Luis 4U Green Nur für echte Elektro-Nerds

Trotz großspuriger Ankündigungen gilt: Wer ein Elektroauto möchte, guckt bei den großen Herstellern immer noch in die Röhre. Eines der wenigen erhältlichen Fahrzeuge ist der Luis 4U Green. Für das Privileg, einen der ersten Stromer zu fahren, muss man allerdings anderswo Abstriche machen.

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Aus Ammersbek berichtet


Das Wasserstoffauto, frotzelte Ex-Maserati-Chef Karl-Heinz Kalbfell einmal, "ist immer 15 Jahre von der Serienreife entfernt." Mit Elektroautos scheint es ähnlich zu sein. Auf jeder Branchenmesse verkünden die Pkw-Hersteller, die Stromerrevolution stehe kurz bevor, allein: Im Autohaus herrscht weiterhin gähnende Leere. Wer ein ausgereiftes Akkumobil will, der kauft sich am besten einen Rollstuhl.

Eine der ganz wenigen Ausnahmen ist der 4U Green von Luis. Er wird vom gleichnamigen Zulieferer aus Ammersbek vertrieben. Bisher hat das Unternehmen nahe Hamburg zwar fast ausschließlich Flottenkunden beliefert, aber "auch Privatkunden können den 4U jederzeit bestellen", sagt Vorstand Jan Luis.

Den Wagen lässt Luis in China fertigen - in einer Fabrik, die sein Shanghaier Kooperationspartner vom japanischen Hersteller Daihatsu übernommen hat. Viele Komponenten des Wagens sind deshalb identisch mit denen des Terios, eines kompakten SUVs, den Daihatsu dort bis Mitte der nuller Jahre produzierte. Der Luis 4U sieht auch so ähnlich aus wie der Terios - er ist ein kleiner, knubbeliger Viersitzer mit Frontantrieb, erhöhter Sitzposition und angeschlagener Hecktür.

Flotter Flitzer mit eingebauter Bremse

Hier enden die Gemeinsamkeiten dann auch, denn unter der Haube des 4U summt ein Elektromotor. Im Boden des Fahrzeugs sind Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus mit einem Speicher von 32 Kilowattstunden untergebracht, die dem Mini-Offroader eine Reichweite von 150 bis 200 Kilometern bescheren. Für die Langstrecke ist das natürlich zu wenig. Jan Luis sagt, der Wagen sei "als reines Stadtauto konzipiert". Und dafür zumindest reicht der Aktionsradius dicke. Rasen kann man mit 4U ohnehin nicht, er ist bei 95 km/h abgeregelt.

Dabei hat der Luis durchaus Rumms. Wenn man das Gaspedal durchtritt, schießt der 37 PS starke Möchtegern-Offroader davon - auch weil das Drehmoment von 220 Nm anders als bei einem herkömmlichen Fahrzeug sofort voll verfügbar ist.

Aber Vorsicht: Während das Fahrverhalten im Normalbetrieb recht ordentlich ist, offenbart der Luis beim Sprint eine seiner Schwächen. Auf nasser Fahrbahn sollte man beim Vollgas-Beschleunigungsmanöver lieber das Lenkrad festhalten, sonst fängt man an zu schlingern. Angesichts der Tatsache, dass die Basisversion nur einen Airbag besitzt und kein ESP hat, darf man da durchaus ein bisschen nervös werden.

Knackmechanik trifft auf Hightech-Computer

Ansonsten fährt der Wagen erfreulich unaufgeregt, und er tut alles, was man von einem kompakten Cityflitzer erwartet.

Das Interieur des von uns getesteten Sondermodells 2010 ist ein etwas seltsames Potpourri: Billiges Armaturenplastik kontrastiert mit handgenähten Ledersitzen; die schlechte Dämmung lässt einen jedes mechanische Knacken und Ächzen hören - gleichzeitig hat der Wagen ein ausgefeiltes Multimediasystem und eine Rückfahrkamera an Bord. Letztere wohl deshalb, weil der Zulieferer Luis solche Geräte herstellt.

Wer ein Stadtauto sucht und vor allem ein paar Einkäufe und Kita-Transporte erledigen will, der wird mit dem Luis zurechtkommen. Wer freilich aus einem Modell wie dem VW Tiguan umsteigt, der muss sich - da gibt es nichts zu beschönigen - auf einen Qualitätsschock gefasst machen.

Auch ein Blick auf die Preisliste ist erschreckend. Das diesjährige Sondermodell des Luis 4U kostet 49.999 Euro. Dafür bekäme man zum Beispiel einen BMW 320d Efficient Dynamics Edition nebst allem, was die Ausstattungsliste so hergibt, plus Sprit für ein paar tausend Kilometer.

Und der 3er ist auch recht umweltfreundlich und dabei ungleich komfortabler, sicherer, schneller. Dafür dreht sich kein Schwein nach einem um. Beim lautlosen Luis hingegen gaffen einem die Passanten ungläubig hinterher.



insgesamt 3 Beiträge
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Realo, 30.08.2010
1. Sie aus wie ein Auto.....
...und mit 150 bis 200 km Reichweite ist es (fast) ein Auto. Aber der Preis - aua ! Das tut nur noch weh. 13.000 € plus einen grün Zuschlag von 3.000,- € darüber könnte man ja noch reden, aber 50.000,- € Das ist krank !
Skarrin, 30.08.2010
2. Ebenfalls aua
Zitat von Realo...und mit 150 bis 200 km Reichweite ist es (fast) ein Auto. Aber der Preis - aua ! Das tut nur noch weh. 13.000 € plus einen grün Zuschlag von 3.000,- € darüber könnte man ja noch reden, aber 50.000,- € Das ist krank !
Stimmt, der Preis ist mir definitiv auch zu aua ;-( Aber das ist halt eine Einzelfertigung, und Luis trägt das ganze Risiko, Wartung, Garantie etc. Mit 20-25k€ könnte ich mich bei einem China-Basisfahrzeug gerade noch so anfreunden, da der Akku mit 32kWh wirklich ok ist. Damit ist die angegebene Reichweite auf jeden Fall machbar. Der i-MiEV/Ion/c-zero hat nur halb so viel Akkukapazität an Bord, und soll auch ~40k€ kosten. Gruß Skarrin
Titmouse 01.09.2010
3. Reichweiten - so oder so ?
Zitat von Realo...und mit 150 bis 200 km Reichweite ist es (fast) ein Auto. Aber der Preis - aua ! Das tut nur noch weh. 13.000 € plus einen grün Zuschlag von 3.000,- € darüber könnte man ja noch reden, aber 50.000,- € Das ist krank !
Wie wurde die Reichweite - wenn überhaupt - ermittelt? Im Langstreckenbetrieb (z.B. Autobahn o.ä.) oder im Start-und-Stop-Verkehr (innerstädtisch)? Erzähl mir keiner, beim Abbremsen würde der Akku wieder aufgeladen.
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