Maserati Coupé Cambiocorsa Das dicke Ende

"Sportscars have italian names", tönt Maserati in der Werbung. Mit Sprüchen wie diesem will die Marke ab sofort auch in den USA reüssieren. Das soll die Stückzahlen nach oben katapultieren - leider auf Kosten einer Rücklichtskulptur.

Von Jürgen Pander


Maserati Coupé: Die Rücklichter sind etwas pausbäckig geraten

Maserati Coupé: Die Rücklichter sind etwas pausbäckig geraten

Seit einer Woche steht das neue Maserati Coupé bei den Händlern. Ein bildschönes Auto. Elegante Linien, perfekte Proportionen, eine Karosserie mit Stil und Charme, geformt vom italienischen Pkw-Couturier Giorgetto Giugiaro.

Das Problem ist: Nähert man sich dem Wagen von hinten, kann man Signore Giugiaro beinahe schluchzen hören. Dort nämlich, am Heck, trug der Vorgänger 3200 GT zwei außergewöhnliche Rücklichtskulpturen. Langgezogene Leuchtstreifen, scharf gebogen wie ein Bumerang. Beim neuen Modell sitzen an dieser Stelle auch Lampen, aber wie sehen die aus? Etwa so: Wir brauchen noch Rücklichter, wer hat mal eben Zeit für einen Entwurf?

Gentleman-Sportler: Gut geformte Ledersitze und fein gestylte Kontrolleinheit

Gentleman-Sportler: Gut geformte Ledersitze und fein gestylte Kontrolleinheit

Wahrscheinlich sind die Ästheten bei Maserati auch traurig über den Verlust der Rückstrahlkunst. Doch offiziell dürfen sie das nicht sagen. Denn die alten Rücklichter fielen bei Kundenbefragungen in den USA durch. Also mussten neue her, sonst wäre der in diesen Wochen beginnende US-Export des Autos womöglich zum unkalkulierbaren Abenteuer geworden.

Maserati aber will wachsen. Seit Ferrari bei der ehemaligen Konkurrenzmarke aus Modena im Juli 1997 einstieg und das Unternehmen im November 1999 komplett übernahm, stehen die Zeichen auf Expansion.

Das neue Cabriolet, der Maserati Spyder, wurde im vergangenen Herbst vorgestellt. Nun folgt das Coupé. 690 Millionen Euro sollen bis einschließlich nächstes Jahr investiert werden, in neue Modelle und vor allem neue Produktionsanlagen. Wurden im vergangenen Jahr 1869 Maserati weltweit verkauft, sollen es in diesem Jahr 3500 Exemplare werden - davon etwa 600 in Deutschland.

Lenkradwippen für den Gangwechsel

Lenkradwippen für den Gangwechsel

Kunden, die zum Coupé greifen werden, sind zu beneiden. Bei ersten Ausfahrten gab das Auto den Gentleman-Sportler. Man sitzt auf gut geformten Ledersitzen, vor einem wölbt sich in einer großen Kurve das lederverkleidete Armaturenbrett. Zentral angeordnet ist eine Analoguhr, darunter sitzt eine fein layoutete Kontrolleinheit mit Knöpfen für Radio, Navigation, Telefon, Klimaanlage und diverse Fahrwerkskomponenten. Außerdem gibt es dort, sofern man im Modell Cambiocorsa Platz genommen hat, einen kleinen, ankerförmigen Hebel für den Rückwärtsgang.

Cambiocorsa (deutsch: Rennschaltung) besagt, dass der Wagen mit einem elektronisch zu betätigenden Sechsgang-Getriebe ausgestattet ist. Der Gangwechsel erfolgt über Lenkradwippen, rechts geht es rauf, links runter. Wer sich komplett der Elektronik überlassen möchte, drückt einfach die Taste für die Automatik.

Für unseren Geschmack arbeitete das "Renngetriebe" ein bisschen zu träge. Die Pausen zwischen den Gängen waren deutlich spürbar. Vermutlich sind sportlich orientierte Fahrer mit dem konventionellen Sechsgang-Schaltgetriebe besser bedient. Obendrein ist der Wagen dann auch 5000 Euro günstiger.

Fahrzeugschein
Hersteller: Maserati
Typ: Coupé Cambiocorsa
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V8-Benziner-Saugmotor
Hubraum: 4.244 ccm
Leistung: 390 PS (287 kW)
Drehmoment: 451 Nm
Von 0 auf 100: 4,9 s
Höchstgeschw.: 285 km/h
Verbrauch (ECE): 15,5 Liter
CO2-Ausstoß: 367 g/km
Kofferraum: 315 Liter
Preis: 85.000 EUR
Über den Motor, einen V8-Sauger mit 390 PS, muss man nicht viele Worte verlieren. Er klingt gut, läuft gut und er sieht gut aus. Er trinkt übrigens auch sehr gut: "Zwischen 15 und 16 Liter", sagen die Maserati-Leute, wenn man nach dem Durchschnittsverbrauch fragt. Da mag man an den Verbrauch bei flotter Gangart gar nicht denken.

Eigentlich aber ist ein Maserati weniger eine Fahrmaschine, sondern vielmehr ein Schauobjekt. Nahezu alle Kunden nutzen das sogenannte Individualisierungsprogramm "Officine Alfieri Maserati". Mit dem lässt sich nicht nur die Farbe der Karosserie und des Leders im Innenraum dem persönlichen Geschmack anpassen, sondern etwa auch der Farbton der Bremssättel.

Und damit der Wagen endgültig zum Unikat wird, bieten die Italiener an, den Namen oder die Unterschrift des Eigners in den Türschweller zu gravieren.



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