Liebhaber-Autos Opels letzter Griff nach den Sternen

Gut zu sein, ist in der automobilen Oberklasse die eine Seite - Image die andere. Bei Opel in Rüsselsheim hatte es Mitte der siebziger Jahre schon Tradition, mit guten, aber imagelosen Autos gegen die Konkurrenz aus München und Stuttgart anzutreten. Ebenso oft wie man es probierte, scheiterte man auch. Mit den Modellen Monza und Senator aber sollte alles anders werden.


Opel Senator - enge Verwandtschaft mit dem Omega
Foto: GMS

Opel Senator - enge Verwandtschaft mit dem Omega

Rüsselsheim - 1978 gingen die gänzlich neuen Topmodelle Monza und Senator an den Start, um einen weiteren Griff nach den Sternen zu wagen.

Ihren großen Auftritt hatte die neue Nobelklasse aus Rüsselsheim auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im Herbst 1977 in Frankfurt. Der Senator übernahm bei dem neuen Duo den Part der repräsentativen Limousine. Seine Karosserie wirkte schlicht aber ergreifend und hatte den amerikanisch angehauchten Pomp der Vorgänger abgelegt. Der Monza konnte auf keinen Vorgänger zurückblicken; mit zwei Türen und sportlich schrägen Heck sollte er in der Oberklasse den Coupés von Mercedes und BMW den Rang ablaufen.

Ingenieure legten sich ins Zeug

Technisch hatten sich die Ingenieure gehörig ins Zeug gelegt. Zwar schimmert die Basis - die niederen Baureihen Rekord/Commodore - immer etwas durch, trotzdem gab es einiges, was auch die Fachwelt loben konnte. So galten beide als erste Produkte der Marke, die über eine Einzelradaufhängung verfügten. Bei den Motoren wurde auf bekannte Grauguss-Größen zurück gegriffen. Die Wurzeln der gusseisernen Reihensechszylinder mit 2,8 und 3,0 Litern Hubraum reichten weit zurück in die sechziger Jahre, mit Leistungen von 140 und 180 PS konnten sie jedoch immer noch als standesgemäß durchgehen.

Drinnen fand sich alles, was an Luxus gewünscht wurde - besonders beim Topmodell Senator CD. Der kam zur Markteinführung im Mai 1978 laut Opel serienmäßig unter anderem mit Automatikgetriebe, Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern, Zentralverriegelung, Sitzheizung, Leichtmetallrädern, Scheinwerfer Wisch-Wasch-Anlage und, und, und. Die Preise reichten von 23 380 Mark bis zu 37 250 Mark.

"Goldenes Lenkrad" für den Senator

Eigentlich sollte der Opel Monza den Coupés von Mercedes und BMW den Rang ablaufen - doch so richtig kam er nie auf Touren.
Foto: GMS

Eigentlich sollte der Opel Monza den Coupés von Mercedes und BMW den Rang ablaufen - doch so richtig kam er nie auf Touren.

Diesmal schien der Einstieg zu gelingen: Als Ende des Jahres die Auszeichnung "Goldenes Lenkrad" für die besten neuen Modelle des Jahres vergeben wurde, mischte der Senator CD ganz vorne mit. Er gewann den Preis in seiner Klasse mit großem Vorsprung vor einem so namhaften Konkurrenten wie dem Mercedes 450 SLC 5.0. Die Erklärung der Jury dürfte in der Konzernzentrale Freudentränen ausgelöst haben.

"Opel", so hieß es, "ist mit diesem Auto in die europäische Spitzenklasse vorgedrungen. Eine luxuriöse Limousine für besonders hohe Ansprüche, mit hohem Fahrkomfort, exzellenter Straßenlage und robustem Motor". Dem Monza wurden solche Ehren nicht zu teil - wobei jedoch alle Attribute auch auf ihn zutrafen. Als kleines Extra brachte er in dem langen Coupé-Heck noch eine große Klappe mit, die ihn bei Bedarf sogar zu einer Art luxuriösem Kleintransporter machte.

Kein Flop, aber auch kein echter Erfolg

So weit, so gut. Doch dann ist da ja noch der Kunde, der dem Ganzen zum Erfolg verhelfen sollte. Und im Prinzip verlief die Geschichte so wie immer, wenn Opel nach den Sternen griff. Es wurde kein Flop, aber auch kein echter Erfolg.

Vom Senator konnten zwischen 1978 und 1982 immerhin 69 321 Exemplare verkauft werden, der Monza fand 27 218 Liebhaber. Dann schien es den Opel-Mannen an der Zeit, der Nachfrage mit einer der allgemein gebräuchlichen Maßnahmen auf die Sprünge zu helfen: einem Facelift.

Geliftet wurde einiges. So kamen die Chromstoßstangen auf den Müll und wurden durch zeitgemäße Kunststoff-Exemplare ersetzt. Die Front wurde etwas abgeschrägt, das üppig verchromte Kühlergrill ebenfalls durch mehr Kunststoff und zierlichere Formen ersetzt. Nebeneffekt war neben modernerer Optik laut Opel eine verbesserte Aerodynamik und damit geringerer Benzinverbrauch.

Kunststoff statt Chrom - für die zweite Senator-Generation wurden ab 1983 nicht nur die Stoßstangen geliftet
Foto: GMS

Kunststoff statt Chrom - für die zweite Senator-Generation wurden ab 1983 nicht nur die Stoßstangen geliftet

Opel tat noch mehr - es gab auch ein paar neue Motoren. Die zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie aus den Oberklasse-Gefährten rein antriebstechnisch gesehen Mitglieder niederer Auto-Ränge machte. Neben den Sechszylindern gab es ab 1982 einen Zweiliter-Vierzylinder mit 110 PS, der zwei Jahre später von einem Aggregat mit 2,2 Litern und 115 PS abgelöst wurde. Während diese in Coupé und Limousine zu haben waren, ging man beim Senator noch einen Schritt weiter. Hier hielten auf Wunsch schwächliche Diesel mit 86 beziehungsweise 95 PS Einzug.

Quasi als Gegengewicht setzte Opel zumindest dem Monza im Juli 1983 eine neue Krone auf. Ganz in der Tradition der Namensgebungen des Hauses zierte das neue Topmodell die Zusatzbezeichnung GSE. Neben 180 PS und 215 Stundenkilometern Spitze gab es ein Sportfahrwerk sowie als typisches Sportabzeichen einen Heckspoiler. Hinzu kamen Breitreifen, Lederlenkrad und Sportsitze. Einen Schuss Hightech-Flair sollte die neue Instrumentierung mit Digital-Anzeigen statt herkömmlicher Zeiger bringen. Die Bewunderung dafür hielt sich in Grenzen - der Name "Mäusekino" machte alsbald die Runde.

Abschied von der Sternenkunde

Geholfen haben die Maßnahmen ohnehin nicht viel. In den vier Jahren von 1982 bis 1986 konnte sich zwar der Senator mit 60 323 Verkäufen noch halbwegs auf dem Niveau des Vorgängers halten, der Monza jedoch fand aller Mühen zum Trotz nur noch 16 595 Liebhaber.

Schon diese Zahlen zeigen, dass die Karriere des unterschätzten "Riesen-Manta" zu Ende ging. Der Senator schien den Opelanern noch einen weiteren Anlauf wert - wenn auch mit gebremstem Schaum. Der allerletzte Versuch verbarg kaum noch seine enge Verwandtschaft mit dem Opel Omega. Er schleppte sich von 1987 bis 1993 über die Runden, fand in diesen sechs Jahren fast exakt so viel Kunden wie das ungeliftete Urmodell in zwei Dritteln der Zeit - und machte damit Opel den endgültigen Abschied von der Sternenkunde wohl nicht besonders schwer.

Heiko Haupt, gms



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