Matiz: Spar-Chevy

Von Tom Grünweg

Chevrolet - das waren einmal die großen, durstigen US-Schlitten. Jetzt kommt als kleinster Chevy aller Zeiten der neue Matiz auf den Markt. Der stammt zwar aus Korea und war in der letzten Generation noch ein Daewoo, passt aber als rollende Sparbüchse besser in die Zeit als jeder echte Amerikaner.

Chevrolet Matiz: Ein ansehnliches Auto ab 7990 Euro

Chevrolet Matiz: Ein ansehnliches Auto ab 7990 Euro

Die Geiz-ist-Geil-Welle schwappt noch immer durchs Land: Auf ihr reiten nicht nur die Elektronik-Discounter, sondern auch die Automobilhersteller. Deshalb kommen in diesen Tagen mit dem Dacia Logan, dem VW Fox und den "Drei aus einem Ei" (Toyota Aygo, Citroen C1, Peugeot 107) gleich fünf neue Kleinwagen zu Kleinstpreisen in den Handel. Und treffen dort auf etablierte Konkurrenten, die sich für den neuen Wettbewerb gerüstet haben. Nicht umsonst geht jetzt auch der Matiz, schon bislang einer der billigsten Neuwagen auf dem deutschen Markt, in die zweite Runde. Zwar trägt er nun statt des Daewoo-Logos das Kreuz von Chevrolet auf dem Grill, doch wahrt er mit seinen kurzen 3,50 Metern und den günstigen 7990 Euro Grundpreis die Spitzenposition beim automobilen Zwergenaufstand.

Ähnlich wie die drei Konkurrenten aus dem tschechischen Gemeinschaftswerk Kolin setzt auch Chevrolet auf ein lebenslustiges Design, das vor allem die weibliche Hälfte der Kundschaft ansprechen soll. Deshalb trägt der Matiz nun große Scheinwerfer wie fröhlich aufgeschlagene Augen, der Kühlergrill am Ende der stärker modellierten Motorhaube soll ein sympathisches Lächeln zeigen und aus dem steilen Heck strahlen kreisrunde Rückleuchten wie lustige Knopfaugen. Nur das hohe Dach und die schmalen Rädchen passen nicht so recht ins Bild des knuffigen Stadtflitzers.

Chevrolet Matiz: Ordentliches Platzangebot, karge Einrichtung

Chevrolet Matiz: Ordentliches Platzangebot, karge Einrichtung

Auch innen haben sich die Designer um ein freundliches Ambiente bemüht, sind aber ganz offensichtlich am Kostendruck gescheitert. Denn auch die poppig bunten Sitzbezüge, die Stoffeinlagen in den Türen oder das modern in die Mitte gerückte und blau hinterlegte Cockpit können die grauen Kunststofflandschaften nur teilweise aufheitern. Und selbst pfiffige Details wie Münzfächer neben dem Lenkrad, die Schublade unter dem Beifahrersitz oder der Halter für das Parkticket können nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Bedienelemente ausgesprochen altbacken und fragil wirken.

Das Platzangebot dagegen ist ganz ordentlich. Zwar wäre ein verstellbares Lenkrad wünschenswert, doch weil ab dem zweiten Ausstattungsniveau zumindest der Fahrersitz in der Höhe justiert werden kann, findet man vorne relativ leicht eine ordentliche Sitzposition. Und für den Nachwuchs reichen die beiden Plätze im Fond allemal. Dazu gibt es einen Kofferraum, der mit einem Volumen von 170 Litern zum Beispiel dem japanisch-französischen Trio um 30 Liter voraus ist. Und anders als bei den Wettbewerbern ist die Rückbank bei allen Modellen serienmäßig geteilt.

Matiz-Cockpit: Servolenkung und elektrische Fensterheber sind Standard

Matiz-Cockpit: Servolenkung und elektrische Fensterheber sind Standard

Auch sonst ist die Ausstattung des Matiz etwas besser als bei den Kleinwagen-Drillingen aus Kolin und dem Wolfsburger Preisbrecher Fox natürlich haushoch überlegen. Denn nicht nur die fünf Türen sind serienmäßig, sondern neben den zwei Airbags auch die Servolenkung, elektrische Fensterheber und die Zentralverriegelung. Für 1500 Euro mehr gibt es neben dem größeren Motor eine Klimaanlage, das CD-Radio und den höhenverstellbaren Fahrersitz. Und wer noch einmal 500 Euro drauf legt, der bekommt auch Seitenairbags, elektrische Fensterheber hinten und ein Paar Nebelscheinwerfer.

Fahrzeugschein
Hersteller: Chevrolet
Typ: Matiz
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 995 ccm
Leistung: 67 PS (49 kW)
Drehmoment: 91 Nm
Von 0 auf 100: 14,1 s
Höchstgeschw.: 156 km/h
Verbrauch (ECE): 5,6 Liter
CO2-Ausstoß: 133 g/km
Kraftstoff: Normalbenzin
Kofferraum: 170 Liter
umgebaut: 845 Liter
Preis: 9.490 EUR
Sparen kann der Kunde aber auch beim Fahren: Denn im Zuge des Generationswechsels haben die Koreaner dem Matiz seinen Durst abgewöhnt und den Verbrauch der beiden Motoren um jeweils etwa einen Liter gesenkt. Der 800 Kubikzentimeter große Dreizylinder begnügt sich deshalb im Mittel mit 5,1 Litern, und für den Einliter geben die Koreaner einen Normverbrauch von 5,6 Litern an. Wer noch günstiger fahren möchte, der kann den Matiz vielleicht bald auch auf Flüssiggas-Antrieb umrüsten lassen. Denn bei allen anderen Modellen bauen die Chevrolet-Händler für 1990 Euro einen Zusatztank in die Reservemulde, dessen Füllung pro Liter etwa 50 Cent weniger kostet und die Reichweite um bis zu 500 Kilometer erhöht. Wenn sich auch im preissensiblen Segment der Kleinstwagen entsprechend viele Interessenten finden, soll auch der Matiz umgerüstet werden.

Selbst wenn man sich für den stärkeren der beiden Motoren entscheidet, darf man vom Matiz aber keine Wunder erwarten. Zwar bringt der Wagen nicht einmal 900 Kilogramm auf die Waage, doch mit 67 PS und nur 91 Nm Drehmoment dauert es bis Tempo 100 trotzdem lange 14 Sekunden. Aber wenn man den Motor ordentlich bei Touren hält, dann entpuppt sich das Auto zumindest im Stadtverkehr als Flitzer: An der Ampel ist er häufig vorn dabei, die Kurven nimmt er mit einem Wendekreis von 9,20 Metern meist auf der Innenbahn, und an der Parklücke ist er fast immer der Sieger.

Bei alledem kann man das Radio jetzt durchaus leiser schalten. Denn bei der Modellpflege haben die Koreaner auch am Motorengeräusch gearbeitet und die beiden Benziner besser gedämmt. Jetzt dröhnen die kleinen Motörchen nicht mehr ganz so laut - doch wie ein "echter" Chevrolet klingt der Matiz deshalb noch lange nicht. Dafür fehlen ihm einfach weitere vier Zylinder und fünf Liter Hubraum.

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