Lexus RX 450h In permanenter Sparbereitschaft

299 PS, 6,3 Liter Verbrauch, 148 Gramm CO2 - das sind Werte die manchen Autoentwickler ins Schwitzen bringen dürften. Denn erzielt werden sie vom neuen Lexus RX 450h, einem SUV mit 2,1 Tonnen Leergewicht und Hybridantrieb. Kein anderes Auto dieses Kalibers ist derart genügsam.

Von Jürgen Pander


Ulrich Selzer, deutscher Geschäftsführer von Lexus,hat Oberwasser. "Während andere noch mit dem Ankündigen von Hybridautos beschäftigt sind, bringen wir bereits die zweite Generation des Hybridantriebs auf die Straße", sagt er. Ab 29. Mai wird das der Fall sein, dann debütiert der Lexus RX 450h bei den 43 deutschen Händlern.

Mit dem Vorgängermodell, dem RX 400h, führte die Luxusmarke des japanischen Toyota-Konzerns vor vier Jahren die Hybrid-Antriebstechnik erstmals in die gehobenen Fahrzeugkategorien ein. In Deutschland ist die SUV-Baureihe das beliebteste Modell der Marke und inzwischen bestellen nach Selzers Angaben "rund 95 Prozent aller Kunden" die Variante, die von einem Verbund aus einem Benzin- und zwei Elektromotoren angetrieben wird. Auch die jüngste, dritte Variante des Allradlers mit Geländewagenoptik setzt auf dieses Prinzip.

Im neuen RX 450h kümmern sich ein 249 PS starker V6-Benzinmotor sowie ein Drehstrommotor mit 167 PS an der Vorderachse und ein 68 PS starker Elektromotor an der Hinterachse um den Vortrieb. So realisiert Lexus einen Allradantrieb ohne Kardanwelle, denn sobald die Elektronik den Bedarf für vier angetriebene Räder erkennt, wird der hintere Motor zugeschaltet. Eine Nickel-Metall-Hydridbatterie, aus 240 Zellen bestehend und 69 Kilogramm schwer, sitzt unter der Rücksitzbank und liefert die Energie. Ein Generator speist Strom in die Batterie zurück, sobald das Auto im Schubbetrieb rollt oder abgebremst wird.

Überraschend ist die Konfiguration nicht, man kennt sie aus dem bisherigen RX-Hybridmodell. Erstaunlich ist jedoch die deutliche Verbrauchssenkung von zuvor 8,1 auf nun 6,3 Liter bei zugleich gestiegener Leistung von 272 auf 299 PS. Etwa die Hälfte der Spritersparnis wurde durch Feinarbeit am Benzinmotor erreicht: Er arbeitet nun mit Abgasrückführung, verkürzt die Kaltstartphasen durch eine erstmals eingesetzte Abgaswärme-Rückgewinnung und läuft im so genannten Atkinson-Zyklus, der zwar eine Leistungseinbuße mit sich bringt, aber die innermotorischen Widerstände senkt.

Das mit der Leistungseinbuße des Verbrenners bei niedrigen Drehzahlen ist in diesem Fall kein Problem. Denn das Anfahren geschieht rein elektrisch und nahezu lautlos. Erst ab zirka 40 km/h springt der Benziner an und wird über das stufenlose Getriebe unmerklich in den Antrieb eingeklinkt. Übrigens: Die zweite Hälfte der Spriterstparnis ist das Resultat verbesserter elektrischer Komponenten. Die wurden leichter und kompakter, und können nun effektiver Bremsenergie zurück gewinnen.

Darüber hinaus erkennt die Getriebesteuerung, ob das Auto gerade bergab oder bergauf fährt und kann so die Übersetzung besser abstimmen. Und schließlich verfügt der RX 450h über vier unterschiedliche Fahr-Modi: Normal, Eco, Snow oder EV - wobei letzterer das rein elektrische Fahren auf rund drei Kilometern ermöglicht.

Elektrisch fahren - ein hübscher Gag für die Nachbarschaft

Das aber ist eher ein Gag, um der Nachbarschaft mit flüsterleisem nach Hause kommen zu imponieren. Viel wirkungsvoller ist der Eco-Modus. Dabei wird die Leistung der Klimaanlage gedrosselt und die Empfindlichkeit des elektronischen Gaspedals verändert. Mit dieser Einstellung fuhren wir 120 Kilometer kreuz und quer durchs Ostallgäu, dabei durch etliche Ortschaften und mit 140 km/h auch zirka 30 Kilometer auf der Autobahn. Resultat am Ziel: ein Durchschnittsverbrauch von 7,7 Liter.

Das ist, nichts anderes war zu erwarten, eindeutig mehr als offiziell angegeben, doch eine Differenz zwischen Prüfstand-Theorie und Fahr-Praxis gibt es praktisch bei jedem Auto. Interessant wird der Verbrauch von 7,7 Liter deshalb, weil er nicht nur weit unter jenen Werten von Konkurrenzmodellen mit Sechszylinder-Benzinmotor liegt, sondern auch unter solchen mit Dieselantrieb. Der BMW X5 3.0sd mit 285 PS etwa schluckt im Mittel 8,1 Liter; der Mercedes ML 320 CDI mit 224 PS gar 9,5 Liter. Und da ist der Praxis-Aufschlag noch gar nicht draufgerechnet.

Der konventionell-angetriebene RX spielt kaum eine Rolle

Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem RX 350, also dem identischen SUV-Modell der Marke ohne Hybridantrieb. Bei diesem Auto leistet der V6-Benziner 277 PS und verbraucht im Schnitt 10,6 Liter. Allerdings ist das Auto für 52.370 Euro gut 7000 Euro billiger als die elektrifizierte Variante.

Die Hybridtechnik erreicht also das Ziel, den Spritdurst großer Autos maßgeblich zu drosseln, ohne dass man Fahrspaß oder Fahrkomfort verzichten müsste, was, folgt man der Argumentation mancher Marken, ein Angriff auf die Menschenwürde wäre. Im Lexus RX 450h funktioniert beides: Man kommt mit dem Auto seriös und sparsam voran.

Es sieht übrigens auch gut aus. Die flach auslaufende Dachlinie verleiht dem Wagen eine schnittige Silhouette, die Schwünge in den Flanken und die prägnantere Frontpartie wirken elegant. Am besten ist jedoch das Heck gelungen. Weil die Designer den Scheibenwischer im Dachspoiler verstecken, sieht das Auto von hinten extrem glatt und aufgeräumt aus. "Cleaned" sagen Designer dazu - und das gilt in diesem Fall auch für die Technik.

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