Autogramm Lexus RX 450h Das Komfortmonster

Der Lexus RX sieht aus, als fresse er Kleinwagen zum Frühstück. Dabei ist der neue SUV ein Softie durch und durch.

Lexus

Der erste Eindruck: Lexus oder Lambo? Beim neuen RX treiben die Japaner das Manga-Design so weit, dass der Allradler auch als Prototyp des bevorstehende Lamborghini-SUV durchgehen könnte. Oder als Beitrag zum Darth-Vader-Ähnlichkeitswettbewerb.

Das sagt der Hersteller: Der etwas kleinere SUV NX ist zwar aktuell der Bestseller im Lexus-Angebot in Deutschland, doch absolut gesehen ist der Lexus RX das wichtigere Auto. "Mit weltweit mehr als 2,2 Millionen und allein in Europa mehr als 200.000 verkauften Einheiten ist der RX unser bislang erfolgreichstes Modell", sagt Ferry Franz, der Chef von Lexus in Deutschland. Jeder dritte verkaufte Lexus ist ein RX. Kein Wunder also, dass die kleine Marke für die vierte Generation der Baureihe am großen Rad dreht.

Das ist uns aufgefallen: Selten standen Auftritt und Antritt in so einem Widerspruch wie bei diesem Lexus. So giftig die Optik erscheint, so gelassen fährt der SUV. Zwar hat das Hybridpaket aus einem V6-Benzin-Direkteinspritzer und zwei E-Maschinen jetzt eine Systemleistung von 313 statt bislang 299 PS. Doch weder bei einem Sprintwert von 7,7 Sekunden noch bei 200 km/h Spitze bekommt man Herzrasen.

Zumal auch alle anderen Versuche des Dynamikdopings scheitern. Der Klanggenerator, der einen virtuellen Ansaugsound erzeugt, klingt nicht kräftig, sondern künstlich. Die stufenlose Automatik ist bei verschärfter Gangart auch ohne die sechs virtuellen und eher albernen Schaltstufen schon nervig genug. Und wenn man das Modusrädchen auf dem Mitteltunnel auf Sport+ dreht, ändert sich nicht viel mehr als die Farben im Digitalcockpit. Die neue Sportlichkeit des neuen RX manifestiert sich daher vor allem in der um zwei Zentimeter abgesenkten Fahrersitzposition.

Aber warum muss es auch immer sportlich sein? Will man wirklich im Gerangel auf der linken Spur mitmischen und sich mit BMW-X5- oder Mercedes-GLE-Piloten messen, die mit Tankkarten ohne Limit ausgestattet sind? Wer sich frei macht von dieser Hektik und nur ausnahmsweise mal am Limit fährt, der erlebt den RX als ruhenden Pol in einer immer irreren Autowelt. Das kann man angesichts der verbesserten Dämmung und des reduzierten Luftwiderstandes sogar wörtlich nehmen.

Man fährt nicht nur entspannter (und damit auch näher am Normverbrauch von 5,2 Litern), sondern man hat auch Augen für andere Dinge als die Rücklichter des Vordermanns. Zum Beispiel für den gründlich aufgewerteten Innenraum. Der bietet größere Beinfreiheit, bessere Aussicht und endlich jene Materialauswahl und Detailliebe, die man in dieser Klasse erwarten darf - Leder, Hölzer und einen Cinemascope-Bildschirm über dem Cockpit inklusive.

Das muss man wissen: Der neue RX wurde größer. Der Radstand wächst um fünf und die Länge um zwölf Zentimeter. Deshalb geht es schon in Ordnung, das zur Markteinführung am 23. Januar auch der Preis steigt. Das Hybridmodell mit den beiden E-Maschinen mit 167 PS vorn und 68 PS hinten kostet ab 58.900 Euro.

Als zweite Motorisierung wird ein 238 PS starker Vierzylinder-Turbo angeboten; wer diese Maschine in Kombination mit Frontantrieb ordert, kann den Preis auf 49.900 Euro drücken. Ein Dieselmotor ist nicht verfügbar, ein Plug-in-Hybridantrieb ebenfalls nicht.

Dass Ausgerechnet der Wegbereiter des Hybridantriebs in Sachen Plug-in-Hybrid auf der Bremse steht, verwundert anfangs. Man hätte problemlos einen bauen können, sagt Lexus-Produktmanagerin Linda Schlösser und erklärt mit ein paar interessanten Zahlen die Absage an das Konzept: Zwar hätten sich die Zulassungen für Plug-in-Hybrid-SUVs binnen Jahresfrist verzehnfacht, "doch in absoluten Zahlen sind das keine 500 Autos. Zieht man davon auch noch die Firmen- und Händlerzulassungen ab, bleiben nur gut 100 Fahrzeuge in Kundenhand übrig."

Dass Lexus für solche Mengen keinen Aufwand treiben will, kann man nachvollziehen. Zumal Studien ergeben haben, dass das Gros der Plug-in-Fahrzeuge vor allem dazu genutzt wird, um den Verbrauchsschnitt von Firmenflotten zu drücken, im Alltag aber kaum an der Steckdose geladen wird. Sollte sich das ändern, sei eine Aufrüstung zum Plug-in-Hybrid problemlos möglich, versichert Schlösser.

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Das werden wir nicht vergessen: die Liebe zum Detail, die in diesem Auto steckt. Dass man die elektrische Kofferraumklappe mit einer Geste in Richtung Markenlogo öffnen kann zum Beispiel. Dass man das Lenkrad auch aus Bambusholz bekommt, dass sich die Regler des Soundsystems so feinfühlig bewegen lassen wie bei einer Highend-Stereoanlage oder dass selbst die Becherhalter einen silikongedämpften Hubboden haben und sich so jeder unterschiedlichen Flaschen- oder Dosengröße anpassen. Wer's mit Gemütlichkeit probiert, feiert im RX ein Fest der Sinne, während die anderen einfach nur fahren.

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insgesamt 233 Beiträge
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Seite 1
krypton8310 28.11.2015
1.
Außen wie innen sehr schönes Design. Da Lexus sich aber auch hier das zweistufige Getriebe für die E-Motoren spart und damit nur 200 km/h Höchstgeschwindigkeit anbieten kann, dürfte das Auto auf dem deutschen Markt viel potenzielle Kundschaft verlieren. Wer hierzulande viel Geld für starke Motoren ausgibt, will sie auch ausfahren können. Würde mich schon nerven, wenn irgendwelche BMW X1 anfangen können zu drücken...
stinkfisch1000 28.11.2015
2. Vmax
Vmax 200 ist indiskutabel bei so einer Fahrzeugklasse.
Geschienen 29.11.2015
3. Vorderfront gefällt mir nicht!
Wenn aus funktionellen Gründen z.B.der Aerodynamik diese Form und auch die Größe des Kühlergrills Vorteile bringen würde, fände ich den Entwurf trotzdem misslungen.
nick_neuer 29.11.2015
4. In der Tat
Zitat von krypton8310Außen wie innen sehr schönes Design. Da Lexus sich aber auch hier das zweistufige Getriebe für die E-Motoren spart und damit nur 200 km/h Höchstgeschwindigkeit anbieten kann, dürfte das Auto auf dem deutschen Markt viel potenzielle Kundschaft verlieren. Wer hierzulande viel Geld für starke Motoren ausgibt, will sie auch ausfahren können. Würde mich schon nerven, wenn irgendwelche BMW X1 anfangen können zu drücken...
Die Fahrleistungen sind für ein Fahrzeug dieser Preisklasse tatsächlich indiskutabel. Ich fahre zwar nur selten schneller als 200 km/h, aber wenigstens die Möglichkeit möchte ich schon haben, wenn ich über 50K€ hinlege. Noch mehr als über den X1 würde ich persönlich mich über den 2l TDI Octavia ärgern. Die Typen fallen oft unangenehm auf - vielleicht muss das Markenimage kompensiert werden. Innen gefällt mir der RX auch ganz gut, von außen finde ich ihn eine Zumutung, aus jeder Perspektive.
poudel 29.11.2015
5. Über Geschmack...
...lässt sich bekanntlich streiten. Es lebe die individuelle Meinung! Es ist ganz knapp das zweithässlichste Auto dieser Welt. Wirklich nur wenige Millimeter hinter dem Pontiac Aztek.
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