Autogramm Lexus RX 450h L Siebengebirge

Das Hybrid-SUV Lexus RX 450h fristet hierzulande ein Nischendasein. Daran dürfte auch eine neue, um elf Zentimeter gestreckte Variante kaum etwas ändern. Immerhin ist der Wagen der erste Lexus-Siebensitzer hierzulande.

Lexus

Der erste Eindruck: Ein Auto mit eigenwilliger Seitengrafik. Der Lexus RX 450h L sieht ein bisschen so aus, als hätte man dem Designer die Skizze entrissen, ehe die Tusche richtig trocken war - so spitz laufen die Fenster nach hinten zu.

Die Seitenlinie des Lexus
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Die Seitenlinie des Lexus

Das sagt der Hersteller: Wegen der großen Nachfrage verlängert - nach der Lesart von Lexus trifft das zu. Die japanische Marke rühmt das SUV-Modell RX als eines der ersten noblen Modelle dieses Typs und verkaufte das Auto in den letzten 20 Jahren vor allem in den USA extrem gut. Entsprechend genau folgen die Japaner den Anregungen ihrer wichtigsten Kunden und erfüllen mit dem RX L jetzt deren Wunsch nach mehr Platz. Und jetzt, da das Auto ohnehin fertig ist, könne man es ja auch hierzulande anbieten, argumentieren die Lexus-Manager in der Europa-Zentrale in Brüssel. Zumal der verlängerte RX der erste Siebensitzer in der hiesigen Modellpalette ist und so die Zielgruppe erweitern soll: Mit deutlich mehr Platzangebot sowie praktischen Details könnte der RX L vor allem für anspruchsvolle Familien interessant sein.

Tom Grünweg

Das ist uns aufgefallen: Wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann. Von außen wirkt der um elf Zentimeter verlängerte RX L fast eine Klasse größer und damit näher am Mercedes GLS oder Land Rover Discovery als an einem BMW X5 oder Mercedes GLE. Und wenn man vom Fahrersitz aus in den Rückspiegel schaut, bekommt man eine Art Tunnelblick, so weit erstreckt sich der Innenraum nach hinten. Doch wer auf den neuen Sitzen in der dritten Reihe Platz nimmt, sieht das ein bisschen anders. Denn nicht nur der Zustieg ist mühsam, erst müssen die Passagiere durch die klein geratene Fondtür und vorbei an der Lehne der Rücksitzbank. Entspannter wird es beim Sitzen nicht, denn Bein- und Kopffreiheit sind sehr bescheiden. Zu allem Übel gibt es in der dritten Reihe nur kleine Fenster, sodass man sich in einer engen, dunklen Höhle wähnt. Wer größer ist als 1,30 Meter, der will so schnell wie möglich runter von dieser Strafbank.

Aber es sind ja nicht nur die beiden Notsitze, die den Wagen ausmachen. Sind diese erst einmal per Elektromechanik weggeklappt, profitiert der Fahrer vom Längenwachstum des Fahrzeugs. Das Gepäckabteil fasst bei fünfsitziger Konfiguration 591 Liter, als Zweisitzer bietet der RX L sogar 1656 Liter Stauvolumen. Es gibt sogar ein nützliches Fach im Wagenboden, in dem die Kofferraumabdeckung verstaut werden kann.

Zudem lassen sich die beiden Hälften der Rückbank in zweiter Reihe um etwa 20 Zentimeter in Längsrichtung verschieben. Obendrein kann die Lehnenneigung variiert werden, womit man in diesem Auto besser sitzt als in jedem anderen Lexus.

Während die Passagiere je nach Sitzreihe also einen deutlichen Unterschied spüren, ändert sich für den Fahrer nichts. Der Radstand des RX L ist identisch mit dem des RX, das Mehrgewicht zu vernachlässigen mit dem Ergebnis: Der eine fährt sich wie der andere. Dafür aber ganz anders als die Konkurrenz: Während insbesondere deutsche Modelle wie Mercedes GLE oder BMW X5 so stolz auf ihre Dynamik sind, gibt sich der Lexus RX bewusst gelassen. Man darf deshalb von der 313-PS-Leistung des Hybridantriebs nicht zu viel erwarten. Mit einem Spitzentempo von 180 km/h beispielsweise fährt der Lexus RX in diesem Segment nur hinterher. Aber das tut er so ruhig, unaufgeregt und entspannt, dass man gar nicht schneller fahren möchte.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Lexus RX 450h L - mit unserem 360-Grad-Foto:

Allerdings stechen etwa die Deutschen Nobel-SUV das japanische Modell nicht nur in der Sport- sondern auch in der Sparwertung aus. Ja, die 5,9 Liter Normverbrauch des Lexus RX L sind nicht schlecht, zumal man diesem Wert in der Praxis durchaus nahekommen kann. Doch auf die Plug-in-Offensive der deutschen Hersteller hat Lexus keine Antwort: Während einige deutsche Modelle Dutzende Kilometer weit rein elektrisch fahren können, und dabei sogar Autobahntempo erreichen, geht dem RX mit dem konventionellen Hybridantrieb schon nach wenigen Hundert Metern der Saft aus. Noch ehe der Tacho Tempo 50 zeigt, schaltet sich der Verbrenner zu.

Das muss man wissen: Lexus hat mit dem Verkauf des RX L begonnen. Um elf Zentimeter gestreckt, kostet das Auto ab 67.000 Euro und ist damit gut 8000 Euro teurer als der normale RX. Allerdings reklamiert Lexus für den Lulatsch auch eine bessere Ausstattung, weshalb der reale Preisaufschlag bei etwa 3500 Euro liege, wie der Hersteller betont.

Den Antrieb übernimmt in jedem Fall ein 3,5 Liter großer V6-Benziner mit 262 PS Leistung, dem je nach Fahrsituation zwei Elektromotoren zugeschaltet werden. Einer wirkt mit 167 PS auf die Vorder-, der andere mit 68 PS auf die Hinterachse. Dazu gibt's einen Pufferspeicher mit Nickel-Metall-Hydrid-Zellen und eine stufenlose Automatik, die nach der letzten Überarbeitung glücklicherweise kaum noch nervt.

Das werden wir nicht vergessen: Den elektrischen Mechanismus zum Ein- und Ausklappen der Sitze in der dritten Reihe. Dieser steht nur exemplarisch für die Sorgfalt, mit der die Ingenieure den Rückraum gestaltet haben. Zwar ist der Sitzkomfort ganz hinten eher bescheiden, doch haben die Entwickler versucht, das Optimum für die Passagiere herauszuholen. Wo sonst gibt es für die hintersten Passagiere eine separate Klimaanlage und eigene Getränkehalter?

Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: RX 450h L
Karosserie: SUV
Motor: V6-Benzindirekteinspritzer mit zwei E-Maschinen
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.456 ccm
Leistung: 262 PS (193 kW)
Leistung (E-Motor): 167 PS (123 kW)
Drehmoment: 335 Nm
Drehmoment (E-Motor): 335 Nm
Von 0 auf 100: 8,0 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 5,9 Liter
Kofferraum: 176 Liter
umgebaut: 1.656 Liter
Gewicht: 2.205 kg
Maße: 5000 / 1895 / 1700
Preis: 67.000 EUR


insgesamt 106 Beiträge
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Seite 1
saftschubse 23.07.2018
1. Wer's scheee findet...
...67000 Euro ist aber schon heftig, und dann nur 180 km/h Spitze
hegri 23.07.2018
2. Was am Ende übrig bleibt
Das SUV-Klagelied lassen wir einfach mal weg. Es bleibt: Ein schweres, komfortables Auto mit Feigenblatt-Hybrid, unübersichtlicher Karosserie, Allradantrieb, der wohl selten genutzt wird und überschaubaren Fahrleistungen. Das alles bekomme ich für weit weniger Geld bei anderen Herstellern.
brux 23.07.2018
3. Unfug
Der Autor begreift weiterhin nicht das Softhybrid-Konzept. Es geht um Effizienz durch intelligente Energierückgewinnung. Das rein elektrische Fahren ist komplett sinnfrei, wenn man nicht konsequenten Leichtbau betreibt. Die Frage stellt sich also hier gar nicht. Warum bauen deutsche Firmen dennoch SUVs mit plug-in? Weil sie die EU Regeln mit Hilfe eines gewissen G. Verheugen so manipuliert haben, dass sich der Ansatz beim Flottenverbrauch disproportional positiv niederschlägt. Und der Ansatz ist obendrein besonders teuer, was beim deutschen Autokunden immer gut ankommt. Sein Geld sinnlos in einem teuren Auto zu versenken, bringt in Deutschland Sozialprestige.
Asmodys 23.07.2018
4. "Feigenblatt-Hybrid"?
Zitat von hegriDas SUV-Klagelied lassen wir einfach mal weg. Es bleibt: Ein schweres, komfortables Auto mit Feigenblatt-Hybrid, unübersichtlicher Karosserie, Allradantrieb, der wohl selten genutzt wird und überschaubaren Fahrleistungen. Das alles bekomme ich für weit weniger Geld bei anderen Herstellern.
Ein Fahrzeug dieser Klasse mit echtem Feigenblatt-Hybrid bekommen Sie tatsächlich bei anderen Herstellern.... allerdings für auch nicht weniger Geld, sondern eher sogar deutlich mehr. Dafür mit weniger Langzeitqualität, weniger technischer Ausgereiftheit, anfälligerer Technik, weniger Ausstattung, weniger Garantie und durch den weitgehend nutzlosen Plug-In-Hybrid-Ansatz aller deutschen Hersteller einen Antrieb, der für 90% aller normalen Durchschnittspendler, aufgrund mangelnder Lademöglichkeit zuhause und/oder am Arbeitsplatz, noch nicht mal nutzbar ist, der nach Aufbrauchen der externen Akkuladung aufgrund des deutlich höheren Gewichts, ineffizienter läuft als ein "normaler" Vollhybrid und sich aufgrund der aufwändigen, komplexen Technik durch exorbitante Preise auszeichnet, welche ihn im Vergleich zum normalen Vollhybrid weltweit nahezu unverkäuflich werden lassen und der aufgrund des "großen Erfolges" nach 2 - 3 Jahren wieder still und heimlich aus den Verkaufsprospekten verschwunden ist. Nein, so ein Auto bekommt man bei Toyota/Lexus aus gutem Grund tatsächlich nicht.
Asmodys 23.07.2018
5. Unfreiwillige Komik allenthalben (1)
Zitat: "Allerdings stechen etwa die Deutschen Nobel-SUVs das japanische Modell nicht nur in der Sport- sondern auch in der Sparwertung aus. Ja, die 5,9 Liter Normverbrauch des Lexus RX L sind nicht schlecht, zumal man diesem Wert in der Praxis durchaus nahe kommen kann. Doch auf die Plug-in-Offensive der deutschen Hersteller hat Lexus keine Antwort: Während einige deutsche Modelle dutzende Kilometer weit rein elektrisch fahren können, und dabei sogar Autobahntempo erreichen, geht dem RX mit dem konventionellen Hybridantrieb schon nach wenigen hundert Metern der Saft aus. Noch ehe der Tacho Tempo 50 zeigt, schaltet sich der Verbrenner zu." Noch immer zeichnet sich der einheimische Journalismus durch weitestgehende Uninformiertheit und auffallende Faktenresistenz aus, Business as usual. Oder soll hier wieder einmal die heimische Industrie wider besseren Wissens gehypt und in einem besonders guten, ach so "fortschrittlichen" und "innovativen" Licht dargestellt werden.... Ein Schelm wer... Die große "Plug-In"-Offensive der deutschen Hersteller entpuppt sich in der Praxis als Luftnummer, die aufgrund homöopathischer Absatzzahlen ein Schattendasein führt und bei der es inzwischen schon längst kein Geheimnis mehr ist, dass die unglaublich niedrigen Fabel-Verbrauchswerte im Prospekt, einzig und allein aus einem, speziell für Plug-In-Fahrzeuge extrem geschönten Verbrauchszyklus resultieren, der in der Praxis völlig unrealistisch bleibt. Und was die tollen Wunder-Plug-Ins dann tatsächlich im realen Fahrbetrieb verbrauchen und ob sie im Vergleich tatsächlich den Lexus-Hybriden hierbei "ausstechen" (was hier mit hoher Überzeugung gemutmaßt wird), steht in den Sternen... einen echten Vergleich liefert der Artikel nicht. Diese Modelle befinden sich einzig und allein als Alibi-Öko-Modelle im Programm, um den Flotten-CO2-Ausstoß-Wert zugunsten der konventionellen Spritschlucker zu senken und um EU-Strafzahlungen ab dem Jahr 2021 möglichst zu vermeiden. Am ernsthaften Verkauf und der Verbreitung solcher Modelle, hat die deutsche Autoindustrie keinerlei Interesse. Die Jungs bei Toyota haben 20 Jahre Erfahrung mit diesem Zeug... Wir können davon ausgehen, dass sie deshalb ganz genau wissen, was sich zu entwickeln lohnt und was nicht. Allein in Deutschland verkauft Toyota jährlich 3 x so viele ihrer "normalen" Hybride wie ALLE Plug-In-Hybride ALLER Hersteller auf dem deutschen Markt zusammen. Weshalb wohl? Weil es das einzige System ist, welches ausgereift, zuverlässig und alltagstauglich ist, keine neue Infrastruktur erfordert und vor allem.... erschwinglich(!) eingepreist ist. Und 1 Mio. verkaufter Normal-Hybride auf den Straßen bringen Mensch und Umwelt erheblich mehr, als 1000 zugelassene Plug-In-Hybride...
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