Fahrbericht Maserati Levante Ansichtssache

Der italienische Autohersteller Maserati steht für Eleganz und Sportlichkeit. Wie schwer sich dieses Versprechen bei einem Diesel-SUV einlösen lässt, zeigt sich an dem Modell Levante.

Maserati

Einem Maserati Levante nähert man sich am besten von vorne. Da ist er ganz bei sich, wirkt sportlich, bullig, reißt sein Maul auf, als wolle er die Welt verschlingen. Da ist er das, was er sein soll, ein luxuriöser SUV mit der DNA des Sportwagens. Von vorne ist das Experiment geglückt.

Das Experiment sah so aus: Eine italienische Marke, die berühmt ist für ihre schnellen, schlanken Autos, bricht mit ihrer Tradition und pumpt und pumpt, bis da ein Geländewagen steht, ein pralles Auto, das sich auch im Schlamm bewähren soll. Da steht es nun, als Levante Diesel, 275 PS stark, und sieht aus, als wolle es gleich beißen.

Das ist Auto eins. Auto zwei wird sichtbar, wenn man sich dem Levante von hinten nähert. Dort wirkt er nicht bullig, nicht sportlich, da wirkt er japanisch, ein bisschen mickrig im Vergleich zur Front, zudem beliebig mit den Knicks und Falten, die fast jeder Hersteller schon versucht hat, aber mehr als die Optik eines schlecht gebügelten Hemdes ist dabei selten herausgekommen. Auto zwei sieht jedenfalls nicht nach Maserati aus, nicht nach Italien, nach Sport-DNA. Könnte es sein, dass der Chefdesigner nach der Hälfte der Arbeit in Elternzeit gegangen ist und der Stellvertreter noch nicht eingearbeitet war?

SUV bleibt SUV

Fast alle Autohersteller bauen jetzt SUV, es geht wohl nicht anders. Die Kunden verlangen danach, auch Maserati will sich dieses Geschäft nicht entgehen lassen. Nun bietet die Marke des Hauses Fiat schon eine ziemlich breite Modellpalette an, von den Familienkutschen Ghibli und Quattroporte bis zum Sportwagen und zum SUV. Wenn es so weitergeht, kommt noch ein Kleinwagen mit Dreizack oder gar ein Pick-up.

Also: Man nähert sich von vorne, öffnet die Tür und sieht rotes Leder, jedenfalls beim Testwagen. Rotes Leder wirkt immer ein bisschen anzüglich, das Wort Auto-Etablissement fällt einem unwillkürlich ein, aber immerhin ist es ein gedämpftes Rot, kein leuchtendes. Viel Platz, jedenfalls vorne, Unentschiedenheit bei den Armaturen: zwei analoge Uhren für die Geschwindigkeit und die Drehzahl, aber auch eine digitale Anzeige dazwischen. Das Plastik der Uhren könnte wertiger sein bei einem Auto dieser Preisklasse. Mit 70.000 Euro fängt es beim Levante Diesel an, der Testwagen, üppig ausgestattet, kam auf knapp 90.000 Euro.

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Fahrbericht Maserati Levante: Zweischneidiger Auftritt

Der Motor brummelt gewaltig, das Navigationsgerät zeigt sich zunächst von Hamburg verwirrt, meldet dies und das, beruhigt sich aber und leistet dann ordentliche Dienste. Man kann mittels vieler Knöpfe das Auto seinen Wünschen so anpassen wie einen Maßanzug, sportlich, sicher, geländegängig, hart, weich. Ein Lesestündchen mit der Bedienungsanleitung ist dann aber nötig.

Dann geht es los, die ersten Spurwechsel, die ersten Kurven. Eine Luftfederung ist immer eine gute Sache, aber der Maserati neigt, trotz seines vergleichsweise niedrigen Schwerpunkts, zum leicht trunkenen Schwanken. Im Sportmodus wird's besser, aber so richtig sportlich dann doch nicht. Ein SUV bleibt ein SUV, auch wenn er Maserati heißt.

Spaßbringer Schaltwippen

Was Spaß macht, ist die Schaltwippe am Lenkrad. Seit vielen Jahren arbeitet die Industrie an der Abschaffung des Fahrers, Richtung autonomes Fahren. Der erste Schritt war die Automatik, nicht mehr schalten, nicht mehr kuppeln. Fahrer und Motor haben sich dadurch voneinander entfernt. Auch Lenken, Bremsen und Gas geben können schon automatisiert werden. Bis Autofahren ein Synonym für mobiles Sitzen ist. Wo bleibt dann der Spaß?

Wer noch Fahrer sein will, hat mit der Schaltwippe besonders viel Freude. Anders als bei der reinen Automatik bleibt der Fahrer im Kontakt zum Motor, in einem sehr direkten Kontakt, da der Umweg über die Füße und die Kupplung wegfällt. Eine Bewegung der Finger, und der Motor des Levante reagiert prompt und freudig. Da kann dann jeder seine eigenen Ziele verfolgen beim Durchschalten der acht Gänge, besonders sparsam fahren oder besonders sportlich. Der Diesel hat 275 PS, und das sind genug, um dieses schwere Auto auf Trab zu bringen.

Zweiter, dritter, vierter Gang, der Levante zieht los, nicht ganz so flott wie ein Sportwagen, aber alles andere als lahm. Das Truck-Gefühl, das mancher SUV vermittelt, bleibt aus, trotz der vergleichsweise hohen Sitzposition. Man darf sich als König der Straße fühlen, und die anderen sehen das ähnlich. Wenn sich das riesige, so gefräßig wirkende Maul von hinten nähert, wird die linke Spur fast schreckhaft geräumt, auch wenn es noch hundert Meter Abstand sind.

Fischteller gegen Levante?

Dieses Auto bewegt die Gemüter, schafft Begehrlichkeit. Der Besitzer einer Fischbude in Kappeln an der Ostsee machte sofort ein Angebot: Den Levante gegen die Rechnung für das Essen, die allerdings ein Stück weit unter 90.000 Euro lag, weshalb der Deal nicht zustande kam.

Die besten Stunden des Tests: Nachts auf der Autobahn, als Nebel einfiel und die Straße nass war bei null Grad, da war die Botschaft des Autos an den Fahrer: Mach dir keine Sorgen. Da fühlte es sich gut und sicher an, in einem SUV dieses Ausmaßes zu sitzen, mit all seinen Sicherheitssystemen und seinem Komfort.

Was Mitfahrer bemängelten: ein schwach beleuchteter Schminkspiegel, beengtes Sitzen im Fond.

Erst in ein paar Jahren wird dieser SUV modern

Der Konkurrent Porsche Cayenne Diesel hat 262 PS und schafft nicht ganz die 230 Stundenkilometer, die mit dem Levante Diesel möglich sind. Wenn man denn mag. Maserati gibt einen Durchschnittsverbrauch von 7,2 Liter an, beim Porsche sind es 6,8 Liter. Das klingt erträglich, ist aber doch eine Menge und ist natürlich nicht die ganze Wahrheit. Bei einer zügigen Nachtfahrt von Berlin nach Hamburg brauchte der Levante 8,5 Liter.

Donald Trump hätte mit diesem Auto sicherlich kein Problem und würde den CO-2-Ausstoß wohl auch nicht veröffentlichen lassen, so wie die staatlichen Stellen in den USA nicht mehr frei über den Klimawandel berichten sollen. Aber es gibt ihn, und der Levante ist sicherlich nicht Teil der Lösung. Ein Durchschnittsverbrauch von 7,2 Liter Diesel entspricht einem CO2-Ausstoß von 189 Gramm pro Kilometer.

Auto eins mit einem Plug-in-Hybrid - das wäre eine gute Sache. Und so soll es kommen. Maserati will dem Levante tatsächlich einen solchen Antrieb einbauen, zwischen 2018 und 2020 wird dieses zeitgemäße Auto auf den Markt kommen. Es wäre das erste Serienprodukt der Marke mit Elektroantrieb, ein Fortschritt. Und wenn es optimal läuft, hat der Chefdesigner bis dahin seine Elternzeit beendet und das Heck überarbeitet.

Fahrzeugschein
Hersteller: Maserati
Typ: Maserati Levante Diesel
Karosserie: SUV
Motor: V6 Turbodiesel
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.987 ccm
Leistung: 275 PS (202 kW)
Drehmoment: 600 Nm
Von 0 auf 100: 6,9 s
Höchstgeschw.: 230 km/h
Verbrauch (ECE): 7,2 Liter
CO2-Ausstoß: 189 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 580 Liter
Gewicht: 2.205 kg
Maße: 5003 / 1968 / 1679
Preis: 90.000 EUR
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insgesamt 140 Beiträge
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Seite 1
dliblegeips 23.02.2017
1. Noch nichts gemerkt.
Kein Wort davon, dass man mit der Karte in ein paar Jahren in keine Stadt mehr fahren kann. Irgendwann sollte sich die Zeit in der Autojournalisten für verlängerte Marketingsteilung sind vorbei sein. Als ob sich da übergehend vom Dreizack beindruckend liesse und freiwillig die Spur räumt.
R4G3 23.02.2017
2. Einfach nur hässlich
Seit ein paar Jahren sind alle Masserati nur noch langweilig und hässlich!
salomohn 23.02.2017
3. Schlamm?
Der Besitzer dieses Wagens wird wohl kaum in Schlamm fahren. Der Trend zum SUV ist logisch. Die Bevölkerung altert. Das Einsteigen in die höheren Autos ist einfacher und ist somit auch im hohen Alter noch möglich. Und ältere Menschen haben insgesamt mehr Ängste. Viel Blech drumherum fühlt sich sicher an. Ob ein Diesel dann in 3-5 Jahren als Gebrauchtwagen noch verkäuflich ist, wage ich zu bezweifeln. Aber Jaguar-SUV werden auch nicht verkauft, - sie werden vererbt! ;-)
les2005 23.02.2017
4. 7,2 Liter
Der Planet hätte sicher ein Problem weniger, wenn sich Auto dieses Schlages in der Realität tatsächlich mit 7,2l Durchschnittsverbrauch bewegen ließen!
abocado 23.02.2017
5. Noch'n SUV. Ja und?!
Mehr ist nicht zu sagen.
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