Autogramm McLaren 600 LT Liebe auf den ersten Kick

Gewicht runter, Leistung und Preis rauf: Porsche und Co. verdienen prächtig mit Sportwagen, die für die Rennstrecke zugeschnitten sind. McLaren ist mit dem 600 LT am Start - wir waren mit ihm auf der Piste.

McLaren

Der erste Eindruck: Sieht aus wie alle anderen McLaren auch. Gut, mit dem längeren Heck durch den größeren Diffusor macht der McLaren 600 LT dem Namen "Longtail" alle Ehre, der fest stehende Flügel und der Splitter im Bug machen die Vollgasambitionen klar. Doch wirklich neu wirkt das Auto nicht.

Das sagt der Hersteller: Boxengasse statt Boulevard der Eitelkeiten - so ungefähr sortiert Produktmanager Tom Taylor den neuen 600 LT ein, und zwar in die Riege der sogenannten Track-Cars, die trotz ihrer Straßenzulassung vor allem auf die Rennstrecke zugeschnitten sind. Ähnlich wie die GT-Modelle von Porsche - die Taylor als Vorbild nennt - werden sie von Kunden gekauft, die mit den Autos tatsächlich über Rundkurse rasen und nicht nur durch die Stadt flanieren. Von diesem Typ Autofahrer gibt es offenbar eine ganze Menge, nicht umsonst rechnet Taylor mit einem Verkaufsanteil von 25 Prozent in der bislang vor allem von Modell 570 LT bestimmten "Sport Series" von McLaren. Begrenzt ist die Auflage des Wagens obendrein, sagt Taylor. Das gehöre zum Wesen der LT-Modelle. "Deshalb bauen wir das Auto genau 12 Monate lang, dann ist Schluss."

Fotostrecke

12  Bilder
Autogramm McLaren 600 LT: Schneller!

Das ist uns aufgefallen: Auf die Plätze, fertig, los! Sobald man hinab geklettert ist in den engen Schalensitz des McLaren, fühlt man sich tatsächlich wie ein Rennfahrer. Der Blick fokussiert die Piste, die Hände greifen wie von selbst ein bisschen fester ins Lenkrad, im rechten Fuß spürt man ein nervöses Kribbeln und instinktiv wartet man darauf, dass irgendwo eine Startflagge geschwenkt wird oder eine Startampel umspringt.

Im Prinzip ist auch dieser McLaren aus den gleichen Komponenten konstruiert wie alle anderen Modelle aus Woking. Doch einmal mehr haben die Briten sie so kombiniert, dass der Wagen einen eigenen - in diesem Fall ziemlich biestigen - Charakter hat.

Deshalb wartet man nicht länger als irgend nötig, nagelt dann den rechten Fuß aufs Bodenblech und erfreut sich des Kicks, der einem ins Kreuz fährt: 600 PS Leistung und 620 Nm Drehmoment schleudern den Wagen dem Horizont entgegen. Das sind nicht nur 30 PS und 20 Nm mehr als beim Basismodell 570, sondern der Motor dreht höher, röhrt lauter und wirkt in jeder Hinsicht aggressiver. Als hätte man ihn mit Adrenalin betankt und nicht mit Super bleifrei.

Dazu passt auch das restliche Set-up des Longtails, das tatsächlich gut sieben Zentimeter länger ausfällt. Das Fahrwerk wurde spürbar versteift, die Lenkung ist direkter und lässt den Wagen schon bei der kleinsten Bewegung nervös zucken. Die Bremsen haben fast so viel Biss wie beim P1 und benötigen aus 200 km/h nur 100 Meter bis zum Stillstand - gerade mal einen Meter mehr als beim Hyper-Sportwagen. Und wo der 570 S neutral durch den Wind schneidet, generieren Spoiler und Schweller beim 600 LT bei 250 km/h rund 100 Kilo Abtrieb, die den Wagen auf die Straße pressen und stabil in der Spur halten.

Das Ergebnis ist ein engagierteres Fahrverhalten. Die Bremspunkte verschieben sich deutlich Richtung Kurveneingang, am Scheitelpunkt hat man mehr Tempo und danach steigt man früher wieder aufs Gas. Es ist gar nicht so albern, dass sogar das Männchen im Piktogramm der Klimasteuerung einen Helm trägt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des McLaren 600 LT - mit unserem 360-Grad-Foto:

Natürlich muss man es nicht so toll treiben und kann den 600 LT auch halbwegs gemächlich bewegen. Das jedoch erfordert ein erhebliches Maß an Selbstbeherrschung, und kommod ist es auch nicht. Denn während man mit dem 570 S tatsächlich vergleichsweise entspannt über den Boulevard bummeln kann, ist die langsame Gangart im Longtail ein Krampf, weil das Auto einfach nicht komfortabel sein will.

Das muss man wissen: Der 600 LT ist das vierte und billigste Longtail-Modell - selbst wenn es 230.000 Euro kostet und damit 41.000 Euro teurer ist als der 570S. Für den Aufpreis gibt es 25 Prozent aller Teile neu, so dass das Gewicht um 100 Kilo sinkt und zugleich die Kraft des 3,8 Liter großen V8-Turbomotors zunimmt. Das Spitzentempo liegt bei 328 km/h, und den Verbrauch gibt McLaren mit 10,7 Litern an. Die ersten Fahrzeuge werden gerade in Woking gebaut und ab November ausgeliefert.

Das werden wir nicht vergessen: Den Auspuff des Longtail, der in spektakulärer Manier nach oben geführt ist und mit zwei fetten Rohren aus dem Heckdeckel ragt. Das ist schon im Stand ein beeindruckender Anblick, wird aber spätestens bei Vollgas zum Spektakel. Denn dann spuckt der Longtail bisweilen hohe Flammen aus - wie es sich für eine Bestie eben gehört.

Fahrzeugschein
Hersteller: McLaren
Typ: 600 LT
Karosserie: Coupé
Motor: V8-Turbobenziner-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.799 ccm
Leistung: 600 PS (441 kW)
Drehmoment: 620 Nm
Von 0 auf 100: 2,9 s
Höchstgeschw.: 328 km/h
Verbrauch (ECE): 10,7 Liter
CO2-Ausstoß: 249 g/km
Kofferraum: 150 Liter
Gewicht: 1.365 kg
Maße: 4604 / 1930 / 1194
Preis: 230.000 EUR
Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bimbambum 23.10.2018
1. na
Wann kommen die ganzen Spaßbremsen, die dem Forum erklären warum man sowas heutzutage nicht mehr braucht? zum Thema. geile Karre, leider knapp ausserhalb meines Budgets.
spon_2312970 23.10.2018
2. Langsam ist es genug
Hören sie doch endlich damit auf, solche sinnlosen und aus der Zeit gefallenen Wahnsinnsmobile mit großer Begeisterung zu rezensieren! Ich wünsche mir Berichte über Vernunftmobile die für alle von Interesse sind.
supergrobi123 23.10.2018
3. Hier!
Zitat von bimbambumWann kommen die ganzen Spaßbremsen, die dem Forum erklären warum man sowas heutzutage nicht mehr braucht? zum Thema. geile Karre, leider knapp ausserhalb meines Budgets.
Sie müssen eines verstehen: Der Spiegel ist hier sehr inkonsequent. Kaum ein Tag verstreicht, an dem nicht über den Klimawandel, Fahrverbote, Ausbau des ÖPNV, Abschaffung des Verbrenners etc. geschrieben wird. Und dann folgt ein Artikel darüber, wei geilo doch das Supercar oder wie fett der neuste SUV sei. Das passt nicht zusammen und löst zu recht Irritation und Unmut aus.
touri 23.10.2018
4.
Zitat von bimbambumWann kommen die ganzen Spaßbremsen, die dem Forum erklären warum man sowas heutzutage nicht mehr braucht? zum Thema. geile Karre, leider knapp ausserhalb meines Budgets.
Offensichtlich 6 min nach Ihrem Beitrag :p Ich persönlich finde das Auto optisch ganz schick und würde gerne mal damit auf einer Rennstrecke aufs Gas drücken, aber selbst wenn ich das Kleingeld über hätte, wäre das jetzt vermutlich nicht das Alltagsauto meiner Wahl
touri 23.10.2018
5.
Zitat von supergrobi123Sie müssen eines verstehen: Der Spiegel ist hier sehr inkonsequent. Kaum ein Tag verstreicht, an dem nicht über den Klimawandel, Fahrverbote, Ausbau des ÖPNV, Abschaffung des Verbrenners etc. geschrieben wird. Und dann folgt ein Artikel darüber, wei geilo doch das Supercar oder wie fett der neuste SUV sei. Das passt nicht zusammen und löst zu recht Irritation und Unmut aus.
Warum sollte das nicht zusammen passen? Zunächst einmal hat der Spiegel viele unterschiedliche Autoren, die ihren content hier einbringen. Ich persönlich finde das viel interessanter als ständig eine Filterblase vorgesetzt zu bekommen, in der bestimmte Nachrichtenthemen einfach ausgespart werden. Natürlich ist man nicht immer einer Meinung mit dem Autor, aber es ist trotzdem interessant alle verschiedenen Perspektiven kennenzulernen. Im übrigen sind Supersportwägen jetzt nicht gerade die Fahrzeugmodelle über die wir uns beim Thema Klima sorgen machen müssen, nicht bei dem Preisschild...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.