Von Stefan Anker
Der Mazda 5 ist, wie die meisten seiner Konkurrenten, geräumig, variabel, komfortabel - mithin geeignet für Familien mit mindestens zwei Kindern oder für Kinderlose, die trendiges Sportgerät transportieren. Um sich vom Rest der Branche abzusetzen, haben die Japaner ihr neues Modell mit zwei seitlichen Schiebetüren ausgerüstet. Das gab es bislang nur bei einigen großen Vans, und es gestattet jetzt auch in der kleineren Klasse den bequemen Zustieg vor allem in engen Parklücken. Über 70 Zentimeter erstreckt sich die Türöffnung, dennoch bleibt das Durchschlüpfen zwischen Reihe zwei und drei den Kleinen und Gelenkigen vorbehalten - das lässt sich dem Mazda 5 aber ebenso wenig vorwerfen wie die knappe Beinfreiheit ganz hinten und der winzige Gepäckraum (112 Liter) bei voller Bestuhlung. Ein Kompaktvan ist nun mal kein VW Bus.
Dafür sitzt es sich in der zweiten Reihe überaus angenehm. Die beiden Einzelsitze halten vornehm Abstand voneinander, und auch die Beinfreiheit hinter Fahrer und Beifahrer ist mehr als ausreichend. Zu viert reist man gut im Mazda 5 und hat dann auch stattlichen Stauraum zur Verfügung. 720 Liter Volumen bietet das Gepäckabteil, wenn man mit je einem Handgriff die Sitze Nr. 5 und 6 so faltet, dass eine ebene Ladefläche entsteht.
Wo aber verbirgt sich Position 7? Sie ist die moderne Interpretation des Schwiegermuttersitzes: Öffnet man die Sitzfläche des linken Stuhls in der mittleren Reihe, kommt eine Art Polster-Brötchen zum Vorschein, das sich mit einem Griff zwischen die beiden anderen Sitze klappen lässt; die Rückenlehne bringt man auf ähnliche Weise zum Einsatz, und so kann mit viel gutem Willen tatsächlich ein siebter Platz gezählt werden.
Dennoch überwiegt im Mazda 5 der Komfort-Eindruck. Der Wagen rollt so entspannt auch über schlechtere Straßen, dass man den Ingenieuren dankbar ist und über die Idee der Sportlichkeit den Kopf schüttelt. Dabei ist der Mazda 5 keine weiche Sänfte. Mit seiner niedrigen Sitzposition und der feinfühligen Lenkung fährt der Japaner sich ausgesprochen handlich. Die komfortable Grundabstimmung lässt jedoch in Kurven keinen Zweifel am Konzept: Der hoch bauende Van neigt sich merkbar zur Seite - nicht störend, aber eben auch nicht sportlich. So wirkt er - auch äußerlich - allenfalls im Vergleich zum biederen Vorgängermodell Premacy.
Für Michael Bergmann, den kanadischen Chef von Mazda in Deutschland, hat der neue Van, der neben dem Premacy auch den größeren MPV aufs Altenteil schickt, eine enorme Bedeutung. Denn erstmals nach drei Jahren stetigen Wachstums ist die Mazda-Kurve in diesem Jahr abgeknickt. Bergmann: "Es war im Plan, dass die ersten vier bis fünf Monate nicht die Zahlen des Vorjahres erreichen würden." Der Grund dafür: Die Kunden warteten auf neue Modelle. Für 2005 sind neben dem Mazda 5 und dem überarbeiteten Mazda 6 (beide ab 18. Juni bei den Händlern) noch der MPS, eine Sportversion des Mazda 6, und die Neuauflage des Roadsters MX-5 vorgesehen. Bergmanns Ziele für 2005 heißen daher weiterhin: "80.000 Zulassungen und ein Marktanteil von 2,5 Prozent."
| Hersteller: | Mazda |
| Typ: | 5 |
| Karosserie: | Van/Kleinbus |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.999 ccm |
| Leistung: | 145 PS (107 kW) |
| Drehmoment: | 185 Nm |
| Von 0 auf 100: | 10,8 s |
| Höchstgeschw.: | 196 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 8,2 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 194 g/km |
| Kraftstoff: | Super bleifrei |
| Kofferraum: | 720 Liter |
| umgebaut: | 1.566 Liter |
| Versicherung: | 14 (HP) / 19 (TK) / 17 (VK) |
| Preis: | 22.300 EUR |
Wer 1700 Euro Aufpreis in die Version "Exclusive" investiert, erhält die dritte Sitzreihe inklusive der dazugehörigen Seitenairbags, außerdem Klimaanlage, CD-Radio und Alufelgen. Für weitere 1000 Euro Mehrpreis gibt es den 2,0-Liter-Benziner mit 145 PS, den Mazda als Bestseller erwartet - trotz zweier im September debütierender 2,0-Liter-Diesel mit wahlweise 110 oder 143 PS.
Bei Probefahrten zeigte sich der große Benziner zwar als drehfreudig und leistungsstark, konnte aber dem gleichstarken Diesel nicht das Wasser reichen, wenn es um die Kraftentfaltung ging. Beide Diesel (ab 21.300 Euro) werden serienmäßig mit Rußpartikelfilter ausgestattet sein. Als Extras bieten die Japaner unter anderem DVD-Navigation inklusive Sprachsteuerung und Rückfahrkamera (2500 Euro) oder ein Entertainmentsystem (2800 Euro) mit DVD-Radio, Bildschirm im Dachhimmel, Anschluss für Videokamera und Spielkonsole sowie einer Neuheit zum Musikhören: Zusätzlich zum CD-Gerät ist eine 20-Gigabyte-Festplatte integriert, die beim Abspielen einer CD deren Lieder im MP3-Format aufzeichnet. So können die teuren Silberscheiben zu Hause bleiben und dennoch ist man mit bis zu 3000 Liedern unterwegs.
Das stärkste Stück Hightech befindet sich allerdings außerhalb des Mazda 5: Sämtliche Servicedaten von allen Werkstattbesuchen werden online an einen zentralen Computer übertragen. Der Kunde erhält nach erfolgter Inspektion keinen Stempel mehr ins Scheckheft, sondern einen Computerausdruck. Vorteil neben einer exakteren Dokumentation: Tachofälscher haben beim Mazda 5 keine Chance. Wird der Kilometerzähler von 100.000 auf 50.000 zurückgedreht, aber der Zentralrechner hat schon eine 90.000er-Inspektion erfasst, ist der Betrug schnell aufgedeckt. Jörgen Olesen, Europa-Chef des Mazda-Kundendienstes, über die Zukunft der Tachofälscher: "Die werden alle arbeitslos."
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