Škoda Octavia Ausdauernder Aufsteiger

Der Škoda Octavia ist das Modell, das den Aufschwung der Marke am besten verdeutlicht. Als erste Neuentwicklung unter VW-Regie machte der Wagen den tschechischen Hersteller ab 1996 hierzulande salonfähig. Doch die Erfolgsgeschichte der Baureihe begann schon viel früher.


Was der Astra für Opel, die C-Klasse für Mercedes oder der 3er für BMW - das ist der Octavia für Škoda. Andere Modelle der Marke wie der Minivan Roomster oder der gerade auf dem Autosalon in Genf vorgestellte Yeti haben mehr Charme und Pep, doch der biedere Zwilling des VW Golf ist das Fundament des Erfolgs der tschechischen VW-Tochter. Der Octavia ist das meistverkaufte Modell der Marke, und es symbolisiert zugleich den Wandel von der postsozialistischen Altlast zu einer Trendmarke für Sparer, die mittlerweile auf vier Kontinenten agiert und es in Deutschland in manchen Monaten auf Platz eins der Importeure schafft. Jetzt soll ein überarbeiteter Octavia ein neues Kapitel der Erfolgsstory schreiben.

Die Octavia-Geschichte begann allerdings nicht erst 1996, als Škoda unter der damals neuen Regie von VW den Vorgänger des aktuellen Octavia auf den Markt brachte. Sondern vor 50 Jahren feierte schon einmal ein Octavia Premiere. Die Limousine sorgte schon 1959 für Furore. Denn nach inhaltsleeren Modell-Nummern wie 1101 oder 440 trug sie nicht nur einen neuen Namen, der sich vom lateinischen Wort für die Zahl Acht ableitet und für das achte Nachkriegsmodell der tschechischen Marke stehen sollte.

Das Auto trat mit verbesserter Vorderachse mit Einzelradaufhängung, an, und zudem gab es nach und nach diverse Varianten: 1961 debütierte ein geräumiger Kombi, und unter dem Namen Felicia wurde ein zweisitziges Cabrio abgeleitet und durchaus erfolgreich exportiert. In den siebziger Jahren diente der Octavia in Neuseeland sogar als Basis für den Geländewagen Trekka.

Heute baut Škoda den Octavia nicht nur in Tschechien, sondern auch in China, Russland, Indien und der Ukraine und hat damit einen profunden Türöffner auf den langfristig wohl wieder aufstrebenden Wachstumsmärkten. Während hierzulande der Octavia als billige VW-Alternative für Familienväter gilt, ist das Auto in vielen anderen Ländern das erste Modell der Oberklasse und trägt das Etikett Premium.

Damit der Bestseller in Form bleibt, hat Škoda vor kurzem den 2005 neu präsentierten Octavia überarbeitet. Zwar hat sich am Erscheinungsbild wenig getan, doch immerhin hat Škoda neben kleinen Retuschen tatsächlich einige Blechteile erneuert. Etwa die Motorhaube, die nun von einer Sicke durchzogen wird, die vom Logo im verchromten Kühlergrill bis zur Windschutzscheibe reicht; dazu wurden die Kotflügel schlanker und der Ausschnitt für die neuen Scheinwerfer ist deutlich größer als bislang. Außerdem gibt es im vorbildlich aufgeräumten Passagierabteil ein paar neue Farbtupfer, besser ablesbare Instrumente, frische Sitzbezugstoffe, neue Navigationssysteme und auf Wunsch auch ein Datenkabel im Handschuhfach für den Anschluss von iPod & Co.

Das Raumgefühl ist ungleich besser als im VW Golf

Vom spröden Charme eines Ost-Vehikels ist schon lange nichts mehr zu spüren. Vor allem in den gehobenen Varianten wirkt das Interieur gediegen und hochwertig: Wo man die Einrichtung auch anfasst, fühlt sie sich gut an. Und suchen muss man im Cockpit auch nichts, denn die wichtigen Funktionen sind prima angeordnet. Dazu bietet der Octavia überraschend viel Platz. Obwohl mit 2,58 Meter Radstand auf einem Niveau mit dem VW Golf, wirkt vor allem der 4,57 Meter lange Kombi eine halbe Nummer größer als das Modell aus Wolfsburg. Selbst wenn sich der Fahrer lang macht, bleibt hinter ihm genug Platz für Passagiere, und das Gepäckabteil fasst üppige 580 Liter. Wird die Rücksitzlehne umklappt, sind es sogar 1620 Liter - mehr Platz brauchen nur Kleinspediteure.

Klein aber wirkungsvoll sind auch die Änderungen in der Motorenpalette, die fünf Benziner und drei Dieselmotoren mit 80 bis 200 PS umfasst. Neu ist ein 1,4 Liter großer Benzin-Direkteinspritzer, dem ein Turbolader 122 PS entlockt. Der Motor klingt zwar etwas knurrig und ungehobelt, und statt der hakeligen Sechsgang-Schaltung bestellt man besser das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe. Doch mit maximal 200 Nm hat das kleine Kraftpaket mit dem Kombi leichtes Spiel: in 9,7 Sekunden sind aus dem Stand Tempo 100 erreicht, und wenn der Vortrieb nachlässt, steht die Tachonadel schon jenseits der 200er-Marke. Dabei ist der Verbrauch so vernünftig wie das ganze Auto: Den von Škoda angegebenen Durchschnittswert von 6,6 Litern kann man im Alltag zwar vergessen, aber rund acht Liter sind noch ok.

Škoda ist längst keine Schnäppchenmarke mehr

Verabschieden muss man sich allerdings vom Reiz des Schnäppchens. Einerseits sind Einstiegspreis in Höhe von 15.290 Euro für die Limousine und 16.430 Euro für den Kombi noch einigermaßen günstig - wirklich billig aber sind die Autos nicht mehr. Und wer große Motoren und eine umfangreiche Ausstattung bestellt, kommt locker auf das doppelte und landet auf dem Preisniveau eines BMW 3er.

Wie erfolgreich der neue Octavia dennoch ist, zeigt ein Blick in die Absatzchronik. Während Škoda im ersten Leben der Baureihe von 1959 bis 1971 lediglich 365.000 Autos verkaufte, waren es in den rund zwölf Jahren seit der Neuauflage 1996 bereits mehr als zwei Millionen Exemplare. Ein Ende ist nicht absehbar. Im Gegenteil: Während der neue Octavia in der Zulassungsstatistik weiter an Höhe gewinnt, wird das alte Modell für Schnäppchenjäger einfach weiterproduziert.



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