Mazda 3 MPS vs. Honda Civic Type R: Der Reis ist heiß

Von Tom Grünweg

VW Golf GTI, Opel Astra OPC, Ford Focus RS - das sind die klassischen Kompakt-Kraftmeier. Doch auch andere Marken beherrschen das Muskelspiel. Mazda etwa mit dem neuen 3 MPS, und der Civic Type R steht für Honda am Start. SPIEGEL ONLINE kratzte mit beiden die Kurve.

Duell: Mazda 3 MPS - Honda Civic Type R: Zwei Hitzköpfe Fotos
Tom Grünweg

Dass japanische Autofahrer eher ungern einen heißen Reifen fahren, ist spätestens seit der Kino-Reihe "Tokio Drift" widerlegt. Das Faible für flotte Fahrzeuge jedoch findet im europäischen Angebot der Hersteller aus Fernost kaum Niederschlag. Jenseits von Vollblut-Sportwagen wie Nissan GT-R oder Rallye-Ablegern wie Mitsubishi Lancer Evolution wird die Auswahl dünn. Ausnahmen bilden jedoch die Marken Mazda und Honda, die beide mit einem sehr sportlichen Kompaktauto in Konkurrenz zu etablierten Modellen wie VW Golf GTI, Opel Astra OPC oder Ford Focus RS treten. SPIEGEL ONLINE drehte mit beiden japanischen Breitensportlern - dem neuen Mazda 3 MPS und dem Honda Civic Type R - jetzt einige flotte Vergleichsrunden.

Zurückhaltung ist beiden Modellen fremd, das sieht man auf den ersten Blick. Mazda und Honda tragen die üblichen Insignien der Kraft zur Schau: Weit heruntergezogene Schürzen an Front und Heck drücken die Autos optisch tiefer auf die Straße, Seitenschweller treten aus den Flanken hervor wie ein Bizeps aus einem zu kleinen T-Shirt, neu gefasste Scheinwerfer flößen mutmaßlich den Vorausfahrenden Respekt ein, und natürlich sitzt auf dem Heckdeckel ein ausladender Spoiler. Dazu gibt es markante, beim Honda in Wagenfarbe lackierte Felgen mit breiten Reifen und Auspuff-Endrohre im Pipeline-Look.

Beim Mazda fallen besonders die riesige Frontschürze und die gegenüber den anderen Modellen der Baureihe veränderte Motorhaube auf; die hat nämlich eine große Turbohutze. Dennoch wirkt der Honda deutlich aggressiver, schon weil er nicht fünf, sondern nur drei Türen hat und so der Keilform näher kommt. Außerdem sitzt der Heckspoiler tiefer und fällt mehr auf. Die Quittung dafür bekommen Civic-Type-R-Fahrer beim Rangieren: Man muss das Auto praktisch blind nach hinten bewegen, während sich der Mazda lässig in die Parklücke zirkeln lässt.

Auch innen gingen die Designer mit unterschiedlichem Elan zu Werke. Das Mazda-Sportmodell legt Wert auf hohe Alltagstauglichkeit und belässt es deshalb bei ein etwas roter Farbe, Kontrastnähten und genoppten Alupedalen. An den bequemen Sitzen mit einem ordentlichen Langstreckenkomfort dagegen änderten die Innenraumausstatter nichts. Anders bei Honda: Auch dort gibt es das übliche Farbenspiel mit Schwarz und Rot sowie rutschfeste Pedale. Doch darüber hinaus sind eng geschnittene Sportsitze auf den vorderen Plätzen montiert, die zwar in schnellen Kurven mehr Seitenhalt bieten, lange Strecken aber zur Strapaze machen.

Die 59 Mehr-PS des Mazda sind in der Praxis kaum relevant

Auf dem Papier liegen die Kontrahenten weit auseinander. So steckt unter der Haube des Honda ein Zweiliter-Motor mit 201 PS und maximal 193 Nm, während Mazda vom Vorgängermodell den 2,3 Liter großen Turbo-Direkteinspritzer mit 260 PS und bis zu 380 Nm übernommen hat. Auf der Straße allerdings sind sich beide Typen näher als erwartet. Was dem Civic an Leistung und Drehmoment fehlt, macht er durch Drehfreude und Spontaneität beinahe wieder wett. Während im Cockpit wie bei einem Rennwagen eine kleine Lichtorgel dem nächsten Schaltpunkt entgegenflackert und der Vierzylinder bis nahe an die 8000 Touren orgelt, sprintet der Wagen in minimal 6,6 Sekunden auf Tempo 100.

Theoretisch schafft der Mazda den Spurt eine halbe Sekunde schneller, in der Praxis aber muss man dem Vierzylinder aber erst kräftig die Sporen geben, damit die Ladedruckanzeige in der Instrumenttafel wirklich ausschlägt. Außerdem ist die Sechsgangschaltung des Mazda längst nicht so knackig wie jene des Honda. Zudem geht viel Kraft im Rauch der Reifen und dem Regelbereich der Traktionskontrolle verloren. Deshalb wirkt der Mazda im direkten Vergleich zunächst ein wenig verschlafen. Wenn der Mazda dann wach ist und in Schwung kommt, fährt er dem Honda jedoch davon: Während dem Civic R-Type bei 235 km/h die Puste ausgeht, treibt der Turbomotor den MPS erst bei 250 Sachen in den Begrenzer.

Unterschiedliche Abstimmung, unterschiedlicher Spritverbrauch

Deutliche Unterschiede gibt es auch bei der Abstimmung. Beide Sportvarianten sind etwas straffer abgestimmt als die Serienmodelle, die Bremsen haben mehr Biss und die Lenkung erfordert mehr Kraft. Aber der Honda gibt sich auf schlechten Strecken als kompromissloser Knochenschüttler, während der Mazda ein gutes Maß an Komfort wahrt. Auf der Nordschleife mag einem der Mazda vielleicht als Softie vorkommen, auf dem Weg ins Büro sind die längeren Federwege aber höchst willkommen.

Nah beieinander sind die Konkurrenten beim Boxenstopp, sprich: an der Tankstelle. Beide Autos verlangen einen satten Express-Zuschlag: Auf dem Prüfstand braucht der Honda 9,1 und der Mazda 9,6 Liter, in der Praxis gönnen sich die Modelle bei strammer Fahrt mindestens zwischen elf und zwölf Liter je 100 Kilometer.

Der Honda hat zwar weniger PS, ist aber das sportlichere Auto

Unter dem Strich ist das schwächere Auto das sportlichere. Der Honda Civic Type R hat beim Anfahren mehr Biss, beweist auf der Straße mehr Härte und schindet mit dem auffälligen Design von Karosserie und Interieur mehr Eindruck. Wer sich auf jedem Meter selbst beweisen möchte, ist mit dem Honda deshalb besser bedient. Wer hingegen der PS-Pubertät entwachsen ist, den Rücken beim Autofahren schonen möchte und zum Fahrspaß Spaß keine große Show braucht, der fährt mit dem Mazda 3 besser, weil der MPS das kultiviertere Auto ist.

Sollte die Entscheidung knapp sein, könnte man auch die Preisliste in Betracht ziehen - denn da gibt es noch einmal eine Überraschung: Obwohl der Mazda deutlich mehr PS bietet, ist das Auto billiger. Honda verlangt für den Civic Type R mindestens 28.290 Euro - den Mazda 3 MPS gibt es für 900 Euro weniger.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: 3 MPS (2009)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Hubraum: 2.261 ccm
Leistung: 260 PS (191 kW)
Drehmoment: 380 Nm
Von 0 auf 100: 6,1 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 9,6 Liter
CO2-Ausstoß: 224 g/km
Kofferraum: 340 Liter
umgebaut: 1.360 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 25 (TK) / 24 (VK)
Preis: 27.400 EUR

Fahrzeugschein
Hersteller: Honda
Typ: Civic Type R (2009)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 201 PS (148 kW)
Drehmoment: 193 Nm
Von 0 auf 100: 6,6 s
Höchstgeschw.: 235 km/h
Verbrauch (ECE): 9,1 Liter
CO2-Ausstoß: 215 g/km
Kofferraum: 456 Liter
Versicherung: 20 (HP) / 27 (TK) / 25 (VK)
Preis: 28.290 EUR

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