Mazda MX-5: Roadster für Realos

Von Tom Grünweg

Nachahmer wie Fiat Barchetta, Toyota MR-2 und MG-F sind längst vergessen - aber der MX-5 ist quicklebendig: 20 Jahre ist es her, dass Mazda seinen preiswerten Roadster erstmals auf die Straße schickte. Jetzt wird der Klassiker optisch aufpoliert.

Ein Roadster, im Stile klassischer britischer Flitzer? Der Mazda-Vorstand war von der Idee wenig begeistert. Wer sollte den so etwas kaufen. Die Entwickler des japanischen Hersteller focht das nicht an. Konspirativ gingen sie zu Werke und setzen ihre Idee um: den MX-5 Miata, der 1989 Weltpremiere feierte.

Offene Sportwagen gab es damals zwar auch, aber ausschließlich für Besserverdiener – in Gestalt des Porsche 911 Cabrio, des Mercedes SL oder der Corvette. Dank des flotten Flitzers aus Japan konnten endlich auch Normalverdiener ohne Dach fahren.

Vom Start weg wurde das Auto ein Erfolg. Zwar verkauften sich andere Mazda-Modelle häufiger, doch keines brachte der bis dahin farblosen Marke so viel Pep. Kein anderer Mazda wurde mit so vielen Preisen – es waren bislang fast 200 – bedacht, und kein anderer rief so viele Nachahmer auf den Plan. Hätte der MX-5 nicht die Renaissance des Roadsters eingeleitet, es gäbe heute wahrscheinlich weder BMW Z4 noch Mercedes SLK.

Vorsichtiger Facelift

Während die Konkurrenten von Fiat, Toyota oder Rover praktisch vergessen sind, steht Mazda treu zum Bestseller, der seit Mai 2000 als "meistverkaufter Roadster der Automobilgeschichte" im Guinness Buch der Rekorde steht und bis heute auf eine Produktionszahl von mehr als 850.000 kommt. Regelmäßig wird da Auto modernisiert.

Vor zwei Jahren etwa reichte Mazda eine Roadster-Coupé-Variante mit festem Klappdach nach. Jetzt erhalten Roadster und Roadster-Coupé der dritten Generation noch einmal ein gründliches Facelift. Mit frisch gestylter Frontpartie, verbesserten Motoren und neuen Preisen startet der MX-5 Ende April in den Frühling. Der neue Grundpreis liegt bei 22.000 Euro und damit ein paar Hunderter höher als bislang.

Weil der MX-5 bereits eine Ikone ist wie VW Käfer oder Chevrolet Corvette, waren die Designer bei der Modellpflege sehr vorsichtig; lediglich Schürzen und Schweller wurden ausgetauscht – so halten sich auch die Investitionen für die Renovierung im Rahmen. Immerhin lässt der Wechsel vom runden Kühlerschnorchel zum Mazda-typischen Fünf-Eck-Kühlergrill den Roadster erwachsener und aggressiver erscheinen.

Die Zeit des optischen Ankuschelns ist also vorbei. Innen merkt man den Fortschritt nur an Details: Die Ablagen sind ein bisschen größer geworden, die Verkleidungen ein bisschen feiner, die Instrumente ein wenig bunter und die Dämmung des Verdecks ein wenig dicker. Außerdem gibt es nun auf Wunsch einen Anschluss für den iPod, ein Musiksystem von Bose und Sportsitze von Recaro.

Kleine Verbesserungen unter der Haube

Zwar bleibt es auch dort bei den bekannten Motoren mit 1,8 und 2,0 Litern Hubraum und 126 oder 160 PS. Doch haben die Japaner den Verbrauch um vier bis sieben Prozent gedrückt und den Spaßfaktor vor allem beim Zweiliter-Motor deutlich gesteigert, denn der Motor dreht nun ein paar hundert Touren höher. Damit wächst nicht nur das Sprintvermögen, sondern aufgrund von Feintuning im Auspuff klingt der Roadster nun auch sportlicher.

Weil man in engen Kehren die Hände am besten am Lenkrad lässt, bietet Mazda für den Roadster nun auch ein Automatikgetriebe an. Die sechsstufige Schaltung, die es für einen Aufpreis von 1800 Euro nur für den großen Motor gibt, arbeitet feinfühlig, lässt sich mit Wippen am Lenkrad steuern und nimmt dem kleinen Derwisch nur wenig von seiner Schärfe. Im Gegenteil: Passstraßen machen jetzt viel mehr Spaß und im Feierabendstau auf der Uferpromenade hat der Kupplungsfuß nun endlich Pause.

So leidenschaftlich man mit dem MX-5 auch um die Kurven fegen kann, so leicht behält man die Kontrolle über den Wagen. Dafür gibt sorgt neben direkter Lenkung und strammem Fahrwerk der tiefe Schwerpunkt.

Weil das Modell allen Edelroadstern zum Trotz noch immer eine große Faszination auslöst, denkt Mazda keineswegs daran, den MX-5 wie Barchetta & Co. einzustellen. Eine neue, dann vierte Generation des MX-5 wird wohl in drei bis vier Jahren vorfahren.

In den US-Designstudios, in der Nähe Frankfurts und in Japan wetteifern die Mazda-Kreativen bereits um die Form des Nachfolgers. Und auch die Konkurrenz wacht wieder auf. VW hat auf der Messe in Detroit vor wenigen Wochen einen kleinen Roadster vorgestellt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
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    Seite 1    
1. Nun ...
silenced 16.02.2009
Dinge, die die Welt nicht braucht. (Punkt)
2. Original am schönsten...
***p.k*** 16.02.2009
Wobei ich nach wie vor die ersten Europamodelle am schönsten finde (abgesehen von der Nebelschlußleuchte...) - mit 3-Speichenlenkrad, ohne ABS etc. aber dafür nur 955kg schwer. Meiner wird im April volljährig...
3. Realos?
wakaba 16.02.2009
Wohl eher ein völlig verwässertes Konzept ohne Eigenständigkeit gespickt mit Teilen aus dem Kleinwagenregal. Etwas Plastik-Chrom-Bling um Wertigkeit zu suggerieren und den unsicheren Geschmack zu beruhigen.
4. Mx-5
jupp_muc 16.02.2009
ich seh schon nur Profis hier am Werk, fahrt mal so einen MX-5 und redet nochmal drüber! Ein Auto was einfach nur Spass macht!
5. Einfach genial
Rainer Daeschler 16.02.2009
Geniales Design, nicht zu aufgeregt und nicht zu bieder. Der Erfolg liegt nämlich oft zwischen den beiden Extremen und nicht beim totalen "Hingucker". Dazu kommt noch die bekannte Fertigungsqualität aus Hiroshima. Es war mutig diesen Wagentyp wiederzubeleben. Das der erste Versuch der erfolgreichste geblieben ist, das ist wohl einzigartig.
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