Lexus RX 400h: Scotty, Energie!

Von Jürgen Pander

Unendliche Abgasschwaden, unermesslicher Benzinverbrauch - das kann natürlich nicht ewig so weitergehen. Alle Autohersteller tüfteln deshalb an neuen Techniken. Toyota hat eine bereits fertig entwickelt: Die Edelmarke Lexus fährt den weltweit ersten SUV mit Hybridantrieb vor.

Lexus RX 400h: Die Zukunft fährt eher unauffällig vor

Lexus RX 400h: Die Zukunft fährt eher unauffällig vor

Klar kann man dieses Autos fahren wie jedes andere auch. Reinsetzen, Zündschlüssel drehen, Automatikhebel auf "D" stellen und aufs Pedal treten. Der Wagen fährt und eigentlich ist alles wie immer. Und doch ist alles anders, denn der Lexus RX 400h könnte das Auto sein, von dem es später einmal heißen wird, dass es dem Hybridantrieb zum Durchbruch verholfen hat. Bislang nämlich klang das Wort "Hybridfahrzeug" nach automobiler Magerkost, freiwilligem Verzicht, leidenschaftsloser Fortbewegung. "Der RX 400h aber beweist", sagt Filippo Bellanti, Marketingchef von Lexus in Deutschland, "dass vernünftige Dinge auch Spaß machen können."

Bislang boten nur Honda und Toyota Hybridautos an, beides brave, abgesehen von ihrer Technik höchst unspektakuläre Modelle der unteren Mittelklasse. Jetzt aber haben die Japaner eine Kundschaft im Visier, die sie auf keinen Fall mit Öko-Aktivisten in Verbindung gebracht wissen wollen, sondern vielmehr mit Leuten, die an Technik ebenso interessiert sind wie an Lifestyle und Luxus. "Genuss ohne Reue", nennt Bellanti das Prinzip, nach dem diese Menschen ihre Bedürfnisse befriedigen wollen. Für diese Spezies ist der Lexus RX 400h gedacht, ein 4,76 Meter langes, gut zwei Tonnen schweres Sport Utility Vehicle (SUV), das über einen Antriebsverbund aus einem Sechszylinder-Benzinmotor sowie zwei Elektromotoren verfügt. Die Kombination garantiert einerseits üppige Fahrleistungen, andererseits jedoch einen vergleichsweise geringen Durchschnittsverbrauch von 8,1 Liter Benzin je 100 Kilometer sowie einen moderaten CO2-Ausstoß von 192 Gramm pro Kilometer.

Lexus Hybrid Synergy Drive: 1 Generator/Elektromotor, 2 Inverter/Konverter, 3 V6-Benziner, 4 Batterie, 5 Elektromotor

Lexus Hybrid Synergy Drive: 1 Generator/Elektromotor, 2 Inverter/Konverter, 3 V6-Benziner, 4 Batterie, 5 Elektromotor

Das Hybridsystem aus drei Motoren, einem Generator, einer Batterie, einem regenerativen Bremssystem sowie dem Inverter - Technik-Chef Hans-Peter Wandt nennt ihn "das Gehirn" - ist hochkomplex und funktioniert bemerkenswert unmerklich. Ständig fließt Leistung von hier nach da, von dort nach hier, da nach dort und umgekehrt. Beim Beschleunigen treten je nach Bedarf der vordere Elektromotor, der Elektromotor plus der Benziner oder alle drei Aggregate in Aktion. Geht der Fahrer vom Gas oder bremst er, wird die kinetische Energie des Wagens im Generator in elektrischen Strom umgewandelt und in der Batterie gespeichert. Wer mag, kann sich das stetige Wechselspiel der Kräfte auf dem Bordmonitor anzeigen lassen - und sich abermals wundern, auch nicht das Geringste davon zu spüren.

Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: RX 400h
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Benziner, zwei Elektromotoren
Hubraum: 3.311 ccm
Leistung: 272 PS (200 kW)
Drehmoment: 750 Nm
Von 0 auf 100: 7,6 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Verbrauch (ECE): 8,1 Liter
CO2-Ausstoß: 192 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 439 Liter
umgebaut: 1.180 Liter
Versicherung: 22 (HP) / 26 (TK) / 23 (VK)
Preis: 49.750 EUR
Das stimmt nicht ganz. Denn der vordere, 167 PS (123 kW) starke Elektromotor, der ein Drehmoment von 333 Newtonmeter liefert und mit dem sich der Lexus in Bewegung setzt, ist für die Insassen des Wagens nahezu unhörbar. Erst wenn sich der V6-Benziner mit 211 PS (155 kW) und 288 Newtonmeter ohne Zucken und Rucken zuschaltet, ändert sich die Klangfarbe in vertraute Töne. Der Elektromotor an der Hinterachse (68 PS, 50 kW, 130 Newtonmeter) sorgt bei Bedarf für den Allradantrieb des Wagens. Die Maschine wird unabhängig von der vorderen Antriebseinheit gesteuert, es gibt also keine mechanische Verbindung zwischen Vorder- und Hinterachse, und damit wurde das Allradsystem deutlich leichter als bei anderen Fahrzeugen. Allerdings ist es auch nicht so effektiv, aber der RX 400h will ja auch nicht im Schlamm wühlen, sondern auf dem Boulevard glänzen und dadurch Aufmerksamkeit erregen, dass er im trägen Stadtverkehr irritierend leise und vor allem abgasfrei dahinschnurrt.

Optisch entspricht das Hybridmodell weitgehend dem Lexus RX 300, nur an der Frontpartie wurden Kleinigkeiten geändert, und die hintere Sitzbank musste um fünf Zentimeter angehoben werden, damit die Nickel-Metallhydrid-Batterie drunter passt. Groß gewachsenen Rückbänklern wird es also eng um die Frisur. Sonst aber bietet der Wagen gute Platzverhältnisse, eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit sieben Airbags (inklusive Knieairbag für den Fahrer), ABS, ESP und Antriebsschlupfregelung sowie feine Details wie Klimaanlage, Tempomat, Musikanlage und ein Multifunktions-Lederlenkrad.

Lexus RX 400h: Nur das Typschild weist auf den Hightech-Inhalt hin

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Schwachpunkte des Lexus RX 400h sind sein leicht indifferentes Fahrwerk, das bei zügiger Fahrt durch enge Kurven doch etwas Mühe mit dem wuchtigen Wagen bekommt. Zudem spürt man es im Lenkrad deutlich, wenn sich die Wucht von mehr als 600 Newtonmeter auf die Vorderachse stürzt. Im Innenraum wiederum passen Kleinigkeiten wie die wackelige Abdeckung des Ablagefachs in der Mittelkonsole oder die öde Fläche vor der Armaturentafel nicht ganz zum Markenanspruch, der das "Streben nach Vollendung" proklamiert.

Die Kundschaft sieht über solche Äußerlichkeiten bei diesem Hightechpaket offenbar hinweg. 400 feste Bestellungen für das Hybridauto liegen bereits vor, die insgesamt 600 Exemplare, die in diesem Jahr noch nach Deutschland kommen werden, "sind praktisch ausverkauft", wie Bellanti berichtet. Im nächsten Jahr will Lexus 1200 Modelle des SUV-Hybriden hierzulande absetzen. Bis 2010, so die Ansage, steht in jeder Lexus-Baureihe eine Hybridvariante als jeweiliges Topmodell bei den Händlern.

Lexus-Innenraum: Glatt, übersichtlich und seltsam emotionslos

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"Die Zeit drängt", sagt Techniker Wandt. Schließlich werde nach heutigen Prognosen das Erdölfördermaximum im Jahre 2040 erreicht. Weil zugleich der weltweite Bestand an Automobilen von heute rund 700 Millionen auf rund 1,2 Milliarden Fahrzeuge bis 2020 ansteigen soll, "müssen erhebliche Verbrauchseinsparungen realisiert werden, wenn wir weiter mobil bleiben wollen". Potential dafür gibt es noch reichlich, nach der Testfahrt meldete der Bordcomputer einen Verbrauch von 8,4 Liter. Für einen agilen Zweitonner erstaunlich, denn vergleichbare Benzin-SUV verbrauchen fast das Doppelte, aber als absoluter Wert immer noch ziemlich hoch. Doch die Hybridwelle, die bei Toyota und Lexus gerade anrollt, ist ja erst der Anfang. 2015 soll der erste Serien-Toyota mit Brennstoffzelle zum Preis von etwa 50.000 Euro auf den Markt kommen.

Das Knowhow für dieses Fahrzeug sammeln die Japaner unter anderem auch durch die Verbreitung von Hybridfahrzeugen, von denen sie, seit 1997 der erste Prius auf den Markt kam, weltweit bereits mehr als 360.000 weltweit verkauft haben. Das Besondere dabei: Toyota stellt 90 Prozent der Teile im eigenen Konzern her, ein in der Autoindustrie außergewöhnlicher Anteil. Das Unternehmen kumuliert somit wertvolles Wissen über eine Technik, die zukunftsprägend sein könnte. Scotty, hol' schon mal den Wagen!

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