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Autogramm Lexus RC-F: Voll auf Proll

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Autogramm Lexus RC-F: Gemein sein statt Gemeinsinn Fotos
Lexus

Lexus gilt als seriöse Luxusmarke mit sparsamen Hybridantrieben. Jetzt will der Hersteller das saubere Image durchbrechen: mit einem prolligen Sportcoupé mit V8-Motor.

Der erste Eindruck: Geradezu furchterregend. Das Auto ist eine Blech gewordene Manga-Fantasie, mit weit aufgerissenem Kühlerschlund, wie Blitze gezackten LED-Scheinwerfern und messerscharfen Blechkanten an der Karosserie.

Das sagt der Hersteller: "Wir können auch anders", sagt Lexus-Chief-Engineer Yukihiko Yaguchi. Der RC-F soll ihm als Beweis dafür dienen, dass die auf Luxus und Hybridantriebe abonnierte Toyota-Tochtermarke auch emotional aufgeladene Autos bauen kann. Deshalb nennt Yaguchi den RC-F einen "Brandshaper" und vergleicht sein Team mit den Scharfmachern von AMG, der BMW M GmbH oder der Audi-Tochter Quattro. Das Auto wurde auch mittels etlicher Rennstreckenkilometern entwickelt - das F im Namenskürzel steht für den Fuji-Speedway -, doch man muss natürlich kein Profi sein, um den RC-F genießen zu können. "Wir haben den Wagen so konzipiert, dass jeder seinen Spaß haben kann", sagt Yaguchi.

Das ist uns aufgefallen: Ein Druck auf den Startknopf, und die den Lexus-Typen sonst anhaftende Political Correctness ist passé. Während normalerweise nach dem Druck der Taste weiterhin Stille herrscht und lediglich das "Ready"-Zeichen des Hybridantriebs aufleuchtet, bollert beim RC-F ein V8-Motor los. Unter 4000 Touren klingt das Gebrabbel noch verhalten, obwohl der Sound im Innenraum sogar elektronisch verstärkt wird, doch bei höheren Drehzahlen bricht das Achtzylindergewitter los.

Der Wagen lässt sich auch ganz zahm und brav fahren. Gedacht ist er allerdings anders. Per Drehknopf lässt sich die Schärfe von Fahrwerk und Antrieb in vier Stufen justieren. Wer die Maximal-Eskalation wählt, fegt mit dem Wagen in 4,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und erreicht ein Höchsttempo von 270 km/h. Das Auto ist mit einer sehr präzisen Lenkung ausgestattet, verfügt über eine gute Balance und ein schon im normalen Modus überraschend straffes Fahrwerk. Dank eines Torsen-Differentials, das das Drehmoment variabel an die einzelnen Räder verteilt, ist auch die Hinterachse sehr agil. Anders gesagt: Das hier ist ein echter Sportwagen.

Abgesehen vom Modell LFA gibt es keinen anderen Lexus, der so viel Leidenschaft weckt wie dieses Coupé. Und es gibt keinen anderen, der den deutschen Konkurrenten so nahe kommt. Vor dem neuen BMW M4, dem Audi RS5 und dem Mercedes C 63 AMG jedenfalls muss sich der RC-F nicht verstecken.

Das muss man wissen: Nach den USA, Japan und England ist Deutschland der wichtigste Markt für die Sportmodelle von Lexus. Dennoch wird man den ab Januar für etwa 75.000 Euro lieferbaren RC-F hierzulande nur sehr selten sehen. Von der Jahresproduktion von etwa 5000 Autos sind 500 Fahrzeuge für Europa vorgesehen, von denen wiederum etwa hundert nach Deutschland kommen werden.

Das Auto kommt aber auch eine Nummer zahmer auf die Straße. Ab Jahresende wird der RC auch ohne "F" in einer zivileren Version angeboten. Diese Variante muss ohne das wunderbar prollig-provozierende Design auskommen und auch ohne V8-Motor. Der aber ist ja das Hauptargument für dieses Auto. Fünf Liter Hubraum, 477 PS Leistung und insgesamt ein ziemlich gestriges Konzept - so etwas gibt es kaum noch. Selbst der BMW M4 muss mit einem Sechszylindermotor auskommen und der V8 im nächsten Mercedes C 63 AMG wird mehr als zwei Liter Hubraum einbüßen.

Vom Fahrersitz des RC-F betrachtet ist der Hybridantrieb eine ferne Vision, einerseits. Andererseits jedoch beherrscht auch der V8-Ballermann, ebenso wie die Benzinmotoren der Hybridmodelle, den sogenannten Atkinson-Zyklus: Bei gemächlicher Gangart wechselt der Achtzylinder auf eine sparsamere Verbrennung durch einen unterschiedlichen Kolbenhub beim Ansaugen und Ausstoßen des Treibstoff-Luft-Gemischs. Viel mehr als etwas Öko-Kosmetik ist dieser Kunstgriff aber nicht. Denn erstens wird man den RC-F nur selten gemächlich fahren, und zweitens sinke der Verbrauch des Fünf-Liter-Motors dann auch nur auf den Wert eines 4,2-Liters, räumt Yaguchi ein.

Das werden wir nicht vergessen: Ein Design wie ein Rennwagen, radikale Fahrleistungen und eine beeindruckende Straßenlage - viel fehlt dem RC-F nicht zum Rundstrecken-Renner. Im Gegenteil: Bei den Instrumenten im arg zerklüfteten Cockpit hat Chief Engineer Yaguchi die Nähe zum Motorsport sogar übertrieben. Denn die vielen Telemetriedaten, die man sich auf den Bildschirm holen kann, lassen sich beim Autofahren gar nicht verarbeiten. Auf der Play-Station mag das gehen - bei Tempo 270 sicher nicht.

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insgesamt 27 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ähnlichkeiten mit ...
ing.mark 19.09.2014
In der Seitenlinie hat der ab den Luftausströmöffnungen hinterm Vorderrad Ähnlichkeiten mit einem M3, das Heck ähnelt dem M235i Coupe ... zzz
2. Die Farbe geht gar nicht.
isolde.duschen 19.09.2014
Ganz in schwarz sähe der sicher krass aus. Aber so? Die Farbe erinnert mich irgendwie an die auf der Wäscheleine wehenden Kochschlüpfer meiner Oma. PS. Die Farbe eines Autos ist egal, Hautsache es ist schwarz. [H. Ford]
3. Kolbenhub
wikkur 19.09.2014
"Unterschiedlicher Kolbenhub"; wie funktioniert das ? ?
4. @ingmark
simple-minded 19.09.2014
Soso, wie M3 und M235i Coupe und ueberhaupt nur abgekupfert - dann versteh ich auch die Ueberschrift: Voll auf Proll
5. Ein Witz von einem Auto
zick-zack 19.09.2014
Gegen einen V8 gibts eigentlich nichts einzuwenden, aber der hier klingt albern wie ein Porsche. Und das Design ist eine Katastrophe! Liegt vielleicht auch daran, daß ich auf PickUp's stehe...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: RC-F
Karosserie: Coupé
Motor: V8-Benziner
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 4.969 ccm
Leistung: 477 PS (351 kW)
Drehmoment: 530 Nm
Von 0 auf 100: 4,5 s
Höchstgeschw.: 270 km/h
Verbrauch (ECE): 10,8 Liter
CO2-Ausstoß: 181 g/km
Kofferraum: 366 Liter
Gewicht: 1.765 kg
Maße: 4705 / 1845 / 1390
Preis: 75.000 EUR


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