Mazda3: Neues Navi, alter Motor

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Gegen VW Golf, Opel Astra oder Ford Focus hat der Mazda3 keine Chance. Doch die Aufholjagd haben die Japaner erst einmal vertagt. Statt einer umfangreichen technischen Erneuerung pimpen sie ihren Kompakten lediglich mit ein paar hübscheren Plastikteilen.

Mazda3: Etwas Kosmetik, das war's Fotos
Mazda

198.530 Zulassungen in den ersten neun Monaten: Wenn Josef Schmid, der Chef von Mazda in Deutschland, in der Statistik des KBA das Kapitel VW Golf aufschlägt, dürften ihm die Tränen kommen. Der Dauerbrenner aus Wolfsburg verkauft sich auch ein Jahr vor seiner Ablösung noch bestens. Mazdas Antwort auf den Platzhirschen, der Mazda3, tut sich da ungleich schwerer: Mit gerade einmal 8773 Neuzulassungen hat das Auto schon fast Exotenstatus.

Mit dieser Rolle wollen sich die Japaner allerdings nicht zufriedengeben. Sie verpassten dem Kompakte deshalb jetzt eine Frischzellenkur - aber nur eine kleine.

Tiefgreifende technische Änderungen betrachteten die Entwickler entweder als überflüssig oder das Budget reichte dafür nicht aus - jedenfalls beschränkten sie sich weitgehend auf Kunststoff-Kosmetik. So lassen neue Stoßfänger vorn und hinten den Wagen etwas entschlossener und sportlicher aussehen. Dazu bekommt der Mazda3 innen hellere Chromkonsolen, dunklere Kunststoffe und neue Ziffernblätter mit weißen Skalenringen. Das sind nur Kleinigkeiten, die aber eine große Wirkung haben: Das Auto sieht vornehmer aus, der triste Plastik-Look ist passé, man fühlt sich wohler und kann die Instrumente besser ablesen. Und besser bedienen lässt sich der Kompaktwagen jetzt auch: Denn auf Wunsch gibt es ein neues, erstmals voll integriertes Navigationssystem, das direkt im Sichtfeld liegt und mit zahlreichen Live-Informationen zum Verkehrsgeschehen aufwartet.

So sparsam wie die Retuschen am Design waren auch die Korrekturen an der Preisliste: Genau wie bislang beginnt die Tabelle mit 16.990 Euro für den Fünf- und 19.290 Euro für den stärker motorisierten und in Deutschland ziemlich überflüssigen Viertürer. Aber auch in diesem Fall lohnt ein zweiter Blick: Denn spannend wird es mit den neuen "Edition"-Modellen, die jetzt für viele Varianten angeboten werden und mit Extras wie Sitzheizung, Tempomat oder Spurwechselassistent einen Preisvorteil von bis zu 1700 Euro versprechen.

Ein bisschen Feinschliff hier und da - das war's

Unter der Haube gibt es zum neuen Modelljahr vor allem Feinschliff. Mit neuen Steuergeräten hier und einer frischen Kalibrierung da sinkt der Verbrauch der zwei Benzinmotoren mit 105 oder 150 PS und der drei Diesel mit Leistungen von 115 bis 185 PS um bis zu vier Prozent. Ausgenommen von diesen Maßnahmen bleibt nur der Mazda3 MPS, der als Sportskanone mit 260 PS eigentlich den Golf GTI das Fürchten lehren soll und weiterhin mit unveränderter Technik feilgeboten wird.

Für unsere Testfahrt wählten wir die goldenen Mitte unter den Motorisierungen, den Diesel mit 150 PS. Nach offiziellen Angaben verbraucht die Maschine im Schnitt 5,2 Liter Kraftstoff, was in der Praxis auf rund sieben Liter hinausläuft. Der 2,2 Liter große Vierzylinder ist kräftig und kultiviert, klingt angenehm leise und legt sich mit bis zu 360 Nm kräftig ins Zeug. So schafft er den Sprint von 0 auf 100 in 9,2 Sekunden, bewältigt die Zwischenspurts beim Überholen auf der Landstraße mit einem Schulterzucken und trumpft mit einer Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h auf der Autobahn auch auf der linke Spur auf.

Je engagierter man den neuen Mazda3 bewegt, desto deutlicher spürt man die Verbesserungen am Fahrwerk: Die elektrische Servolenkung gibt nun eine genauere Rückmeldung, das Auto reagiert gelassener auf schärfere Kurs- oder Lastwechsel, und weil die Aerodynamik verbessert wurde, ist es obendrein ein wenig leiser an Bord. Was aber noch immer fehlt zur Konkurrenz sind Extras wie eine Doppelkupplung anstelle des neuen Automatikgetriebes für den Basis-Benziner und eine Start-Stopp-Funktion. Die hat Mazda zwar mittlerweile im Programm, bietet sie aber nur für die Variante mit 150-PS-Benzinmotor an.

Die neueste Technik erhält der Mazda3 nicht mehr

Überhaupt hätten die Fortschritte unter der Haube größer ausfallen können. Gelegenheit dazu hätten die neuen so genannten Skyactiv-Triebwerke gegeben, die Mazda gerade entwickelt hat und die in den US-Modellen des Mazda3 ab sofort zu haben sind. Hierzulande gibt es diese Aggregate dagegen erst ab dem nächsten Frühjahr im kleinen Geländewagen CX-5. Mazda in Europa gibt für die unterschiedliche Behandlung technische Gründe vor: Die neuen Motoren seien Teil eines Technologiepakets und spielten ihre Vorteile nur in Verbindung mit der neuen Plattform und den neuen Getrieben aus.

Womöglich ist die Strategie auch ein Hinweis darauf, dass der Nachfolger des Mazda3 zuerst in Europa an den Start geht. Das Jahr 2012 steht zwar ganz im Zeichen des nächsten Mazda6, doch anschließend ist dann das Kompaktmodell dran. Und bis dahin präsentiert der Wagen sich einfach in alter Frische.

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1. Langweilig
Leser161 28.10.2011
Ja wir habens verstanden die niederen Japaner sind es nicht wert, dass wir ihre Autos kaufen. Mehr sachlichen Journalismus ohne ätzende Untertöne bitte!
2. Hä?
gunsch 28.10.2011
Nur wegen milder Kritik an einem japanischen Wagen unterstellen Sie dem Autor schon Rassismus-Anschübe, oh mann...
3. Hier koennte ein Titel stehen...
Electricdawn, 28.10.2011
Fuer manche Leute ist selbst leiseste Kritik an ihrem Liebling ein Sakrileg. ;) Ich finde den Mazda 3 durchaus in Ordnung. Solide Technik, von allen Japanern noch mit das schoenste Styling (Geschmackssache, ich weiss), Preise noch bezahlbar (aber leider nicht mehr soweit von Opel und Co. entfernt). Aber die Verkaufszahlen schockieren mich ehrlich gesagt etwas. Haette schwoeren koennen, das ich das Auto haeufiger sehe, als die Verkaufszahlen aussagen.
4. ...
michaelXXLF 28.10.2011
Zitat von ElectricdawnFuer manche Leute ist selbst leiseste Kritik an ihrem Liebling ein Sakrileg. ;) Ich finde den Mazda 3 durchaus in Ordnung. Solide Technik, von allen Japanern noch mit das schoenste Styling (Geschmackssache, ich weiss), Preise noch bezahlbar (aber leider nicht mehr soweit von Opel und Co. entfernt). Aber die Verkaufszahlen schockieren mich ehrlich gesagt etwas. Haette schwoeren koennen, das ich das Auto haeufiger sehe, als die Verkaufszahlen aussagen.
Das liegt vermutlich daran, daß er auffällt in der Masse der Golfs und Astras, wenn er denn mal vorbei kommt.
5. .
rgh1974 28.10.2011
Sorry, das empfinde ich als bissige, um nicht zu sagen diffamierende Äußerung: ---Zitat von SPON--- Statt einer umfangreichen technischen Erneuerung pimpen sie ihren Kompakten lediglich mit ein paar hübscheren Plastikteilen. ... Tiefgreifende technische Änderungen betrachteten die Entwickler entweder als überflüssig oder das Budget reichte dafür nicht aus - jedenfalls beschränkten sie sich weitgehend auf Kunststoff-Kosmetik. ---Zitatende--- Die hätte man sich getrost sparen können, das machen auch die paar wohlwollenden Sätze in Folgenden nicht wett, der Tenor ist negativ. Aber dieser Stil scheint bei dem Autor üblich zu sein, sein Bericht über den Volvo V60 Drive ist mir ähnlich übel aufgestoßen. ---Zitat von SPON--- Und besser bedienen lässt sich der Kompaktwagen jetzt auch: Denn auf Wunsch gibt es ein neues, erstmals voll integriertes Navigationssystem, das direkt im Sichtfeld liegt und mit zahlreichen Live-Informationen zum Verkehrsgeschehen aufwartet. ---Zitatende--- Hier wundere ich mich, hat es doch bei Einführung des Mazda 3 im vorletzten Jahr dieses Navi schon gegeben. VGR
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Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: 3 (2011)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 2.184 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 360 Nm
Von 0 auf 100: 9,2 s
Höchstgeschw.: 205 km/h
Verbrauch (ECE): 5,2 Liter
CO2-Ausstoß: 139 g/km
Kofferraum: 340 Liter
umgebaut: 1.360 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 23 (TK) / 23 (VK)
Preis: 24.590 EUR


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