Mazda 2 Diesel Flotter Neustart in der Nische

Durch die Abwrackprämie wurde der Kleinwagen Mazda 2 hierzulande zum Bestseller der Marke. Nun macht sich eine neue Dieselvariante warm, die sparsame Vielfahrer für das Auto gewinnen soll. SPIEGEL ONLINE war bereits mit dem quirligen Flitzer unterwegs.

Von Jürgen Pander


Im April gab es bei Mazda lange Gesichter. Der Grund war eine mangelhafte "Verfügbarkeitssituation", wie Marketing-Direktor Dino Damiano es formuliert. Der Lieferengpass führte dazu, dass im April lediglich 3200 neue Mazda-Modelle in Deutschland verkauft wurden. Immerhin sei jetzt der Kompaktwagen Mazda 3 "komplett abverkauft", was eine gute Nachricht ist, denn in wenigen Wochen tritt das neue Modell an, und da brauchen die Händler Platz.

Generell aber ist die Stimmung bei Mazda derzeit bestens. Denn die japanische Marke profitiert überraschend stark von der Abwrackprämie. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden rund 20.500 Mazda-Exemplare in Deutschland verkauft; das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. "Rund die Hälfte dieser Verkäufe", sagt Mazda-Sprecher Jochen Münzinger, "wurden unter Einbeziehung der Abwrackprämie getätigt." Mazdas Marktanteil stieg damit auf 2,4 Prozent.

Der größte Batzen der Verkäufe entfällt auf den Mazda 2. Mehr als 7500 Exemplare des Kleinwagens wurden im ersten Quartal 2009 in Deutschland abgesetzt - im gesamten vergangenen Jahr wurde das Auto laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts in Deutschland 13.394 Mal neu zugelassen. Um die Nachfrage weiter möglichst hoch zu halten, wird Mazda nun aktiv. Denn Kleinwagen mit Dieselmotor gehören durchaus zu den Nischenfahrzeugen, rechnen sich die Mehrausgaben für einen Selbstzünder doch erst nach durchschnittlich 15.000 Kilometern pro Jahr. Viele Kleinwagen jedoch werden ausschließlich als Kurzstreckenvehikel genutzt.

Bislang besetzte Mazda die Diesel-Nische mit einem 1,4-Liter-Selbstzünder, der 68 PS leistete. Ab 6. Juni wird dieses Aggregat abgelöst von einem neuen Vierzylinder-Turbodiesel mit 1,6 Litern Hubraum, der aus der Kooperation des französischen PSA-Konzerns (Peugeot-Citroën) mit Ford stammt und unter anderem auch im Mini D zum Einsatz kommt. Im Mazda 2 wird das Triebwerk mit einer Leistung von 90 PS und einem maximalen Drehmoment von 212 Nm angeboten.

Ein quirliger Motor mit zurückhaltendem Verbrauch

Auf den ersten Testkilometern überzeugte die Maschine durch einen angenehmen, aber nie aufdringlichen Klang und vor allem durch einen kraftvollen Antritt. Der neue Dieselmotor macht aus dem Mazda 2 einen quirligen Kleinwagen mit Dauerläuferqualitäten. Und er macht aus dem Auto ein echtes Sparmodell. Der Bordcomputer vermeldete am Ende unserer Testfahrt durch Hamburg und das Umland einen Durchschnittsverbrauch von 4,6 Liter je 100 Kilometern. Als offiziellen Verbrauchswert gibt Mazda 4,2 Liter an - und entsprechend einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 112 Gramm je Kilometer.

So zurückhaltend geht kein anderes Aggregat aus dem Angebot für den Mazda 2 mit dem Treibstoff um. Womöglich ließe sich die Effizienz noch steigern, würde Mazda statt des Fünfgang-Schaltgetriebes ein Räderwerk mit sechs Gängen einbauen. Serienmäßig an Bord beim neuen Dieselmodell sind ein Rußpartikelfilter und das Stabilitätsprogramm ESP, für das man beim bisherigen Dieseltyp Aufpreis zahlen musste. A propos Preis: Der liegt für den billigsten Mazda 2 mit dem neuen Dieselmotor bei 16.250 Euro.

Der Mazda 2 fällt nicht nur durch den neuen, modernen Dieselmotor auf, sondern auch durch seine gefällige Karosserieform, durch den vergleichsweise geräumigen Innenraum und die hübsch gestalteten Bedienelemente - insbesondere die aufwendige Grafik des Cockpit-Bildschirms. Weniger erfreulich ist die hohe Ladekante des Kofferraums, der 250 Liter Stauvolumen bietet. Und auch die Sitze könnten etwas mehr Seitenhalt bieten und eine straffere Polsterung vertragen.

Ein Auto mit richtig guter Passform

In Fahrt aber vermag der Mazda 2 zu überzeugen. Die elektrische Servolenkung vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße, die Übersicht ist ordentlich, die Außenspiegel sind ausgesprochen Blick-günstig angebracht und der hochgelegte Schalthebel kommt der rechten Hand angenehm weit entgegen. Etwas unorthodox - und ziemlich mickrig - ist das Handschuhfach gestaltet. Immerhin gibt es eine offene Ablagemulde im Deckel.

In diesem Jahr, so die Planung von Mazda in Deutschland, sollen insgesamt rund 17.000 Modelle des Kleinwagens verkauft werden. Knapp die Hälfte davon ist schon jetzt geschafft. Und wenn der Trend zum kleinen, leichten, sparsamen Auto anhält, dann dürfte der Mazda 2 einer rosigen Zukunft entgegen sehen - auch wenn die Abwrackprämie irgendwann auf dem Schrottplatz der fragwürdigen Subventionen landet.



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