Lexus HS 250h: Premium statt Prius

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Wer in Hollywood etwas auf sich und seine Ökogesinnung hält, fährt Toyota Prius. Das Manko des Wagens aber bleibt - auch in der aktuellen Generation - die bescheidene Optik. Daher verkauft der Toyota-Konzern in den USA nun eine Lexus-Variante mit Prius-Technik.

Toyota und das Modell Prius sind die Hybrid-Pioniere. Doch allmählich reifen auch Konkurrenten heran, und so muss sich der Vorreiter etwas einfallen lassen, um den Vorsprung zu halten. Parallel zur dritten Auflage des Prius lancierte Toyota jetzt einmal mehr das Gerücht von einem sauberen Sportwagen, der seine Premiere voraussichtlich im Herbst auf der Motorshow in Tokio feiern soll.

Und es gibt eine weitere Hybrid-Neuheit: Die noble Schwestermarke Lexus rüstet auf und bringt nach den Hybrid-Varianten der bekannten Limousinen und SUVs in diesen Wochen das erste Auto auf den Markt, das dezidiert um die Hybridtechnik herum entwickelt wurde - den Lexus HS 250h. Kleiner, sparsamer und vor allem billiger als jeder andere Lexus soll er die Verkaufszahlen steigern und die Idee des grünen Luxus auf eine breite Basis stellen. Allerdings gibt es das Auto vorerst nur in den USA, wo SPIEGEL ONLINE jetzt die Gelegenheit zu einer Testfahrt hatte.

Für Lexus ist das Auto tatsächlich neu. Doch tatsächlich ist der HS 250h nichts anderes als ein frisch eingekleideter Toyota Prius. Der gilt in den USA noch immer als grünes Statussymbol, in dem man sich gern sehen lässt; jedoch kommt der Prius mit der im Windkanal glatt geschliffenen Tropfenform bei konservativ eingestellten Kunden in der Mittelklasse weniger gut an. In diesem Segment dominieren in den USA noch immer Stufenheckmodelle. Das kann der Prius nicht bieten, und außerdem hat Toyota so spitz gerechnet, dass kein Geld mehr für ein schickes Interieur übrig blieb.

Damit soll der Lexus jetzt aufräumen. Für einen Preis von 30.000 bis 35.000 Dollar - und damit etwa ein Drittel teurer als der Toyota Prius - bekommt man ab Herbst statt eines rollenden Tropfenwagens ein konventionelles Stufenheckmodell von etwa 4,70 Metern Länge. Und statt der hellgrauen Kunststofflandschaft aus dem Prius gibt es beim Lexus eine Welt aus Lack und Leder. Die glänzt zwar für europäische Verhältnisse ein bisschen zu speckig, ist aber allemal schnieker als das Toyota-Vorbild.

Außerdem wurde die Inneneinrichtung konservativer: Die Bordinstrumente rückten wieder hinter das Lenkrad und die riesige Mittelkonsole auf Normalmaß zurück gestutzt. Auf ihr befindet sich nun, anstelle des Prius-Schaltknüppels, das wohl ungewöhnlichste Bediensystem, das man derzeit in einem Auto bekommen kann. Wie mit der Computermaus navigiert man mit einem fein geformten Handaufleger den Cursor auf dem Monitor und hat sogar zwei Tasten zum Klicken. Das ist zwar etwas ungewöhnlich und braucht noch ein wenig Feinschliff, lässt aber Bediensysteme wie iDrive von BMW oder MMI von Audi alt aussehen. Der Gangwahlhebel wurde allerdings, wegen akuten Platzmangels auf der Mittelkonsole, auf Zahnstochergröße geschrumpft.

Mehr Schmackes als der Prius, aber ähnliche Fahrleistungen

Was vom Prius im Lexus übrig blieb, sind die beschränkten Platzverhältnisse sowie die bescheidene Kopffreiheit im Fond. Und auch der Kofferraum ist mit lediglich 340 Liter Fassungsvermögen vergleichsweise klein. Der Grund: Im Fond muss, neben dem Tank, auch noch die vergleichsweise große Nickel-Metall-Hydrid-Batterie untergebracht werden.

Unter der Haube hat der Lexus dagegen mehr zu bieten als der Toyota Prius: Der Elektronmotor hat 140 statt 81 PS, und wo der Benziner im neuen Prius auf 1,8 Liter Hubraum und 99 PS kommt, punktet die Maschine im HS mit 2,4 Liter Hubraum und 147 PS. Die Systemleistung des Lexus liegt folglich bei 187 PS (Prius: 136 PS). Mehr Fahrspaß bringt das nicht; nach wie vor nervt die stufenlose Automatik. Zwar geht der Lexus ein bisschen kräftiger als der Prius zur Sache, doch selbst im Power-Modus braucht der Hybridwagen knapp neun Sekunden bis Tempo 100, und bei 180 km/h Höchstgeschwindigkeit ist Schluss.

Für US-Verhältnisse ein durchaus kleiner Verbrauch

An der Tankstelle dann lacht der Lexus-Fahrer. Obwohl das Modell HS mit mehr Leistung, höherem Gewicht und größerem Luftwiderstand weniger sparsam ist als der Prius, fährt er konventionellen Benzinern locker davon: 35 Miles per Gallon oder umgerechnet 6,7 Liter auf 100 Kilometer (nach US-Norm) sind allemal besser, als die Werte der Nobelimporte von Mercedes, Audi oder BMW, auf die es Lexus mit dem HS abgesehen hat. Außerdem kann man mit dem Saubermann einige Meilen rein elektrisch fahren, was den US-Kunden besonders wichtig ist.

Deshalb hat der Lexus HS 250h zwischen Boston und San Diego durchaus Chancen. Nach Europa allerdings kommt der Wagen sicher nicht. "Der HS 250h ist ein speziell für den nordamerikanischen Markt gestaltetes Fahrzeug. Sein Design zielt punktgenau auf den US-Geschmack", sagt Lexus-Deutschlandchef Ulrich Selzer. Die Limousine fungiere dort als Einstiegsbaureihe und solle auch Flottenkunden ansprechen. Damit das auch hierzulande gelänge, müssten das Karosseriekonzept, das Styling und die Auslegung des Hybridantriebs stark verändert werden, räumt Selzer ein. "Wir möchten dieses Marktsegment künftig auch in Europa bedienen", sagt der Lexus-Manager, "aber nicht mit einem Auto wie dem HS 250h."

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Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: HS 250h
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 2.400 ccm
Leistung: 147 PS (108 kW)
Leistung (E-Motor): 140 PS (104 kW)
Drehmoment: 190 Nm
Von 0 auf 100: 9,0 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Kofferraum: 340 Liter

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