Autogramm Lexus IS: Ein Underdog als Überflieger

Von Jürgen Pander

Autogramm Lexus IS: Schnittig und sparsam Fotos
Lexus

Lexus fährt in Deutschland mit knapp 3000 verkauften Autos im vergangenen Jahr unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Das ist schade, denn die neue Mittelklasselimousine IS ist ein Schmuckstück geworden, vor allem das Hybridmodell überzeugt mit sensationellem Verbrauch. Nur ein Detail nervt.

Der erste Eindruck: Das Ding sieht richtig scharf aus, und zwar aus allen Perspektiven. Die Frontpartie ist geprägt vom zackigen Diabolo-Kühlergrill und den separaten, L-förmigen LED-Tagfahrleuchten. Die Flanke trägt einen flotten Schwung, und am Heck nehmen die Rückleuchten das L-Thema wieder auf. Der Lexus IS zeigt damit endlich jenes eigenständige Design in Serie, das mit der Studie LF-CC auf dem Autosalon in Paris im vergangenen Herbst erstmals vorgeführt wurde und das der Marke bislang fehlte. Auch das Interieur hält das optische Niveau der Karosserie - am schicksten ist das Lenkrad.

Das sagt der Hersteller: "Lexus wird in Deutschland als Hybridmarke wahrgenommen", sagt Unternehmenssprecher Jürgen Stolze. Das liege ganz einfach daran, dass im vergangenen Jahr 86 Prozent aller verkauften Autos mit Hybridantrieb bestückt waren. Die einzige Baureihe im Portfolio, die bislang ohne Hybridantrieb offeriert wurde, war die Mittelklasselimousine IS. Das ändert sich nun mit der dritten Generation. "Das Auto ist eine individuelle Alternative für Kunden, die ebenso dynamisch wie schadstoffarm unterwegs sein möchten", sagt Produktplanerin Linda Schlösser. Lexus plant, in diesem Jahr noch rund 600 IS-Modelle in Deutschland zu verkaufen.

Das ist uns aufgefallen: Der positive äußere Eindruck wird durch das Fahrgefühl noch verstärkt - der Wagen wirkt außerordentlich griffig und verdichtet. Das ist keine nervöse Sportlimousine, auch keine weiche Familienschaukel, sondern ein Hightech-Paket mit saftiger Lenkung, ausgewogenem Fahrwerk und einem überzeugenden Antrieb. Die Kombination von Benziner und Elektromaschine gehört inzwischen zum Einmaleins des Toyota-Konzerns, zu dem auch Lexus gehört. Das stufenlose Automatikgetriebe sorgt für geschmeidigen Vortrieb, und überhaupt bewegt sich das Auto sehr leise und lässig.

Das hat unter anderem mit neu konstruierten Achsen, mit einer ausgeglichenen Achslastverteilung sowie mit einer steiferen Karosserie zu tun. Für letztere sind 200 zusätzlich Schweißpunkte im Vergleich zum Vorgängermodell ebenso verantwortlich wie das neue, von Lexus erstmals eingesetzte Laser-screw-Schweißverfahren. Dabei werden zwei Bauteile nicht nur durch Hitze verbunden, sondern außerdem noch durch eine Drehbewegung am Schweißpunkt quasi miteinander verschraubt.

Leider wird die Solidität des Autos durch ein kleines, aber wichtiges Detail konterkariert: Der Bediennippel für den Bordcomputer, mit dem unter anderem auch das Navigationssystem und die Musikanlage gesteuert werden, ist derart labbrig fixiert, dass zwischen Fahrer und Auto an dieser Stelle ein Wackelkontakt vorprogrammiert ist. Verwunderlich, warum dieser Lapsus an einer zentralen Mensch-Auto-Schnittstelle während der nach Lexus-Angaben 1,6 Millionen Testkilometern mit dem IS niemandem auffiel.

Denn ansonsten herrschte Akribie bei der IS-Entwicklung. Ein Beispiel: Weil der Hüftpunkt um 20 Millimeter abgesenkt wurde, der Fahrer nun also einen Tick tiefer im Auto sitzt, wurden auch die Scheibenwischer 15 Millimeter niedriger positioniert, damit die Wischerarme in Ruhestellung bloß nicht im Blickfeld auftauchen.

Das muss man wissen: Der Lexus IS steht ab 29. Juni bei den deutschen Händlern. Es gibt die Limousine in der Version 300h, also mit Hybridantrieb und zum Grundpreis von 36.700 Euro sowie als IS 250 mit 2,5-Liter-V6-Benziner (208 PS), der 2500 Euro weniger kostet. Die Hybridvariante ist in dieser Form gänzlich neu. Sie kombiniert einen 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner (181 PS) mit einer E-Maschine (143 PS), was zu einer Systemleistung von 223 PS führt.

Beeindruckender ist jedoch der Durchschnittsverbrauch von 4,3 Liter je 100 Kilometer, was gleich bedeutend ist mit einem CO2-Ausstoß von 99 g/km. So sauber fährt kein anderes Auto in dieser Klasse. Die Nickel-Metall-Hydrid-Batterie ist beim neuen IS erstmal unter dem Kofferraumboden eingebaut. Das führt zur bereits erwähnten, optimalen Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse und zu einem Kofferraumvolumen von stattlichen 450 Liter; der Stromspeicher kostet kaum Stauraum, der Kofferraum des Benziners ist mit 480 Liter Fassungsvermögen nicht maßgeblich größer.

Das werden wir nicht vergessen: Vor der Testfahrt wiesen die Lexus-Leute auf die beim Hybridmodell serienmäßig verbaute "Adaptive Sound Control", kurz ASC hin. Es handelt sich um einen Lautsprecher im Innenraum, der drehzahlabhängig Motorengeräusche erzeugt. Lexus hält das für nötig, um "das Fahrerlebnis" zu steigern. Das Akustik-Tuning brummelt jedoch in einem derart schrägem Duett mit dem wirklichen Motorgesäusel, dass es einfach nur albern klingt. Das Beste am ASC ist daher der Aus-Knopf des Systems links unterhalb des Lenkrads.

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insgesamt 72 Beiträge
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1. Die technische Qualität
m.u. 26.05.2013
möchte ich in keiner Weise in Frage stellen. ABER der Toyota-Konzern begreift nicht, dass ein Fahrzeug wie der Lexus ein anderes Design verdient hat. So sieht das Gefährt aus wie eine Mischung zwischen Mazda 626 und Honda Accord. Ein Design das schon morgen als überholt, und ein wenig bieder wahrgenommen werden wird. Es fehlt hier einfach die Design-Langzeit-Qualität. Auch wackelige Schalter wie für den Bordcomputer sind mehr als kontraproduktiv, für ein Fahrzeug der 36 tsd Euro (72.000 DM) Klasse. Alles was der geneigte Kunde sehen und fühlen kann, muss hochwertig sein. Sonst wird das hier in Deutschland nix. Solche Maßnahmen sind wahrscheinlich notwendig, um hier und da 3,50 € einzusparen, um den Fahrzeugpreis in die 36.000 Euro-Liga zu "drücken"...
2. Um Längen besser....
kenterziege 26.05.2013
Zitat von sysopLexus fährt in Deutschland mit knapp 3000 verkauften Autos im vergangenen Jahr unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Das ist schade, denn die neue Mittelklasse-Limousine IS ist ein Schmuckstück geworden, vor allem das Hybridmodell überzeugt mit sensationellem Verbrauch. Nur ein Detail nervt. Lexus IS: Die dritte Generation der japanischen Mittelklasse-Limousine - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/lexus-is-die-dritte-generation-der-japanischen-mittelklasse-limousine-a-901385.html)
Dieser Bericht ist um Längen besser, als der dürftige Bricht in ZEIT-online zum gleichen Fahrzeug! Nach dem Motto: Das ist uns aufgefallen, stelle ich hier einmal fest, was im Bericht fehlt! Oder stand das nicht in der Pressemappe , die letzte Woche verteilt wurde? Batterie-Typ Speicher-Kapazität Perspektiven für Plug in Version Bei einem Bericht über ein Hybrid-Fahrzeug vom großen Pionier Toyota/Lexus erwarte ich das einfach! Dann auch eine Aussage, um welchen/was für einen Benziner es sich handelt, der im Hybrid eingebaut ist! Die Leistungsangabe reicht nicht. Wichtig, gerade bei Toyota/Lexus: ist das nerventötende Hochdrehen des Motors beim Beschleunigen beseitigt? Einmal reinsetzen und Pressemappe abschreiben reicht nicht!
3. Mea culpa
kenterziege 26.05.2013
Zitat von sysopLexus fährt in Deutschland mit knapp 3000 verkauften Autos im vergangenen Jahr unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Das ist schade, denn die neue Mittelklasse-Limousine IS ist ein Schmuckstück geworden, vor allem das Hybridmodell überzeugt mit sensationellem Verbrauch. Nur ein Detail nervt. Lexus IS: Die dritte Generation der japanischen Mittelklasse-Limousine - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/lexus-is-die-dritte-generation-der-japanischen-mittelklasse-limousine-a-901385.html)
O.k. Der Batterie-Typ wird versteckt in den Bildunterschrifetn genannt! Und den Bildern kann man auch entnehmen, dass es sich beim Benzin-Motor in der Hybrid - Version um einen Reihen-Viezyl handeln muss. Also: die obigen Vorwürfe zum Teil entkräftet! Ist der Autor das Auto wirklich gefahren?
4. Ein Auto kann...
tzdv9000 26.05.2013
...noch so gut sein - ohne ausreichende Infrastruktur schränkt sich der Kreis der Interessenten zwangsläufig ein. Warum Toyota bis heute meint, seine Luxussparte Lexus per Handvoll "Stützpunkte" in den Rang von Maserati, Rolls u.ä. heben zu wollen, blebt mir ein Rätsel. Und schliesst mich als Interessenten aus. Für einen Maserati täte ich wohl noch einen längeren Weg zur Fachwerkstätte in Kauf nehmen, für einen besseren Toyota indes nicht.
5. Schön gelungen
mitbestimmender wähler 26.05.2013
Zitat von sysopLexus fährt in Deutschland mit knapp 3000 verkauften Autos im vergangenen Jahr unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Das ist schade, denn die neue Mittelklasse-Limousine IS ist ein Schmuckstück geworden, vor allem das Hybridmodell überzeugt mit sensationellem Verbrauch. Nur ein Detail nervt. Lexus IS: Die dritte Generation der japanischen Mittelklasse-Limousine - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/lexus-is-die-dritte-generation-der-japanischen-mittelklasse-limousine-a-901385.html)
...mit eigenständigem Marken Auftritt. Da ist schon recht was dabei bei diesem konkurrenzfähigen Preis für die Beste Hybrid-Technik auf dem Markt. Nur 10cm länger könnte Er noch sein, die der seitlichen Silouette und dem Kofferraum zu Gute kämen.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: IS 300h
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.494 ccm
Leistung: 181 PS (133 kW)
Leistung (E-Motor): 223 PS (164 kW)
Drehmoment: 221 Nm
Drehmoment (E-Motor): 300 Nm
Von 0 auf 100: 8,3 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Verbrauch (ECE): 4,3 Liter
CO2-Ausstoß: 99 g/km
Kofferraum: 450 Liter
Gewicht: 1.695 kg
Maße: 4665 / 1810 / 1430
Preis: 36.700 EUR
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