Mazda 6: Neue Formen, alte Motoren

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Der neue Mazda 6 will mit mehr japanischer Identität punkten. Optisch kann die Neuauflage des hierzulande seit Jahren beliebten Mittelklassemodells durchaus überzeugen. Unter der Motorhaube hätte etwas mehr Hightech dem Wagen allerdings gut getan.

Youichi Sato ist ein wenig neidisch. "Einem Alfa Romeo sieht man den Italiener auf den ersten Blick an, und das Styling eines BMW verkörpert alle deutschen Tugenden", klagt der Mazda-Designer. Autos aus Fernost hatten hingegen selten ein markantes Image. Das möchte Sato ändern. "Es wird Zeit, endlich japanisch zu sein", sagt er. Die zweite Generation des Mazda 6 soll ab Frühjahr beweisen, dass aus Japan nicht nur Allerweltsautos kommen. Bei den Händlern wird das neue Modell zu Preisen ab etwa 22.500 Euro auftauchen - zunächst als Limousine und Fließheck-Variante, im Sommer dann auch als Kombi. Leitlinie des neuen Flaggschiffs sei die Philosophie des Kizuna gewesen, sagt Projektleiter Ryuichi Umeshita. Das ist Japanisch und lässt sich in etwa mit Bindung (zwischen Mensch und Maschine) übersetzen. Was das soll bleibt irgendwie unklar - optisch erinnert der Mazda 6 mit seinen scharf geschnittenen Scheinwerfern, den ausgestellten Kotflügeln und der eleganten Silhouette an die Nobelmodelle von Lexus.

Das Außendesign kann also als gelungen bezeichnet werden. "Auch im Innenraum spürt man dieses Kizuna", sagt Umeshita. Fast zärtlich streicht er über die Oberflächen. Die sind aus schwarzem Kunststoff, wirken jedoch recht edel. Die Polster aus Lederimitat fühlen sich an, als hätten dafür tatsächlich Kühe ihre Haut zu Markte getragen.

Einfache Bedienung, solides Fahrverhalten

Auf der Straße macht der Mazda 6 einen deutlichen Sprung nach vorn. Die Servolenkung könnte zwar etwas mehr Rückmeldung geben, doch die Straßenlage ist gut ausbalanciert, die Gänge flutschen prima durchs Getriebe, die Bremsen haben Biss, und die neue Dämmung lässt den Motor in den Hintergrund rücken. Die Bedienoberfläche am Lenkrad ist mit ihren wenigen Kontrolltasten um Längen einfacher als die meisten anderen dieser Elektroniksysteme.

Umeshita ist nicht nur ein Mann des Bauchgefühls. Daher hat er sich die wuchtigen Konkurrenzmodelle angeschaut und den Mazda 6 mit dem Generationswechsel ein wenig aufgeblasen. Fünf Zentimeter mehr Radstand, sieben Zentimeter mehr Außenlänge und zwei Zentimeter mehr Breite schaffen innen etwas großzügigere Verhältnisse für Knie und Koffer. Auch in der zweiten Reihe sitzt man bequemer als früher, und unter die Kofferraumklappe passen immer mindestens 500 Liter.

Zwar kommt der Mazda 6 aus dem gleichen Konzern wie der Ford Mondeo, doch mit dem Kölner hat er nichts gemein. "Diese Plattform anzupassen, wäre teurer als eine eigene", sagt Umeshita und nennt als Vorbilder VW Passat und BMW 3er. An denen will sich der deutsche Mazda-Chef Michael Bergmann allerdings nicht unbedingt messen lassen: "Mit dem neuen Auto wollen wir auch Fahrer von Opel Vectra und Ford Mondeo erobern."

Ein größeres Auto, das dennoch an Gewicht verlor

Für Projektmanager Umeshita war das neue Format eine schwere Bürde "Denn eigentlich hätte das Auto dadurch um rund 90 Kilo schwerer werden müssen." Doch mehr verbrauchen als das bisherige Modell durfte der Wagen auf keinen Fall. "Deshalb haben wir an allen Stellschrauben gedreht", sagt er. Resultat: Trotz besserer Ausstattung - unter anderem mit sechs Airbags, ESP und aktiven Kopfstützen - hat der neue gegenüber dem Vorgänger 35 Kilo gut gemacht. Weil zudem die Aerodynamik optimiert und auf eine elektrische Servolenkung gewechselt wurde, verbraucht der neue Mazda 6 sieben bis zwölf Prozent weniger.

Wirklich alle Stellschrauben haben die Japaner allerdings nicht gefunden. Statt moderner Benzindirekteinspritzer, einer Start-Stopp-Automatik, der Bremsenergie-Rückgewinnung oder wenigstens einer Schaltanzeige gibt es unter der Haube alte Bekannte. Neu ist allein der 2,5 Liter große Vierzylindermotor.

Zwar macht der eine ordentliche Figur, klingt kultiviert und fährt flott, doch für das Flaggschiff einer Baureihe ist das ein bisschen dünn. Nicht umsonst wünscht sich Bergmann schnell einen Nachfolger für den 260 PS starken MPS. Stattdessen gibt es nur einen 1,8-Liter-Benziner mit 120 und einen 2,0-Liter mit 143 PS. Auch bei den Dieseln herrscht Bescheidenheit. Starten wird der Mazda 6 mit dem alten, 140 PS starken Zweilitermotor, der nun mit 5,6 Litern zufrieden ist. Ein stärkeres Triebwerk soll später folgen.

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Fotostrecke
Mazda 6: Bestseller, Teil 2

Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: 6
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 2.488 ccm
Leistung: 170 PS (125 kW)
Drehmoment: 226 Nm
Von 0 auf 100: 8,3 s
Höchstgeschw.: 217 km/h
Verbrauch (ECE): 8,2 Liter
CO2-Ausstoß: 193 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 504 Liter
umgebaut: 1.096 Liter
Preis: 28.500 EUR
Schnellcheck Mazda 6
Einsteigen: ...weil die zweite Generation außen besser aussieht, sich innen besser anfühlt und auf der Straße mehr Spaß macht.

Aussteigen: ...weil ein stärkerer Benziner und vor allem ein potenterer Diesel fehlen. Außerdem sind die Motoren antiquiert.

Umsteigen: ...aus anderen japanischen Mittelklasse-Limousinen und aus Renault Laguna, Peugeot 407 oder Ford Mondeo und Opel Vectra.


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