Lancia Beta Coupé, Baujahr 1983 Flunder mit Sperenzchen

Es war Liebe auf den ersten Blick: Als SPIEGEL-ONLINE-Leser Sven Stursberg zum ersten Mal in ein Lancia Beta Coupé stieg, war seine Faszination für dieses flache Auto geweckt. 20 Jahre später fand er seine große Liebe endlich wieder. Allerdings macht sie ihm bis heute Probleme.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, einige Autos sind noch viel älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Sven Stursberg aus Neuss über sein 125 PS starkes Lancia Beta Coupé 2000i.e. aus dem Baujahr 1983.

Sven Stursberg:
Vor vielen Jahren, etwa 1987 oder 1988, hatte die Mutter eines damaligen Freundes von mir ein Auto in der Garage stehen, aber mein Kumpel hatte keinen Führerschein. Also durfte ich den Wagen dann und wann, meist am Wochenende, durch die Gegend kutschieren: das Lancia Beta Coupé 2000i.e. Das hat zwar laut den Fahrzeugpapieren 125 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h, aber schon damals war es durchaus möglich, den Tacho bis zum Anschlag von 200 km/h zu bringen. Das könnte allerdings auch am italienischen Tacho gelegen haben...

So viel zur Vorgeschichte. Ich zog später aus der Gegend weg und verlor meinen Kumpel und das Auto aus den Augen. Doch die Faszination für dieses Modell blieb. Fast 20 Jahre später entschied ich mich nun im vergangenen Jahr dazu, mir einen solchen Flitzer zuzulegen. Für 3000 Euro konnte ich ein äußerlich sehr gut erhaltenes Exemplar kaufen. Das Blech war tatsächlich bis auf die hinteren Federbeindome, die kurz vor dem Kauf geschweißt worden waren, einwandfrei.

Mit einer Erstzulassung im Dezember 1983 gehört das Auto zu den eher seltenen Youngtimern, laut Statistik des Kraftfahrtbundesamtes waren im Dezember 2001 vom 2000er Einspritzer-Coupé nur 55 Exemplare zugelassen. Insgesamt fuhren zu diesem Zeitpunkt nur 192 Beta Coupés in Deutschland herum.

Wasser an den Zündkontakten

Tja, und dann fing an, was wohl jeden Fan solcher Altertümchen erwartet: die Reparaturen. Zunächst kümmerte ich mich um die A-Prioritäten wie beispielsweise die blinden Scheinwerfer und die desaströse Elektrik: Die Masseklemmen im Motorraum waren samt und sonders verrottet und korrodiert.

Im Herbst 2005 hatte ich dann auf dem Rückweg von Berlin nach Neuss erstmals echte Probleme mit dem Wagen: Plötzlich nahm er bei voller Fahrt kein Gas mehr an. Tage der Reparatur folgten, bis Wochen später herauskam, dass die Verteilerkappe rissig war und bei Feuchtigkeit eine Menge Wasser an die Zündkontakte ließ. Ich behob das Problem und hatte seitdem mit keinen Mätzchen mehr zu kämpfen - bis ich im Januar auf dem Rückweg von der Arbeit plötzlich den Schalthebel in der Hand hielt.

Dies ist eine weitere Alterskrankheit der Betas: Das Schaltgestänge leiert immer weiter aus, bis der erste und der Rückwärtsgang so gut wie nicht mehr schaltbar sind. Die Folge war natürlich der Austausch des Schaltgestänges.

Aufgeben gilt nicht

Und damit ist die Liste noch nicht zu Ende. Denn als nächste Schritte muss ich dann wohl mal den Motor öffnen und die Dichtungen komplett erneuern, auch das Getriebe ist nicht mehr ganz dicht. Von der Innenausstattung rede ich erst gar nicht - das ist dann die C-Priorität. Und bis ich da angekommen bin, sind vermutlich noch einige weitere A- und B-Prioritäten hinzugekommen.

Aufgeben werde ich nicht, dazu ist der Wagen einfach zu schön, und es macht eine Menge Spaß, dieses kleine, flache Ding über die Landstraßen zu bewegen.



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