Lexus IS 220d: Jetzt glüht auch Lexus vor

Von Jürgen Pander

Die in Deutschland kleine Marke Lexus hat bereits zwei Hybridmodelle im Sortiment - verzichtete aber lange Zeit auf ein Dieselmodell. Das ist nun vorbei: Seit kurzem gibt es für die kleinste Lexus-Baureihe IS einen Selbstzünder. SPIEGEL ONLINE drehte eine Testrunde.

Die Mittelklasse-Baureihe IS - die Buchstaben stehen für "Innovative Sports Sedan", obwohl ein "S" fehlt - ist das Rückgrat von Lexus in Deutschland. Gut 1500 Modelle dieser Baureihe werden voraussichtlich in diesem Jahr hierzulande verkauft. Und das Rückgrat der IS-Baureihe wiederum soll das neue Diesel-Modell werden, das seit April im Angebot ist und gut die Hälfte aller in Deutschland abgesetzten IS-Modelle ausmacht. Geplant sind gar 1100 IS-Diesel-Fahrzeuge pro Jahr, wie es bei Lexus heißt. Schon diese Zahlen lassen ermessen, wie dringend die feine Marke des Toyota-Konzerns in Deutschland ein Dieselmodell benötigte.

Der Motor ist natürlich nicht komplett neu. Bei Toyota kommt das Aggregat bereits in den Modellen RAV4, Avensis und Corolla Verso zum Einsatz. Allerdings wird der 2,2-Liter-Leichtmetall-Selbstzünder im Lexus zum ersten Mal längs eingebaut, weil er hier seine Kraft an die Hinterräder abgibt. Der Vierzylinder wiegt lediglich 168 Kilogramm, leistet 177 PS, setzt ein maximales Drehmoment von 400 Nm frei und benimmt sich ausgesprochen ruhig und kultiviert. Die Turbo-Maschine dreht sauber hoch, bringt das Auto zügig auf Trab und hält sich auch bei heftigem Gaspedaldruck akustisch angenehm im Hintergrund.

Die Fahrleistungen sind mit einer Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h und einem Spurtvermögen von 0 auf Tempo 100 in 8,9 Sekunden durchaus so, dass die Marketingfloskel "Sportlimousine" nicht völlig aus der Luft gegriffen wirkt. Mehr Eindruck aber machen andere Werte dieses Motors, zum Beispiel der Durchschnittsverbrauch von 6,3 Liter oder der Kohlendioxid-Ausstoß von 168 Gramm je Kilometer. Die meisten Konkurrenzmodelle dieses Kalibers erreichen nicht ganz diese Kennzahlen - und ein Rußpartikelfilter ist beim Lexus auch serienmäßig installiert.

Der feine Motor harmoniert prima mit dem Auto, dem man ansieht, dass Lexus endlich eine eigenständige Designlinie entwickelt hat. Zwar ähnelt die Silhouette des Wagens - von weitem und bei Dunst - noch immer jener des 3er BMW, doch gibt es reichlich Perspektiven, aus denen der IS vollkommen eigenständig und vor allem markant wirkt. Die Frontpartie sieht dynamisch aus, die glatten Flanken geben der Statur des Autos Solidität, das hohe Heck wiederum lässt den Wagen etwas plump enden, doch eine andere Form hätte den Kofferraum wiederum zu sehr eingeengt.

Zumal die Luke ins Gepäckfach ohnehin eher klein geraten ist. Darunter öffnet sich ein Laderaum mit rund 378 Liter Fassungsvermögen. Das ist nicht die Welt - ein BMW 3er etwa bietet hier 460 Liter Volumen, und dabei ist der Münchner fünf Zentimeter kürzer als der 4,75 Meter lange IS. Andererseits aber ist der BMW nicht so windschnittig geformt wie der Lexus; die Japaner erreichen mit ihrem Modell einen erstklassigen cW-Wert von 0,27. Auch deshalb flutscht man in diesem Auto so geräuschlos und gelassen über Land, dass es fast schon wieder fad wird.

Haltegriffe mit Befestigung in origineller Z-Form

Was fällt am Lexus IS sonst noch auf? Die Außenspiegel zum Beispiel, die enorm groß geraten sind und einen hervorragenden Erkenntnisgewinn über das Geschehen im Rücken des Wagens bieten. Weniger gelungen ist die Positionierung der A-Säule, die dem Fahrer ziemlich nahe kommt und ihm vor allem den Blick nach links vorne arg verstellt. Während die Sitzposition vorne angenehm ist, herrscht im Fond ein nur mäßiges Platzangebot für Erwachsene, und Kinder dürften Schwierigkeiten haben, aus den hinteren Fenstern zu blicken, denn die Brüstung schwillt stark nach oben an. Sehr gefällig wiederum ist die Materialauswahl im Interieur - da wirkt nichts billig oder zufällig. Und dann gibt es da noch die in origineller Z-Form gefalteten Haltegriffe am Dachhimmel und die schmeichlerischen Handgriffe an den Türen.

Ab 29.600 Euro bietet Lexus das Dieselmodell seiner Einstiegsbaureihe an. Zur Serienausstattung gehören sieben Airbags (inklusive eines Knieairbags für den Fahrer), ABS, ESP, diverse weitere elektronische Fahrassistenten, Klimaanlage, CD-Radio, Tempomat sowie ein schlüsselloses Zugangssytem. In der Version "Sport Line" kommen unter anderem ein Sportfahrwerk, Aluminiumpedale und 18-Zoll-Leichtmetallfelgen dazu; in der "Luxury Line" genannten Topvariante zählen darüber hinaus Bi-Xenon-Kurvenlicht, Einparkhilfe sowie ein elektrisches Sonnenrollo für die Heckscheibe zur Ausstattung, das sich automatisch senkt, wenn der Rückwärtsgang eingelegt wird.

So, wie der IS jetzt dasteht - und insbesondere das Modell mit dem Dieselmotor -, dürfte er seine Stellung im Lexus-Angebot behaupten und seine Verbreitung in der Mittelklasse vermutlich ausbauen. Eine Variante mit Hybridantrieb ist für diese Baureihe übrigens nicht geplant, teilen die Verantwortlichen mit. Die teure und aufwendige Doppel- oder gar Dreifach-Motor-Technik bleibt vorerst den dickeren Lexus-Baureihen vorbehalten.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: IS 220d
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Diesel
Hubraum: 2.231 ccm
Leistung: 177 PS (130 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 8,9 s
Höchstgeschw.: 220 km/h
Verbrauch (ECE): 6,3 Liter
CO2-Ausstoß: 167 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 378 Liter
Versicherung: 19 (HP) / 24 (TK) / 27 (VK)
Preis: 29.600 EUR
Fotostrecke
Lexus IS 220d: Harmonie zwischen Motor und Design


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