Lexus NX 200t Das wird eng

Das SUV-Modell NX ist der meistverkaufte Lexus hierzulande. Kein Wunder: Der Wagen ist auffällig wie kein zweiter dieses Formats. Nach dem Einsteigen wird's allerdings bedrückend.

Pander

Von Jürgen Pander


Der Wagen reizt zu Reaktionen, genauer gesagt: Es ist das Design, das zum Beispiel den Nachbarn die Lippen aufeinanderpressen und anerkennend mit dem Kopf nicken lässt. Vor der roten Ampel starren die Insassen der anderen Autos herüber, beim kurzen Parkplatzplausch erwähnt das Gegenüber die "steile Form". Ob's einem nun gefällt oder nicht, das Auto fällt auf; es sieht kantiger, faltiger, zackiger aus als die Konkurrenzmodelle. Der Lexus NX ist eine Art Keith Richards der Mittelklasse-SUVs.

Das allein wäre natürlich ein dünnes Argument, um 39.800 Euro auf den Tisch zu blättern. So viel kostet die billigste Variante der Baureihe, der frontgetriebene NX 300h, wobei das kleine "h" für Hybridantrieb steht, der einen 2,5-Liter-Benziner und eine 143 PS starke E-Maschine kombiniert. Wir fuhren allerdings den NX 200t in der Version F-Sport zum Preis von 54.450 Euro; ein Auto mit Allradantrieb, 2-Liter-Turbobenziner mit 238 PS und neu entwickelter Sechsgang-Automatik.

Auf dem Papier liest sich das recht flott, auf der Straße wirkt es nicht mehr ganz so hurtig. Was wohl vor allem am serienmäßigen Automatikgetriebe liegt, das von der britischen Fachzeitschrift "Auto Express" als "lethargisch" beschrieben wurde. Das trifft es ganz gut. Hinzu kommt, dass irgendwo in diesem Räderwerk nicht nur reichlich Agilität, sondern auch Sprit verloren geht.

Selbst die F-Sport-Variante ist ein Cruiser

Schon der offiziell angegebene Verbrauchswert von 8,1 Liter je 100 Kilometer ist durchaus happig. Nach unseren Testfahrten - die circa zur Hälfte im Stadtverkehr stattfanden - lag der Durchschnittsverbrauch bei 10,3 Liter. Angesichts des parallel angebotenen Hybridantriebs (Normverbrauch 5,1 Liter) wirkt das frisch hinzu gekommene Modell mit Ottomotor nicht unbedingt als Bereicherung des Angebots. In Deutschland liegt folgerichtig der Hybridanteil unter den NX-Bestellungen bei 75 Prozent.

Die Straßenlage, der Abrollkomfort und das Geräuschniveau hingegen gehören zum Besten, was man in einem Mittelklasse-SUV bekommen kann. Vorausgesetzt natürlich, man zieht eine entspannt-vergnügliche Gangart einem notorischen "Ich-muss-immer-der-Erste-sein" vor. Dazu passt auch die überaus leicht und zuvorkommend abgestimmte elektrische Servolenkung.

Der Stil des je nach Sichtweise ansprechenden, mutigen oder bizarren Äußeren des NX setzt sich im Interieur fort. Die Armaturentafel springt den vorne Sitzenden in ebenfalls kompromissloser Zackigkeit geradezu entgegen. Es braucht etwas Zeit, sich darauf zurechtzufinden. Das gilt auch für den per Touchpad bedienbaren Bordcomputer, dessen Menüstruktur sich auch nach eifrigem Herumprobieren nicht gänzlich erschlossen hat.

Feine Verarbeitung, sorgfältig gestaltete Details

Was jedoch bestens funktioniert: Das Ambiente vermittelt eine luxuriös-gediegene Grundstimmung. Die vielen Bedienelemente deuten auf eine umfassende Ausstattung hin und tatsächlich ist die Liste der Sonderausstattungen kurz wie bei keinem anderen Modell in dieser Liga. Zehn Airbags, Alarmanlage mit Innenraumüberwachung, LED-Scheinwerfer, Kommunikationssystem mit Smartphone-Anbindung, Rückfahrkamera und Klimaautomatik gehören - neben vielem anderen - zur Basisausstattung. Bei der von uns gefahrenen Variante F-Sport, sozusagen der Sportskanone in der NX-Familie mit schwarzem Dachhimmel, Alupedalerie und Schaltwippen am Lenkrad, gehören auch noch ein adaptiver Tempomat und eine elektrisch angetriebene Heckklappe zur Serienausstattung.

Was der NX leider auch serienmäßig mitbringt, ist ein seltsames Gefühl der Enge. Vor dem Einstieg nimmt man ein wuchtiges, hochbordiges, bulliges Auto wahr. Hinterm Lenkrad dann hockt man wie in einer Sitzbadewanne. Und das ist nicht nur ein Gefühl, es lässt sich auch durch Zahlen untermauern. Nehmen wir als Vergleichsgröße den Audi Q5. Der ist exakt so lang wie der NX und er ist fünf Zentimeter breiter, außen wohlgemerkt. Auf den Vordersitzen jedoch bietet der Audi eine "Ellenbogenbreite" (gemessen von Türbrüstung zu Türbrüstung) von 1,53 Metern, der Lexus kommt auf lediglich 1,40 Meter.

Und diese 1,40 Meter werden auch noch durchschnitten von einer rund 30 Zentimeter breiten Mittelkonsole, die im NX zwischen den Vordersitzen aufragt wie ein Festungswall. Das da keine luftige, großzügige Atmosphäre aufkommen kann, ist kein Wunder. Umgekehrt wird sich im Lexus jeder wohl fühlen, des es gern eng und kuschelig hat.

Worauf kommt es an: Design oder den Rest?

Im Fond sind die Platzverhältnisse übrigens angenehm. Wer hier sitzt, hat deutlich mehr Bewegungsfreiheit und auch ein besseres Raumgefühl als die Insassen in Reihe eins. Und auch der Kofferraum bietet mit 580 Liter Fassungsvermögen (Audi Q5: 540 Liter) eine ordentliche Größe. Allerdings muss man wissen, dass 80 Liter des Volumens auf das Konto des Unterflurstaufachs gehen.

Ist der Lexus NX nun die verwegene Alternative unter den gängigen Mittelklasse-SUV, die einander so stark ähneln? Optisch gewiss. Und die inneren Werte sind in diesem Fall eindeutig Geschmackssache.

 

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insgesamt 57 Beiträge
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dennis_89 07.07.2015
1. @Redaktion
"Vorderer Durchmesser"....??? Ist der Wagen etwa Kreisförmig?
varesino 07.07.2015
2. Manga-Design
Lexus waere gut beraten sich an einen etablierten europäischen Designer zu wenden. Gute Technik unsaeglich verpackt. Es ist natuerlich schwer einen Audi, BMW, Mercedes-Klon zu vermeiden, aber es geht. Zagato waere eine gute Adresse.
anders_denker 07.07.2015
3. Gut für Audi
diese noch prekariatstauglichere Frontgestaltung dürfte zu einer verschiebung der unerwünschten Kundschaft führen und das Image der eigentlichen Luxusmarke als Mercedes/Porsche/BMW für Arme weiter beflügeln. Sieht voll krass agro aus ey!
xpert666 07.07.2015
4. Ergonomie?
Die Platzierung des Touchscreens - unabhängig von der optischen Katastrophe - halte ich für ergonomisch bedenklich. Da was zu 'tippen' ist sicher kein Spaß. wenn man nicht gerade die Anatomie eines Schimpansen hat. Das Design mag man als mutig bezeichnen... ich finde es übertrieben und hässlich, aber das ist ja Geschmacksache. Vielleicht entschließt es sich mir nicht, weil ich mit der Klasse der Kompakt-SUV ohnehin nichts abgewinnen kann, schon gleich gar nicht, wenn die Dinger dann auf Sport statt Gelände getrimmt sind.
Mähtnix 07.07.2015
5.
Jo, Komfort ist zweitrangig, Hauptsache der Neidfaktor ist (vermeintlich) gegeben - http://www.auto-motor-und-sport.de/vergleichstest/lexus-nx-300h-e-four-und-audi-q5-im-vergleichstest-hybrid-suv-vs-benziner-9152257.html Da bleibe ich lieber bei meinem 3.0 L Diesel C5 mit Hydropneumatik: Superkomfortabel, m.E. mit gutem Preis-Leistungsverhältnis (wenn einem der Neidfaktor egal ist) und mangels Annerkennung beim normalen Automobilvolk nicht klaugefährdet. Anzuerkennende Vorteile des Lexus' bzw. von SUV allgemein sind die gute Übersicht und der bequeme Einstieg. Aber die sind es mir (noch?) nicht wert, auf einen SUV umzusteigen.
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