell bei mehr als 25.000 Euro landet.

Kia bietet für einen Asien-Importeur überraschend viel Auswahl - denn es gibt neben den beiden Benzinern mit 132 oder 177 PS und den drei Dieselmotoren von 115 bis 185 PS auch noch die Optionen auf Allrad, Doppelkupplungsgetriebe oder Automatik sowie sechs Ausstattungsvarianten.

Das werden wir nicht vergessen: Die Assistenzsysteme agieren so übervorsichtig, dass es viel zu oft piept, hupt oder fiept. So zwingt der sonst so offensive Sportage den Fahrer doch wieder in die Defensive - und lässt den neuen Elan etwas verpuffen.

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insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
DerBlicker 30.01.2016
1. zu hoher Verbrauch
Ein Normverbrauch von 7,5 Liter geht auch für ein 1,5 Tonnen SUV mit 177 PS Benziner heute nicht mehr in Ordnung. Ein BMW X1 25i xDrive mit 231 PS braucht nach Norm nur 6,4 Liter Super und ist mit Fahrleistungen von 235 Spitze und 6,5 s auf 100 im Vergleich zum KIA ein Sportwagen. Man sieht eben , dass die koreanischen Autobauer gerade beim Antrieb noch hohen Nachholbedarf haben.
sirgentlemen 30.01.2016
2. Der Blicker
Sie haben es drauf Hr. Blicker, weiter blicken ;-)
bazingabazinga 30.01.2016
3. Preis-Leistungsverhältnis?
Zitat von DerBlickerEin Normverbrauch von 7,5 Liter geht auch für ein 1,5 Tonnen SUV mit 177 PS Benziner heute nicht mehr in Ordnung. Ein BMW X1 25i xDrive mit 231 PS braucht nach Norm nur 6,4 Liter Super und ist mit Fahrleistungen von 235 Spitze und 6,5 s auf 100 im Vergleich zum KIA ein Sportwagen. Man sieht eben , dass die koreanischen Autobauer gerade beim Antrieb noch hohen Nachholbedarf haben.
Der BMW dürfte bei gleicher Größe und Ausstattung deutlich mehr kosten. Wo bekommt man denn einen ausreichend ausgestatteten BMW SUV für 25000 EUR brutto?
salomohn 30.01.2016
4. Immer dieses Blabla
..."spritzig", "agil", "bei so einem stattlichen Auto geht der Verbrauch von 7,5 Litern in Ordnung". In den Städten und weltweit steigen die Erkrankungen durch Abgase dramatisch.Es ist schrecklich, wie doof die Leute sind.
bazingabazinga 30.01.2016
5. Kia EUR25000, BMW EUR50000
Zitat von DerBlickerEin Normverbrauch von 7,5 Liter geht auch für ein 1,5 Tonnen SUV mit 177 PS Benziner heute nicht mehr in Ordnung. Ein BMW X1 25i xDrive mit 231 PS braucht nach Norm nur 6,4 Liter Super und ist mit Fahrleistungen von 235 Spitze und 6,5 s auf 100 im Vergleich zum KIA ein Sportwagen. Man sieht eben , dass die koreanischen Autobauer gerade beim Antrieb noch hohen Nachholbedarf haben.
Der Listenpreis des BMW geht bei 43000 los, der des Kia bei 19000. 25000EUR-Ausstattung kostet bei BMW gut das Doppelte. Wissen Sie wie viel Benzin ich für 25000EUR tanken kann? Wie weit ich mit dem Auto komme?
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