Mazda 3 MPS: "Zoom, zoom" aus vollem Rohr

Von

"Mazda ist auf der Überholspur", sagt der Europachef der Marke, James Muir, und meint damit die Absatzzahlen. Man darf das aber auch wörtlich nehmen. Denn mit dem Mazda 3 MPS startet Anfang Dezember einer der stärksten und schnellsten Kompaktklässler aller Zeiten.

Wenn es nach Tatsuo Maeda geht, können sich VW, Ford und Opel bald warm anziehen. Nicht dass der Projektleiter des Mazda 3 von Größenwahn befallen wäre und die drei deutschen Platzhirsche vom Thron in der Kompaktklasse stoßen wollte. Doch zumindest am Ruhm von Golf, Astra und Focus möchte Maeda kratzen, wenn er Anfang Dezember als sportlichste Modellvariante den Mazda 3 MPS vom Stapel lässt. Denn mit 260 PS und Fahrleistungen auf dem Niveau eines ordentlichen Sportwagens ist der einer der stärksten und schnellsten Kompaktklässler aller Zeiten und muss sich vor GTI, ST oder OPC nicht verstecken. Selbst mit dem Audi S3 hält er laut Datenblatt ganz gut mit.

MPS steht für "Mazda Performance Series" und ist ein Sportabzeichen, das bislang nur der Mazda 6 getragen hat. Nachdem in der japanischen Dreierreihe bis dato bei 150 PS Schluss war, legt Mazda nun gewaltig nach und lässt 260 Pferde von der Koppel. Dafür bekommt der Wagen einen 2,3 Liter großen Vierzylinder, bei dem die Japaner alle Register der Leistungssteigerung ziehen: Ein Turbo bläst dem Motor mehr Luft ein, und die Benzindirekteinspritzung sorgt für optimale Spritmengen in den Brennkammern. Als Ergebnis stehen im Datenblatt nicht nur 260 PS, sondern auch 380 Nm – zwei Werte, mit denen der Mazda 3 gegenüber seinen europäischen Konkurrenten zum Teil deutlich in Vorlage geht. Weil die Japaner laut Projektleiter Maeda intensiv an der Aerodynamik gefeilt haben, kann dessen "wildestes Baby" den Vorsprung auch auf der Straße ausspielen: In 6,1 Sekunden sprintet der Mazda 3 MPS auf Tempo 100, und wenn er bei 250 km/h in den Begrenzer fährt, haben andere schon die Segel gestrichen.

Doch was nutzt die Protzerei, wenn man die Kraft nicht richtig auf die Straße bekommt, mag sich Projektleiter Maeda gedacht haben, als er in Japan die ersten Testfahrten mit einer ausgesprochen bockigen Abstimmung hinter sich gebracht hatte.

Also schickte er seine Ingenieure erst noch einmal an den Konstruktionstisch und dann auf den Nürburgring. Nun ist das Fahrwerk deutlich strammer als sonst, und ein Sperrdifferenzial regelt bei schneller Kurvenfahrt die Kraftverteilung zwischen den Vorderrädern. Außerdem berücksichtigt eine spezielle Drehmomentregelung auch den Lenkwinkel. Damit wird der Mazda zwar beim Anfahren oft elektronisch eingebremst, doch setzt er seine Kraft nun wenigstens in Vortrieb um. Trotzdem funkelt schon bei trockener Fahrbahn die Kontrollleuchte für Traktions- und Stabilitätssystem mitunter wie ein Blitzlicht in der Radarfalle.

Ein Auspuffrohr wie für einen Kanonenofen

Der unbestreitbare Fahrspaß für die doppelte Dosis "Zoom Zoom" ist allerdings nur eine von drei Disziplinen, auf die Maeda bei der Entwicklung Wert legte. Wichtig war ihm auch die Alltagstauglichkeit, die er über die vier Türen und die große Heckklappe, den ordentlichen Kofferraum sowie das in gemäßigter Gangart neutrale Fahrverhalten definiert. Und als drittes Kernelement nennt er den Besitzerstolz. Damit man vor der Disco zumindest ein wenig prahlen kann, haben die Japaner das Design erkennbar verwildert: Vorn reißt der Mazda 3 MPS gierig den Rachen auf, damit der Motor unter der stärker konturierten Haube genügend Luft bekommt. Die vorderen Kotflügel sind rund zwei Zentimeter weiter ausgestellt, die Schweller entlang der Türlinie sind breiter, und am Heck gibt es oben einen kleinen Spoiler und unten einen Auspuff, der mit mehr als zehn Zentimetern Durchmesser an das gute alte Ofenrohr erinnert.

Auch der Innenraum wurde überarbeitet. Man sitzt auf sportlichem Gestühl, die Füße stapfen auf Gummi-benoppte Pedale aus Aluminium, und die Augen ruhen auf einem erst blau, dann rot glühenden Tacho, dessen Skala bis 280 reicht. Der Mazda 3 MPS macht Spaß, aber er ist kein billiges Vergnügen. Auf den ersten Blick mag der Grundpreis von 24.900 Euro noch attraktiv erscheinen. Aber die Preisliste birgt unangenehme Überraschungen: Kleinigkeiten wie der Metallic-Lack, die Teilleder-Polster oder die Xenonscheinwerfer kosten Extra.

Zwar ist die Kompaktklasse eines der wichtigsten Segmente in Europa, und der Mazda 3 dort mit mehr als einer Million Zulassungen seit dem Sommer 2003 ein bedeutender Mitspieler. Doch die Kraftmeier machen in diesem Massenmarkt nur einen sehr kleinen Teil aus. Entsprechend bescheiden sind die Ziele der Japaner, die 2007 auf dem Kontinent insgesamt 2500 und in Deutschland nur 600 Autos vom Typ MPS verkaufen wollen. "Vielleicht", so die Hoffnung von Europa-Chef James Muir, "könnten es auch ein paar mehr werden". Zwar gebe das Werk nicht mehr Fahrzeuge her. Doch dem Image wäre ein solcher Engpass eher förderlich: "Beim Eigentümer steigert das den Besitzerstolz, und beim Interessenten wächst die Begehrlichkeit."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: 3 MPS
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbo-Direkteinspritzer
Hubraum: 2.261 ccm
Leistung: 260 PS (191 kW)
Drehmoment: 380 Nm
Von 0 auf 100: 6,1 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 9,7 Liter
CO2-Ausstoß: 230 g/km
Kraftstoff: Superplus
Kofferraum: 290 Liter
umgebaut: 1.229 Liter
Preis: 24.900 EUR
Fotostrecke
Mazda 3 MPS: Das muss schneller gehen


Aktuelles zu