Lexus LFA: Ein Brutalo-Renner zur falschen Zeit

Von Tom Grünweg

Für die Entwicklung des Lexus LFA ließen sich die Japaner zehn Jahre Zeit. Dafür überzeugt der faszinierende Renner mit satten Fahrleistungen. Der Preis dafür ist hoch - 20 Liter Verbrauch sind schnell erreicht. Doch der Wagen beendet eine Ära bei Lexus.

Tom Grünweg

Hetzen lässt sich Haruhiko Tanahashi nun wirklich nicht gerne. Zwar fährt der Chefingenieur bei der Arbeit bisweilen einen heißen Reifen, doch wenn es ums Wesentliche geht, ist ihm alle Eile fremd: Deshalb hat er sich für die Entwicklung des neuen Lexus LFA auch ganze zehn Jahre Zeit gelassen. Schließlich sollte der erste Supersportwagen der Japaner gleich auch einer der besten werden und in einer Liga mit Lamborghini oder Ferrari fahren: Doch jetzt ist Tanahasi zufrieden: "Ich bin davon überzeugt, dass wir ein Fahrzeug entwickelt haben, das an Fahrdynamik kaum zu überbieten ist."

Bis das die ersten Kunden ausprobieren können, wird es allerdings noch einmal 18 Monate dauern. Zwar feiert der Wagen auf der Motor Show in Tokio seine Weltpremiere. Aber die Produktion von maximal 20 Autos im Monat beginnt erst im nächsten Herbst, und frühestens Anfang 2011 wird der auf 500 Exemplare limitierte LFA dann endlich ausgeliefert. SPIEGEL ONLINE dagegen war bereits vor der offiziellen Enthüllung genau dort unterwegs, wo das Gros seiner Entwicklung betrieben wurde: Auf und um den Nürburgring.

Nachdem die Arbeit im Jahr 2000 mit einem weißen Blatt begonnen hat, wurde zwei Jahre später das gesamte Konzept noch einmal umgeworfen. Als Beispiel nennt Europasprecher Robert Tickner das so genannte Monocoque aus Karbon, das bei Toyota zum ersten Mal zum Einsatz kommt. "Ursprünglich hatten wir mit einer Aluminiumstruktur geplant. Aber so sind wir zehn mal steifer als Stahl und 100 Kilogramm leichter als Aluminium."

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Lexus LFA: Gut Ding will Eile haben
Auch sonst musste für den LFA alles neu entwickelt werden: "Bis auf die Bedienung des Navigationssystems gibt es keine Gleichteile mit anderen Modellen von Toyota oder Lexus", sagt Tickner und erklärt damit neben der langen Vorlaufzeit auch den horrenden Preis: Mit 375.000 Euro ist der LFA nicht nur der stärkste und schnellste, sondern auch der teuerste Japan-Import aller Zeiten. Trotzdem wird Lexus damit wohl kein Geld verdienen: "Für uns war der LFA ein wichtiges Lernprojekt: Wir haben dort viele neue Technologien und Verfahren erprobt, von denen die Marke in Zukunft profitieren wird", sagt Tickner. So sei der LFA ein bisschen wie ein serienreifer Prototyp oder ein Forschungsfahrzeug, "nur dass wir dieses Vergnügen mit unseren Kunden teilen."

Wie ein Pilot im Kampfjet

Das Timing dafür hätte allerdings hätte besser sein können: Zwar kommt der LFA etwa zur gleichen Zeit wie der Mercedes SLS oder der Audi R8 Spyder. Doch punktet man heute nicht mehr mit Dynamik, sondern mit Effizienz. Der Faszination für den Renner tut das allerdings keinen Abbruch. Sobald der V10 zum Leben erwacht, flutet Adrenalin das Hirn. Festgeschnallt in einer Höhle aus rotem Leder und glanzschwarzem Karbon kann man die Maschine bis auf 9000 Touren treiben. Der Sound aus den drei Endrohren wechselt vom tiefen Grollen in heißeres Brüllen, und sobald sich das Gaspedal senkt, drückt die Fliehkraft einen ganz tief in die Sitze: Wenn 560 PS und bis zu 480 Nm an der Fahrbahn reißen, fühlt man sich am Lenkrad des LFA fast wie ein Pilot im Kampfjet. Mit den Schaltwippen am Steuer wechselt man die Gänge des sequentiellen Getriebes schneller als man bis Sechs zählen kann und schießt davon: Den Sprint auf Tempo 100 schafft der Lexus in nur 3,7 Sekunden und rast danach so ungestüm weiter voran, als seien die 325 km/h nur ein willkürliches Limit der Ingenieure und nicht das Ende der Energie.

Messerscharfe Präzision

Egal ob schnell oder langsam, Landstraße oder Rennstrecke - wo und wie der LFA auch fährt, spürt man seine Präzision. Möglich machen das neben dem in zahllosen Runden auf der Nordschleife perfektionierten Fahrwerk, der ausgesprochen präzisen Lenkung und den bissigen Keramikbremsen vor allem das relativ magere Gewicht von 1480 Kilo und die gute Balance der Lasten: "Alle schweren Teile haben wir zwischen den Achsen untergebracht und ideal verteilt", sagt Pressesprecher Tickner mit Blick auf die so genannte Transaxle-Bauweise mit dem Motor vorn und dem Getriebe hinten. Dabei kommt den Japanern der neue Motor sehr zu gute: Schließlich ist der V10 so kompakt wie ein Acht- und so leicht wie ein Sechszylinder, lobt Chefingenieur Tanahashi das exklusive Kraftpaket, das allenfalls noch Parallelen zu einem früheren Formel-1-Aggergat hat. Allerdings giert der Motor bei artgerechtem Einsatz schnell mal nach 20 Liter und mehr.

Das ist happig, doch Deutschlandchef Ulrich Selzer tröstet: "Der LFA ist in Europa das letzte Auto, dass wir mit einem Verbrennungsmotor einführen. Danach gibt es Lexus nur noch mit Hybrid."

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Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: LFA
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V10-Benziner
Hubraum: 4.805 ccm
Leistung: 560 PS (412 kW)
Drehmoment: 480 Nm
Von 0 auf 100: 3,7 s
Höchstgeschw.: 325 km/h
Kraftstoff: Super
Preis: 375.000 EUR

Schnellcheck: Lexus LFA

Einsteigen: ...weil der LFA so scharf fährt wie er aussieht und viel exklusiver ist als jeder Spitzensportler aus Italien.

Aussteigen: ...weil das Coupé unsittlich teuer ist und seiner Zeit mindestens fünf Jahre hinterer fährt. Und: Wer will jetzt noch mal 18 Monate warten?

Umsteigen: ...aus Spitzensportlern wie dem Lamborghini Gallardo, dem Audi R8 V10 oder der Corvette ZR1 - und natürlich aus dem nicht einmal halb so teuren Nissan GT-R.


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