Lexus IS 250 C: Sänfte für die Autobahn

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Avensis, Auris, Aygo - Toyotas-Topmodelle sind Blech gewordene Biederkeit. Dafür entdeckt die Schwestermarke Lexus den Glamour: Demnächst tritt der Supersportwagen LF-A an, vorher fährt ein elegantes Cabriolet mit Metall-Klappdach vor. SPIEGEL ONLINE war mit dem IS 250 C bereits unterwegs.

Luxus allein ist nicht genug. Davon bieten Autos der Marke Lexus zwar reichlich, und technisch sind die Modelle ebenfalls auf Augenhöhe mit Mercedes, BMW oder Audi. Doch der Bekanntheitsgrad und die Zulassungszahlen der Marke verharren in Deutschland auf niedrigem Niveau - während Mercedes im ersten Halbjahr hierzulande rund 145.000 Autos verkaufte, BMW 119.000 und Audi 125.000, weist das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg für Lexus mickrige 1200 Neuanmeldungen aus. Um das zu ändern, soll das Image der Toyota-Luxusmarke geschärft und das Sortiment mit außergewöhnlichen Modellen aufgepeppt werden. Auf der Tokioter Motorshow im Oktober soll erstmals der neue Supersportwagen LF-A vorgestellt werden - mit Zehnzylindermotor und rund 500 PS. Der Extremrenner soll zum Lexus-Aushängeschild werden - dürfte jedoch an den Stückzahlen kaum etwas ändern.

Dafür ist eher das aktuelle Einstiegsmodell IS vorgesehen, das nicht nur mit einem Dieselmotor angeboten wird, sondern seit dem vergangenen Jahr auch in der Sportversion IS-F mit fünf Liter Hubraum, acht Zylindern und 423 PS - eine Kampfansage an Werkstuner wie AMG (Mercedes) oder die M GmbH (BMW). Und nun folgt eine weitere Variante: ein viersitziges Cabriolet, der IS 250 C, soll die Mittelklasse-Baureihe abermals einen Tick attraktiver machen.

Wie sonst in dieser Klasse nur der BMW 3er und der Infiniti G 37, setzt der Lexus auf ein versenkbares Hardtop, das angeblich das schnellste und eleganteste seiner Art sein soll. Immerhin bewegen 15 Elektromotoren die drei Alubleche in den Kofferraum, und sie erledigen dies fast lautlos. Das komplette Öffnen des Daches dauert 20 Sekunden, geht also flotter als bei der Konkurrenz. Allerdings muss das Auto dazu stehen - schon bei Schleichfahrt verweigert die Dach-Kinematik den Dienst.

Weil das neue Cabrio laut Chefentwickler Keeichi Yoneda "in Sachen Stil und Eleganz die Messlatte setzen" soll, sind sämtliche Karosserieteile hinter den vorderen Kotflügeln neu konstruiert worden. Der IS 250 C hat, ein Charakteristikum von Metalldach-Cabrios, ein ausladendes Heck, dennoch sieht der Wagen weder pummelig noch unproportioniert aus. Und wenn das Dach geschlossen ist, geht der Zweitürer als schmuckes Coupé durch. Außerdem ist der Zuschnitt gut gewählt: Bei geöffnetem Dach sitzt man hinter der angenehm kurzen Frontscheibe beinahe zugfrei, und bei geschlossenem Verdeck machen sich die Fahrgeräusche erst jenseits von 130 km/h bemerkbar.

Kritikpunkte sind zweifellos die mageren Platzverhältnisse auf der Rückbank und der mickrige Kofferraum. Liegen die Dachhälften über dem Innenraum, fasst das Gepäckabteil noch ordentliche 420 Liter; falten sich die Dachelemente jedoch ins Heck, bleiben lediglich 165 Liter Volumen für Zuladung.

Ein Flüstermotor, der es mit 1,8 Tonnen zu tun hat

In Fahrt gebracht wird das neue Cabrio vom bekannten Sechszylindermotor mit 2,5 Litern Hubraum und 205 PS. Die Maschine ist laufruhig, die sechsstufige Automatik wechselt die Gänge seidenweich, doch echte Begeisterung wird vom V6-Aggregat nicht geweckt. Da der Wagen 1,8 Tonnen wiegt und Lexus das Auto vor allem auf Langstreckenkomfort getrimmt hat, ist dem flott gestylten Modell jeder sportliche Anspruch fremd. Von 0 bis Tempo 100 dauert es neun Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h - da ziehen zum Beispiel die hoch gezüchteten BMW-Modelle locker vorbei. Andererseits fährt kein anderer in dieser Klasse so sänftengleich wie der Lexus.

Zum Anspruch passen auch das edle Interieur und die üppige Ausstattung. Bei einem Grundpreis von 49.650 Euro gibt es neben einem halben Dutzend Sicherheitssystemen auch zahlreiche elektrische Helfer, eine kräftige Musikanlage und eine derart leistungsstarke Klimaautomatik, dass man auch ohne Nackenföhn noch bis weit in den Herbst offen fahren kann.

Hoher Preis, doch die Konkurrenz ist noch teurer

Für knapp 50.000 Euro ist der IS keinesfalls ein Schnäppchen. Doch ein vergleichbar ausgestattetes offenes Modell der BMW-3er-Reihe kostet einige Tausender mehr, und auch Audi A5 oder Mercedes CLK sind - trotz Stoffdachs - nicht billiger. Dennoch müssen die deutschen Platzhirsche jetzt nicht bangen. Lexus will pro Jahr lediglich 20.000 IS-Cabrio-Modelle bauen, und nur zehn Prozent dieser Stückzahl sollen in Europa verkauft werden.

Ulrich Selzer, der Chef von Lexus in Deutschland, gibt sich zuversichtlich. "Wir werden bald die Gewinnzone erreichen", sagt er, und der Optimismus hat einen Grund. Die scheinbar gewagte Prognose basiert nämlich nicht auf dem Nischenmodell IS 250 C, sondern vor allem auf einem neuen Typ, den Lexus im nächsten Monat auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt vorstellen wird. Erstmals tritt die Marke dann in der Kompaktklasse an - etwa gegen Audi A3 und BMW 1er. Ob mit diesem neuen Auto mehr Geld hängen bleibt, wird die nächste Bilanz zeigen; zumindest bei den Stückzahlen jedoch sollte Lexus erkennbar zulegen.

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Lexus IS 250 C: Geräuschloser Falter

Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: IS 250 C
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V6-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.500 ccm
Leistung: 208 PS (153 kW)
Drehmoment: 252 Nm
Von 0 auf 100: 9,1 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 9,3 Liter
CO2-Ausstoß: 219 g/km
Kofferraum: 420 Liter
umgebaut: 165 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 24 (TK) / 25 (VK)
Preis: 49.650 EUR


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