Autogramm Kia Stonic Modeerscheinung

Der SUV-Siegeszug macht auch vor den kleinen Fahrzeugklassen keinen Halt. Dort tummeln sich längst so viele Angebote, dass man sich als Hersteller etwas einfallen lassen muss, um aufzufallen. Bestes Beispiel: der Kia Stonic.

Kia

Der erste Eindruck: Biene Maja erobert die Stadt.

Das sagt der Hersteller: Kia-Produktmanager Ivan Batard sagt, der Kia Soul von 2010 sei einer der ersten modischen Crossover-Kleinwagen gewesen, danach jedoch habe man lange gebraucht, um auf den Erfolg von Fahrzeugen wie dem Ford Eco-Sport, dem Renault Captur oder dem Opel Mokka X zu reagieren. "Deshalb müssen wir jetzt beim Design ein bisschen mehr wagen, um die nötige Aufmerksamkeit zu erregen", sagt Batard und erklärt damit die buchstäblich schräge Form des neuen Stonic ebenso wie die mutigen Farbkombinationen mit grellen Grundlacken und Kontrasttönen wie "Tan Orange" oder "Electric Green". Batard: "So bunt haben wir es noch bei keinem anderen Auto getrieben."

Das könnte sich auszahlen. In dieser Klasse gehe es den Kunden weniger um die Marke als um die Mode und den Look; das expressivste Auto habe deshalb die besten Karten, sagt Batard. Offroad-Fähigkeiten spielen keine Rolle, weshalb Kia - anders als die Schwestermarke Hyundai beim ähnlich konzipierten Mini-SUV Kona - auf Allradantrieb verzichtet.

Das Segment der Mini-SUVs wuchs schon in den vergangenen Jahren rasant, und bis zum Jahr 2020 soll sich der Absatz in dieser Klasse noch einmal verdoppeln, prophezeien Marktkenner. "Der Stonic hat das Zeug, unser wichtigstes Modell zu werden", sagt Batard.

Das ist uns aufgefallen: Abgesehen von den frechen Farben und der ungewöhnlichen Form ist der Stonic vergleichsweise konventionell gestrickt und im Prinzip ein Kia Rio im Trekking-Dress. Statt einer verschiebbaren Rücksitzbank gibt es lediglich klappbare Lehnen; und die Platzverhältnisse sind allenfalls gehobener Durchschnitt. Während man vorn prima sitzt und der Kofferraum mit dem doppelten Boden 352 Liter fasst, wird es hinten im Fond für Erwachsene eher unbequem.

Der farbenfrohe Auftritt setzt sich im Auto mit bunten Konsolen im Cockpit, passenden Nähten im Lenkrad und entsprechenden Dekors in den Sitzpolstern fort, die Liste der Ausstattungsoptionen ist lang. Mit schlüssellosem Zugangssystem, Lenkradheizung oder Spurführungshilfe bietet der Stonic zum Teil deutlich mehr Auswahl als viele Konkurrenten. Und einen großen Touchscreen samt Apple Car-Play und Android-Auto schon in der Grundausstattung hat sonst kein Konkurrent in dieser Klasse zu bieten.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Kia Stonic - mit unserem 360-Grad-Foto:

Überraschend für das Möchtegern-SUV ist auch die Sitzposition. Denn obwohl Kia die Bodenfreiheit auf knapp 20 Zentimeter angehoben hat, man bequemer einsteigen und besser hinausschauen kann, hockt man nicht auf, sondern im Sitz und fühlt sich der Straße eng verbunden. Das soll ein sportliches Fahrgefühl fördern, ebenso wie die etwas knackigere Abstimmung. So wirkt der Stonic handlich, agil und wendig und obwohl der Ausblick nach hinten eher eingeschränkt ist, surft man locker-flockig durch den Stadtverkehr. Dass sich der Wagen jenseits des Ortschildes längst nicht so erwachsen anfühlt, stört diesen Eindruck nicht. SUV-Zwerge wie dieser sind ohnehin meist innerorts unterwegs, Vielfahrer bevorzugen andere Typen.

Das muss man wissen: Der 4,14 Meter lange Kia Stonic teilt sich die Architektur mit dem acht Zentimeter kürzeren Kleinwagen Rio, der bei identischer Motorisierung und ähnlicher Ausstattung - aber einem langweiligerem Auftritt - um etwa 2300 Euro billiger angeboten wird. Vom Rio übernimmt der Stonic auch die Motoren. Wenn am 30. September der Verkauf beginnt, dann gibt es zu Preisen ab 15.790 Euro zwei Vierzylinder-Saugmotoren mit 1,2 Liter Hubraum und 84 oder 99 PS und einen Dreizylinder-Turbobenziner mit einem Liter Hubraum und 120 PS. Dieser Antrieb ist zwar munter und passt zum lebendigen Charakter des Modells, spielt sich aber wie fast alle Dreizylinder mit einem nervigen Pöttern in den Vordergrund, wenn man ihm die Sporen gibt. Ein weiterer Grund, mit dem Stonic in der Stadt zu bleiben.

Als vierte Motorvariante bieten die Koreaner noch einen 1,6-Liter-Diesel mit 110 PS und einem Normverbrauch von 4,2 Litern an, können aber kaum einschätzen, welche Rolle der noch spielen wird. Und spätestens, wenn im nächsten Jahr ein SCR-System eingebaut werden muss, um die Abgase zu reinigen, wird die Luft für den Selbstzünder noch dünner.

Das werden wir nicht vergessen: Den dezenten Warnhinweis auf der schwarzen Plastikleiste unterhalb der Türkante, der den Stonic vollends als modische Mogelpackung entlarvt. Dass ein SUV für den Großstadtdschungel keinen Allradantrieb braucht, dafür gibt es gute Argumente. Doch wenn die Schutzleisten nicht einmal trittfest sind, dann sollte man sich wirklich nicht auf ruppige Pisten wagen. Matschbraune Spritzer auf dem Biene-Maja-Gelb würden ohnehin nicht gut aussehen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Kia
Typ: Stonic
Karosserie: SUV
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 120 PS (88 kW)
Drehmoment: 172 Nm
Von 0 auf 100: 10,3 s
Höchstgeschw.: 185 km/h
Verbrauch (ECE): 5,0 Liter
CO2-Ausstoß: 115 g/km
Kofferraum: 352 Liter
umgebaut: 1.155 Liter
Gewicht: 1.185 kg
Maße: 4140 / 1760 / 1520
Preis: 18.390 EUR
Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Cyth 22.09.2017
1. Werter Herr Grünweg alias Geiger,
Ihre notorischen einleitenden Anbiederungen an den jeweiligen "Hersteller" sind unerträglich. Emitteln Sie lieber z.B. den tatsächlichen Treibstoffverbrauch Ihrer Testwagen. Dazu müssten Sie sie natürlich weiter fahren als einmal um den Block. Probesitzen reicht nicht. Aber, ist schon klar: Es geht schließlich um Ihr ganz privates Geschäftsmodell als fließbandarbeitender PR-Gehilfe der Autoindustrie. Um das Paraphrasieren von Marketing-Broschüren. Und was Kritik wie diese betrifft: Gar nicht ignorieren, gell.
Lobhudel 22.09.2017
2. Bankrotterklärung der Vernunft
Ein SUV, mit dem man besser in der Stadt bleiben sollte - wer findet den Fehler?
krasser3bmw 22.09.2017
3. Oje Tom
Lesen Sie eigentlich was Sie schreiben oder haben Sie wirklich so wenig Ahnung ? Soso ein 1,2 Liter SAUGdiesel mit 99 PS... Tom, schreiben Sie über was anderes, aber nicht über Technik, OK ?
Stefan_G 22.09.2017
4. zu #2
Zitat von LobhudelEin SUV, mit dem man besser in der Stadt bleiben sollte - wer findet den Fehler?
Da ist kein Fehler. SUV = Sport Utility Vehicle, heißt übersetzt etwa: sportliches Gebrauchsfahrzeug. Da ist keine Rede von Gelände. Sie könnten ihn auch HDKW = Hochdachkleinwagen nennen, was diesem Fronttriebler eher gerecht wird. Und die Domäne von Kleinwagen ist tatsächlich die Stadt.
jupp78 22.09.2017
5.
Mehr beim Design gewagt? Ehrlich gesagt sieht die Karre extrem gewöhnlich aus ... was ja aber an sich nicht schlecht ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.