Mazda RX-8 Hydrogen RE: Zukunft auf Knopfdruck

Von Tom Grünweg

Auf dem Weg in eine automobile Zukunft setzt nahezu die gesamte Industrie auf die Brennstoffzelle, die Wasserstoff in Strom verwandelt. Nur BMW und Mazda verbrennen das Gas direkt. Die Japaner nutzen dafür ihren Wankelmotor. SPIEGEL ONLINE hat ihn getestet.

Auf den ersten Blick sieht dieser Mazda aus wie jeder andere RX-8. Die bunten Aufkleber irritieren vielleicht ein wenig. Und wer genau hinschaut, wird sich wohl über die beiden Tankstutzen wundern, die links und rechts an den Hüften des viertürigen Wankel-Coups platziert sind. Auch das Cockpit wirkt mit seinen beiden Tankuhren leicht ungewöhnlich. Doch was den Sportler wirklich besonders macht, das ist die kleine blaue Taste neben dem Lenkrad. Sie katapultiert den Fahrer auf Knopfdruck in die Zukunft. Denn mit ihr wird der Wasserstoffantrieb aktiviert, mit dem Mazda auch in Zeiten knapper Energieressourcen und wachsender Klimaprobleme die individuelle Mobilität sichern möchte. Das klingt nach schöner Utopie, funktioniert aber im Einzelfall schon ganz ordentlich.

Der Testwagen von SPIEGEL ONLINE ist eines von nicht einmal zehn Wasserstoff-Fahrzeugen, die Mazda bislang gebaut, in Japan an Firmenkunden verleast und nun zu einer ersten Bewährungsprobe nach Europa geholt hat. Anders als bei der Brennstoffzelle wird der Wasserstoff nicht in Strom für einen Elektromotor verwandelt, sondern direkt im Motor verbrannt.

Vom giftigen Sportler zum gemütlichen Cruiser

"Das ist zwar nicht ganz so effizient", gesteht Projektleiter Akihiro Kashiwagi ein. "Doch hat unsere Lösung dafür eine Reihe anderer Vorteile." Sie sei, so argumentiert der Japaner, deutlich billiger als die Brennstoffzelle, weil man im Wagen eigentlich nur den zusätzlichen Tank unterbringen müsse. Sie sei "mehrere Jahre" näher an der Serienreife, und sie erlaube einen so genannten "bivalenten" Antrieb, weil man auf Knopfdruck zwischen den Betriebsarten wechseln könne. "Damit steigern wir die Reichweite unseres Wagens von 100 Kilometern im Wasserstoff-Modus auf insgesamt 650 Kilometer", doziert der Entwickler aus der Feldforschung.

Das Fahrverhalten in beiden Betriebsarten läßt sich allerdings kaum vergleichen: Mit dem Wechsel von Benzin auf Wasserstoff büßt der RX-8 etwa die Hälfte seiner Leistung ein und wird vom giftigen Sportler zum gemütlichen Cruiser.

"Weil Wasserstoff eine sehr viel geringere Energiedichte hat als Benzin, erreicht der Motor nur noch 109 statt 210 PS", sagt Kashiwagi. Aber die Fahrleistungen können sich noch immer sehen lassen. Schließlich sprintet der RX-8 selbst im Wasserstoffbetrieb ganz respektabel über die Teststrecke und schafft dabei rund 170 Sachen. "Für den Stadtverkehr reicht das allemal", konstatiert der Projektleiter mit süffisantem Lächeln.

Kreisende Kolben - antiquiert oder ideal?

Die Geräuschkulisse ist für einen Sportwagen etwas eigen. Beim Umschalten zwischen den Betriebsarten surrt und zischt es ein paar Sekunden. Und beim Tanken wähnt man sich neben einer Dampflokomotive. Wenn der RX-8 dann mit Wasserstoff fährt, nagelt der Motor beinahe wie ein Diesel. "Das liegt an der extrem hohen Flammgeschwindigkeit des Gases, das im Motor förmlich explodiert", erläutert Entwickler Kashiwagi. Doch muss man sich immer wieder vor Augen halten: Das ist ein Erprobungswagen, der von Hand in kleiner Serie gebaut wurde, von der Massenfertigung aber laut Kashiwagi noch immer "fünf bis zehn Jahre" entfernt ist. Bis dahin wird eine bessere Dämmung allen Schall schlucken, verspricht der Entwickler.

Als Basis für seinen Versuchsträger hat Mazda den RX-8 gewählt, weil der über einen Wankelmotor verfügt. Das eigenwillige Konzept der kreisenden Kolben gilt vielen Entwicklern als antiquiert und exotisch, ist aber laut Kashiwagi für den Wasserstoff-Motor geradezu ideal.

Weil hier Einlass-, Brenn- und Auslasskammer - anders als beim sonst üblichen Hubkolbenmotor - strikt voneinander getrennt seien, lasse sich die Verbrennung des hoch explosiven Wasserstoffs besser kontrollieren. "Trifft er dagegen im normalen Zylinder auf eine zu heiße Außenwand, kann es zu störenden Fehlzündungen kommen", rechtfertigt er das Konzept, das ihm zudem mehr Platz für den zusätzlichen Injektor lässt.

Unabhängig von endlichen Reserven

Ganz egal, ob nun in der Brennstoffzelle oder direkt im Motor – für den Wasserstoff als Benzin der Zukunft gibt es viele gute Argumente. Zwar wird das auf der Erde quasi unbeschränkt verfügbare Element bis dato zu 95 Prozent aus fossilen Energieträgern gewonnen. Doch eine entsprechende Nachfrage vorausgesetzt, könnte man es über Elektrolyse auch mit Wind- oder Sonnenkraft herstellen und sich so von den endlichen Reserven lösen.

Außerdem verbrennt Wasserstoff im Auto beinahe schadstofffrei und ohne den Klimakiller CO2 zu emittieren. Aus der Brennstoffzelle säuselt nur Wasserdampf, aus dem RX-8 dazu noch eine "extrem geringe Menge an Stickoxiden", erläutert der Entwickler. Ein Problem haben beide Fraktionen gemeinsam: Weltweit gibt es bislang erst weniger als 100 Tankstellen, an denen Wasserstoff verfügbar ist.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: RX-8 Hydrogen RE
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: Wankelmotor für Wasserstoff und Benzin
Hubraum: 1.308 ccm
Leistung: 109 PS (80 kW)
Drehmoment: 140 Nm
Höchstgeschw.: 170 km/h
Verbrauch (ECE): 110,0 Liter
CO2-Ausstoß: 0 g/km
Kraftstoff: Wasserstoff
Kofferraum: 0 Liter
Fotostrecke
Mazda RX-8 Hydrogen RE: Mal Sportler, mal Cruiser


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