Autogramm Mazda 3 Ruhe!

Der VW Golf dominiert das Kompaktwagensegment in Deutschland, dabei lohnt ein Blick zur Konkurrenz. Zum Beispiel zum Mazda 3: Der erzieht mit technischen Kniffen den Dieselmotor zu ungeahnter Seidigkeit.

Mazda

Der erste Eindruck: Im Vergleich zum VW Golf wirkt der Mazda 3 geradezu verführerisch.

Das sagt der Hersteller: Nur SUV allein macht auch nicht glücklich. Bei Mazda stehen zwar die Geländewagen CX-3 und CX-5 ganz oben in der Gunst der Kunden, doch das Kompaktauto Mazda 3 ist ebenfalls eine wichtige Stütze der Marke. Die Kompaktklasse sei in Deutschland mit zehn Prozent Marktanteil einfach zu groß und zu wichtig, als dass eine Importmarke sie vernachlässigen könne, sagt Bernhard Kaplan, der Chef von Mazda in Deutschland.

Zumal der Mazda 3 durchaus erfolgreich ist: Seit der Premiere des Autos vor drei Jahren wurden hierzulande rund 40.000 Exemplare verkauft, in den ersten neun Monaten diese Jahres waren es allein 9000. Weltweit ist der Wagen sogar noch wichtiger für das japanische Unternehmen. Kaplan: "Über alle Märkte hinweg ist der 3er unsere Nummer eins."

Das ist uns aufgefallen: Es sind zwar nur Kleinigkeiten, doch auch bei der Modellpflege für den 3er schwimmt Mazda mal wieder gegen den Strom. So, wie die Ingenieure der Marke bei den Benzinmotoren beharrlich Downsizing und Turboaufladung verweigern, wie sie still und konsequent weiter am Wankel-Motor arbeiten, so haben sie jetzt Hand an die Dieselmotoren gelegt.

Trotz aller Abgesänge auf den Selbstzünder, trotz der offenkundigen Abgasproblematik dieser Aggregate. Während die deutschen Hersteller darüber nachdenken, in den USA künftig keine Dieselmodelle mehr anzubieten, bringt Mazda den neuen CX-5 mit Ölbrenner auf den US-Markt. Und in den Dieselmotor des kompakten 3ers wurde ebenfalls investiert. Vor allem die Laufkultur wurde dabei verbessert: Ein Dämpfungselement in den normalerweise hohlen Kolbenbolzen schluckt Vibrationen. Zudem sorgt eine neuartige Elektronik dafür, dass sich die Druckwellen vor und nach der Verbrennung ausgleichen. Beides beruhigt den Lauf des Motors.

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Der Feinschliff zahlt sich aus, denn der größere der beiden Selbstzünder läuft nun so wunderbar rund und leise, dass man auf den Drehzahlmesser schauen muss, um den 2,2-Liter-Vierzylinder als Diesel zu enttarnen. Und als versprächen 380 Nm Drehmoment nicht schon genug Punch, reagiert der Motor jetzt dank einer neuen Turbo-Steuerung noch ein bisschen schneller aufs Gaspedal.

Während diese Verbesserungen nur den Dieselvarianten gelten, profitieren alle Modelle von der neuen "G Vectoring Control", die Mazda bereits beim 6er eingeführt hat. Sie erhöht durch eine kaum merkliche Gaswegnahme in Kurven den Druck auf das äußere Rad und verbessert damit die Seitenführung, sodass sich der Wagen leichter ums Eck fährt.

Mit Liebe zur Perfektion wurde zudem der Innenraum weiter verfeinert. Es gibt ein neues Lenkrad, das besser in der Hand liegt und nun auch beheizbar ist. Die Materialien sind edler ausgewählt und gründlicher verarbeitet und der Wechsel von der mechanischen zu einer elektrischen Parkbremse schafft in der Mittelkonsole Platz für größere Ablagen.

Das wirkt alles so aufgeräumt und ausgesucht, dass der Umstieg aus Golf und Co. nicht schwer fällt. Nur in einem Punkt folgt Mazda zu streng dem Vorbild aus Wolfsburg. Denn trotz erweiterter Darstellung und kräftigeren Farben bleibt das ausklappbare Head-up-Display genau wie bei VW ein Makel im Cockpit. Mazda hat das offenbar erkannt, der nächste CX-5 bietet deshalb zumindest optional eine voll integriertes System an.

Das muss man wissen: Mazda beginnt mit dem Verkauf des überarbeiteten 3ers Mitte Februar und hebt die Preise mit dem Facelift um 300 Euro an. Nach wie vor gibt es neben dem Schrägheckmodell (und für 500 Euro Aufpreis) auch eine erschreckend langweilige und deshalb hierzulande kaum verkaufte Stummelheck-Limousine.

Das Einstiegsmodell mit einem 100 PS starken 1,5-Liter-Benziner kostet künftig 17.990 Euro. Daneben ist ein 2,0-Liter-Benziner mit 120 oder 165 PS im Angebot und - außer dem von uns gefahrenen 2,2-Liter-Diesel - ein zweiter Selbstzünder mit 1,5 Liter Hubraum und 105 PS. Zur Ausstattung zählen unter anderem eine automatische Abstandsregelung, ein Notbremsassistent, der jetzt bis Tempo 80 funktioniert und auch Fußgänger erkennt, sowie die üblichen Fahr- und Rangierhilfen. Das Infotainmentsystem bietet Online-Funktion, App-Store und Touchscreen; auch da steht Mazda VW in kaum etwas nach.

Wenn es einen gravierenden Unterschied zum Golf gibt, dann ist es die geringere Antriebsauswahl. Denn Mazda fehlen Spar- oder Sportversionen, es gibt auch keinen Allradantrieb und von Hybrid- oder Plug-in-Hybrid-Technik ist bislang erst recht keine Rede. Erst 2019 soll die Elektrifizierung beginnen, dann gleich mit einem eigenständigen Akku-Auto.

Das werden wir nicht vergessen: Den tiefroten Lack des Testwagens. Nicht nur, weil er den 3er ein wenig nach Alfa Romeo aussehen lässt, sondern weil er auch bei den Kunden so gut ankommt, dass jeder dritte Mazda 3 im Farbton "Rubinrot" bestellt wird. Im Vergleich dazu wirken Golf-Kunden fast schon farbenscheu.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: 3 Skyactiv-D 150
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 2.191 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 380 Nm
Von 0 auf 100: 8,1 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 4,1 Liter
CO2-Ausstoß: 107 g/km
Kofferraum: 364 Liter
umgebaut: 1.263 Liter
Gewicht: 1.395 kg
Maße: 4470 / 1795 / 1465
Preis: 25.290 EUR
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insgesamt 118 Beiträge
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Seite 1
varesino 18.01.2017
1. Ja, der Mazda 3 ist ein Hingucker
als solcher sollte man in eher mit Alfa vergleichen, als mit dem VW Golf. Leider kommt diese Optik mit Aussenabmessungen daher, die eigentlich die Kompaktklasse sprengen. Die Übersichtlichkeit leidet auch entsprechend. Da kann der Golf natürlich punkten. Eine Frage, wuerden die vielen Detailverbesserungen nicht beworben, wuerde ein unbedarfter Nutzer sie wahrnehmen? Wahrscheinlich nicht.
horstmoik 18.01.2017
2. Familiengesicht
Mazda ist der einzige japanische Hersteller, dessen Design einen hohen Wiedererkennungswert hat. Bei den anderen Herstellern sieht jedes Fahrzeug (schauderhaft) anders aus (Honda, Toyota) oder trist (Subaru). Ich finde die Linienführung sehr schön und harmonisch. Mazda macht viele Dinge richtig, auch technisch.
baghira1 18.01.2017
3. Diesel lohnt sich?
Mazda will alleine für den Motor 2000 € haben, zudem ist der nicht in der Basisaustattung verfügbar,sodas man 28000 für den ausgeben muß. Die Benziner sind auch ziemlich sauber, da die mit einer geringen Verdichtung arbeiten. Die Bedrohung von Dieselverboten in den Städten ist auch noch nicht gegessen.
eugler 18.01.2017
4. Diesel lohnt sich @baghira
Es gibt unterschiedliche Arten eine Autofinanzierung zu betrachten. Der Barpreis ist allerdings wenig hilfreich. Ich persönlich ignoriere den Barpreis, rechne ausschließlich den Wertverlust + komplette Kosten. In der Regel sind dabei bis etwa 15tkm die Benziner im Vorteil, um die 15tkm ist es egal und darüber der Diesel. Die Abgasproblematik wird sicher ein politisches Thema, denn real sind beispielsweise die Feinstaubausstöße von den allermeisten Benzindirekteinspritzern astronomisch viel höher als bei einem Diesel. Der Individualverkehr ist immer gleich belastend. Die Frage ist nur welche Werte öffentlich stärker wahrgenommen werden. Elektrofahrzeuge erledigen ihren Teil bei Produktion und Entsorgung - gleich Bilanz bei allen Antrieben.
elektrofachkraft 18.01.2017
5.
Zitat von baghira1Mazda will alleine für den Motor 2000 € haben, zudem ist der nicht in der Basisaustattung verfügbar,sodas man 28000 für den ausgeben muß. Die Benziner sind auch ziemlich sauber, da die mit einer geringen Verdichtung arbeiten. Die Bedrohung von Dieselverboten in den Städten ist auch noch nicht gegessen.
Dem kann ich nur zustimmen. Sofern die Betriebskosten nicht deutlich höher sind, würde ich den Benziner, der dank Skyactiv-Technologie und Saugrohreinspritzung wahrscheinlich einer der saubersten seiner Art ist, dem Diesel auf jeden Fall vorziehen.
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