Maserati 3200 GT Tempo 280 auf Italienisch

Seitdem Ferrari 1997 Maserati unter seine Fittiche genommen hat, macht die italienische Traditionsmarke wieder von sich reden. 3200 GT heißt das neuste Modell von Maserati. Allerdings fährt der Wagen mit Neptuns Dreizack auf der Haube - was Verbrauch und Abgaswerte angeht - zielsicher am Geist der Zeit vorbei.


Kein Umweltfreund: Maserati 3200 GT

Kein Umweltfreund: Maserati 3200 GT

Design-Chef Giorgetto Giugiaro gab dem 3200 GT eine klassische Sportcoupé-Form: ein lang gestreckter Vorderwagen mit Haifischmaul und Lüftungskiemen auf der Haube, geschwungene Flanken mit einem kräftigen hinteren Hüftschwung, der in einem kompakt-muskulösen Heck endet.

Im Inneren wartet der jüngste Sprössling aus dem Hause Maserati mit Connolly-Leder bezogenen Sitzen auf. Die vorderen Plätze sind mit elektrischer Easy-Entry-Funktion ausgestattet, die die Sitze automatisch vor- und zurückfahren lässt. Ein übersichtliches Cockpit mit Holz- und Carbon-Applikationen sowie vertikal und axial verstellbarem Lederlenkrad, Klimaautomatik und HiFi-Anlage überraschen mit einem - für einen Sportwagen - "unitalienischen" Komfort.

Beim Dreh des Zündschlüssels erwacht ein sanft grollender V8-Zylinder-Leichtmetallmotor Um die 368 PS beziehungsweise ein Drehmoment von 491 Newtonmeter zu erreichen, setzten die Ingeneure zwei Turbolader ein. Doch der Motor erfüllt mit der Abgasnorm D2 nur minimale Umweltanforderungen.

Innerhalb von fünf Sekunden startet der 3200 GT aus dem Stand an die 100-Stundenkilometer-Marke und er presst dabei seine Insassen nach jedem Gangwechsel aufs Neue in die Sitze. Wahlweise ist der Maserati mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder einer Vierstufen-Automatik ausgerüstet, wobei letztere mehr das Gran-Turismo-Feeling (GT) vermittelt, der Schalter hingegen die sportlichen Eigenschaften besser zur Geltung bringt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Maserati
Typ: 3200 GT
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V8-Benziner
Hubraum: 3.217 ccm
Leistung: 368 PS (271 kW)
Drehmoment: 491 Nm
Von 0 auf 100: 5,1 s
Höchstgeschw.: 280 km/h
Verbrauch (ECE): 16,7 Liter
CO2-Ausstoß: 396 g/km
Kraftstoff: Super
Kofferraum: 220 Liter
Preis: 73.115 EUR
Das Automatikgetriebe schafft es zumindest theoretisch auf 270 Stundenkilometer, das Schaltgetriebe sogar auf 280 Stundenkilometer. Doch dürfte in der Praxis die Tachonadel nie in diese Bereiche vordringen, außer man fährt in der Nacht an den Staus der Autobahnen vorbei.

Trotzdem geht das Triebwerk mit italienischer Drehfreudigkeit die ersten Passagen an. Es ist allerdings Vorsicht geboten. Vor dem ersten Ausritt sollte man sich mit dem Boliden aus Modena bekannt machen. Auch eine Antischlupfregelung (ASR) kann nicht verhindern, dass sich in scharf gefahrenen Kurven das Heck selbstständig machen will. Und auch bei hohem Tempo auf der Autobahn reagiert der Maserati in Kurven auf plötzliches Gaswegnehmen (Lastwechsel) empfindlich. Hat man sich jedoch erst einmal mit den Eigenheiten vertraut gemacht, zeigt das Fahrwerk mit einem steifen Rahmenträger vorn und elastischem Hilfsrahmen, der Differenzial und hintere Federungselemente aufnimmt, eine sichere Straßenlage.

Der Verbrauch des 3200 GT schröpft nicht nur die Geldbörse seines Besitzers sondern geht auch der Umwelt mächtig gegen den Strich. In der Stadt schluckt der Maserati stolze 25 Liter je 100 Kilometer. Bei einer maximalen Tankfüllung von 90 Litern sollte der Tankstellenatlas immer griffbereit liegen.

Als kleiner Ausgleich für die enormen Spritkosten ist der 3200 GT in der Anschaffung günstiger als die Konkurrenz. 143.000 Mark müssen auf den Tisch des Händlers gelegt werden. Damit liegt das Maserati-Coupé noch recht deutlich unter den englischen (Jaguar XKR) oder schwäbischen (Porsche 911) Mitbewerbern. Wer dann noch Geld übrig hat und seinen Traum nach Maß und Gusto anfertigen lassen möchte, dem bietet das Individualisierungsprogramm "Officine Alfieri Maserati" schier unbegrenzte Möglichkeiten - von den farbigen Bremssätteln über eine komplett individuelle Farbgebung innen wie außen bis zu den persönlichen Initialen auf der Aluminiumverkleidung der Einstiegsblenden.



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