Von Tom Grünweg
Japanische Autohersteller pflegen bisweilen merkwürdige Entwicklungsmethoden. Während normalerweise Prototypen mit dutzenden von Sensoren gespickt werden, um eventuelle Mängel zu orten, befestigte der Mazda-Entwicklungsingenieur Daisuke Umetsu einige Elektroden am Nacken eines Testfahrers und postierte eine Wasserflasche auf dem Armaturenbrett. Die registrierte Spannung der Halsmuskulatur und die Bewegungen des Wassers gaben Umetsu die entscheidenden Hinweise, um das Fahrverhalten des neuen Mazda 5 zu verbessern.
"Wir wollten eine besonders harmonische Abstimmung von Lenkung, Federn und Bremsen", sagt Umetsu und zeigt Bilder von schiefen Köpfen und wild durchs Auto schwappenden Flüssigkeiten. So etwas sollte künftigen Mazda-5-Kunden nicht widerfahren. Umetsu strebt den "smooth ride" an, den sanften Ritt also, den Erwachsene ebenso zu schätzen wissen wie kleine Kinder mit empfindlichen Mägen. Deshalb wurde zwei Jahre lang an der Abstimmung gearbeitet. Jetzt ist der neue Mazda 5 fertig, und man gleitet mit dem Van tatsächlich sehr kommod über die Autobahn.
Bei anderen Fahrzeugentwicklungen sind solche Feinheiten allenfalls Fußnoten im so genannten Lastenheft, in dem die Entwickler die Anforderungen an das neue Auto definieren. Doch liegen die Dinge beim Mazda 5 ein wenig anders. Denn auch wenn die Verantwortlichen von einem völlig neuen Modell sprechen, ist der Generationswechsel jetzt, nach nur fünf Jahren, tatsächlich lediglich eine Überarbeitung.
Das Format blieb im Vergleich zum Vorgängen prinzipiell gleich, obwohl der Wagen aufgrund einer neu gestalteten Frontschürze um acht Zentimeter länger wurde und nun 4,59 Meter misst. Das Interieur ist variabel wie eh und je. Es gibt das Auto mit fünf oder sieben Sitzen, der mittlere Platz der zweiten Reihe lässt sich wegklappen, es können Transportnetz für allerlei Kleinkram aus den Fondsitzen hervorgeholt werden und unter den Sitzkissen gibt es kleine Staufächer. Das alles funktioniert flott und problemlos. Nur vier Handgriffe sind beispielsweise nötig, um das Familienauto in einen Kleintransporter mit 1,6 Kubikmetern Stauraum zu verwandeln.
Neuer Benzin-Direkteinspritzer mit Start-Stopp-Automatik
Eine wirkliche Neuerung gibt unter der Motorhaube. Dort gibt es neben einem optimierten 1,8-Liter-Benziner mit 115 PS einen komplett neuen Motor mit Direkteinspritzung. Das 2-Liter-Aggregat leistet 150 PS und stellt ein Drehmoment von maximal 191 Nm bereit. Die Kraft wird von einem Sechsgang-Getriebe verwaltet, binnen elf Sekunden beschleunigt der Wagen auf Tempo 100 und wird bis zu 194 km/h schnell. Erfreulich ist dabei vor allem der Verbrauch: Dank serienmäßiger Start-Stopp-Automatik kommt der Motor mit 6,9 Litern klar - das sind immerhin 0,3 Liter weniger als beim schwächeren Basis-Benziner.
Ein zweiter neuer Motor soll im Januar folgen. Dann wird der 2,0-Liter-Diesel mit jetzt 110 oder 143 PS durch einen nur noch 1,6 Liter großen Selbstzünder mit 115 PS ersetzt. Die Agilität könnte bei diesem Downsizing ein wenig auf der Strecke bleiben, doch wird nach Angaben von Mazda der Verbrauch auf knapp fünf Liter je 100 Kilometer sinken.
Gleiches Preisniveau, aber an Kleinigkeiten wird gespart
Der Markt der Großraumlimousinen im Stile des Mazda 5 stagniert, europaweit werden derzeit rund eine Million Vans dieser Art pro Jahr verkauft. Um in diesem Wettbewerb eine Chance zu haben, wird das neue Mazda-Modell, das Ende Oktober auf den Markt kommt, nicht teurer verkauft als bisher. Derzeit kostet die Basisversion des Autos etwa 21.000 Euro. Damit das Preisniveau trotz der aufgewerteten Technik gehalten werden kann, wird Mazda einige Details streichen. Zum Beispiel die Dachreling oder die One-Touch-Bedienung der elektrischen Fensterheber im Fond.
Derlei Kleinigkeiten wird die Kundschaft wohl verschmerzen. Die größere Frage ist, ob die neue Linie des bisherigen Designchef Laurenz van den Ackers ankommt. Denn er und sein Team verpassten der eher funktionalen Großraumlimousine alberne Blechwellen auf den riesigen Flanken. An der Frontpartie klafft der Kühlerschlund sehr weit auf und zum höchst eigenwillig modellierten Heck wollen sogar die Mazda-Designer lieber keinen Kommentar abgeben. Dabei wäre das wohl ziemlich risikolos, denn van den Acker hat die Firma schon wieder verlassen. Sein Nachfolger heißt Ikuo Maeda und wird im Oktober auf dem Autosalon in Paris seine erste Kreation für Mazda präsentieren. Natürlich mal wieder mit einer ganz eigenen, und angeblich völlig neuen Designsprache.
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