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12. September 2018, 15:09 Uhr

Autogramm Lexus UX

SUVtie

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Mit dem UX will die Marke Lexus endlich Erfolge in Europa feiern - und mehr als 100.000 Autos jährlich verkaufen. Das Design des SUV wirkt dementsprechend angriffslustig - doch beim Fahren zeigt der Wagen seine andere Seite.

Der erste Eindruck: Mit dem riesigen Kühlergrill und den scharfen Kanten sieht der Lexus UX aus, als wäre er einem japanischen Zeichentrick-Abenteuer entsprungen.

Das sagt der Hersteller: Außen SUV, innen Limousine - Chica Kako, die Projektleiterin des Lexus UX, hat den Wagen für Leute entworfen, die noch nicht so genau wissen, was sie wollen. Denn so sehr die neue, unter dem RX angesiedelte Baureihe nach SUV aussieht, so sehr soll sie sich nach Limousine anfühlen.

Kako nennt das neue Modell einen Urban Explorer, mit dem man vor allem in der Stadt auf Entdeckungsreise gehen soll. Und zwar vornehmlich in Europa, wo der Wagen dabei helfen soll, bis zum Ende der Dekade endlich auf über 100.000 Neuzulassungen pro Jahr zu kommen.

Das ist uns aufgefallen: Hinter dem Lenkrad des UX fühlt man sich ganz anders als in den üblichen SUV. Nicht nur, dass man dem Boden näher ist als sonst. Sondern mit stark konturierten Sitzen, einer hohen Mittelkonsole und einem dem Fahrer zugewandten Cockpit nimmt einen der UX förmlich gefangen. Das, was Projektleiter Kako die "In-Control"-Position nennt, kennt man sonst eher von Coupés.

Auch das Platzangebot ähnelt eher einem Sportwagen als einem SUV. Zwar sitzt man in der ersten Reihe wirklich bequem, und in der zweiten Reihe bietet das Auto durchaus mehr Platz als etwa der auf der gleichen Plattform aufgebaute Toyota C-HR. Doch bei 4,50 Metern Länge und 2,64 Metern Radstand sind die Möglichkeiten limitiert. Besonders, weil das Dach flach abfällt und die Heckklappe schräg steht. So sind Knie- und Kopffreiheit im Fond etwas eingeschränkt und der Kofferraum zählt nicht zu den größten.

Die sportliche Sitzposition weckt allerdings Erwartungen, die der Wagen nur schwer erfüllen kann - zumindest in der Hybrid-Version. Die kommt zwar auf eine Systemleistung von 178 PS und ist damit sicher ausreichend stark. Doch das spürbar verbesserte, stufenlose CVT-Getriebe ist noch immer eine Spaßbremse, indem es die zunehmende Drehzahl nicht unmittelbar in spürbare Geschwindigkeit umsetzt. Für den Sprint von 0 auf 100 braucht der UX 250h 8,5 Sekunden und die maximale Geschwindigkeit beträgt 177 km/h.

Auch der Hybridantrieb des UX ist eine Enttäuschung, weil der Akku zu klein ist und nicht an der Steckdose geladen werden kann. Zwar hat Lexus recht mit der Einschätzung, der für den UX genannte Durchschnittsverbrauch von 4,1 Liter je 100 Kilometer sei realistischer als die von abstrusen Normen geschönten Werte für Autos mit Plug-in-Hybridantrieb. Doch den Spaß am Stromern, jenes lautlose Dahingleiten in der Stadt oder die schnellen Sprints, kann der UX nicht bieten. Wer rein elektrisch fahren will, darf das Gaspedal lediglich mit dem kleinen Zeh streicheln und kommt trotzdem nur ein paar Hundert Meter weit.

Am besten fährt man den UX ohne große Ambitionen. Dann weicht der Krampf im Kampf um die Pole-Position oder einen möglichst hohen Elektroanteil einer wohligen Entspannung und man kann die komfortable Abstimmung und das handliche Fahrverhalten genießen.

Das muss man wissen: Konstruiert auf der mit dem neuen Prius eingeführten Global Architecture, die als Plattform für Toyota so wichtig ist wie für VW der modulare Querbaukasten, kommt der UX in Europa im März 2019 in den Handel. Jetzt, ein halbes Jahr vor dem Start, gibt es deshalb auch noch keinen konkreten Preis, sondern nur einen Richtwert von etwa 33.000 Euro.

Für diese Summe wird der UX allerdings mit herkömmlichem Vierzylinder-Benzinmotor und einer Leistung von 171 PS als Fronttriebler angeboten. Dessen Verbrauch liegt bei 5,6 Liter je 100 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit bei 190 km/h. Beim Hybrid-Antrieb kommt derselbe 2,0-Liter-Vierzylinder zum Einsatz, doch der Motor arbeitet wegen der Elektrounterstützung in einem sparsameren Verbrennungszyklus, dem sogenannten Atkinson-Kreisprozess, und leistet lediglich 146 PS. Was zur Hybrid-Systemleistung von 178 PS noch fehlt, steuert eine E-Maschine mit 109 PS bei, die auf Wunsch auch die Hinterachse antreibt und damit einen Allradantrieb ermöglicht.

Während die Motorenauswahl - gemessen an der Konkurrenz - eher knapp ist, hält Lexus bei der Ausstattung gut mit. Es gibt nicht nur vornehme Materialien wie Leder für den Innenraum, sondern auch eine Reihe von Assistenzsystemen: von der Abstandsregelung bis zum intelligenten Fernlicht, vom Head-up-Display bis zum adaptiven Fahrwerk.

Das werden wir nicht vergessen: Den Blick ins Cockpit, wenn man eine der vielen Tasten auf dem Lenkrad drückt. Dann verschiebt sich nämlich vor den virtuellen - weil digitalen - Anzeigen ein realer, massiver Skalenring und gibt den Blick frei auf andere Grafiken. Das ist zwar völlig sinnlos, aber trotzdem so schön anzusehen, dass man es immer wieder machen möchte.

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