Autogramm Memminger Käfer Cabrio Dieser Käfer ist der Knaller

VW Käfer sind schnuckelig, aber nicht sehr schnell. Es sei denn, man gibt Georg Memminger einen sechsstelligen Betrag in die Hand. Er verwandelt den betulichen Klassiker in einen echten Wuthocker.

Memminger

Der erste Eindruck: Ein gut erhaltener oder liebevoll restaurierter Käfer.

Tom Grünweg

Das sagt der Hersteller: Ein Auto muss nicht nur gut ausschauen, sondern auch gut fahren, sagt Georg Memminger. Mit dem originalen VW Käfer hat er deswegen so seine Probleme. Maximal 50 PS und ein Spitzentempo von 142 km/h passen in Memmingers Augen nicht mehr in die Zeit. Deshalb hat er Ende der Neunzigerjahre damit angefangen, Käfer nicht nur zu restaurieren, sondern sie Schritt für Schritt neu zu konstruieren und dabei grundlegend zu optimieren. Heute fertigt er in Eigenregie neben neuen Blechen und frisch verchromten Zierteilen auch neue, auf Basis alter VW-Boxer weiterentwickelte Motoren und hält für seine Autos ein paar moderne Annehmlichkeiten wie Servolenkung oder Sitzheizung vor.

Memminger räumt ein, dass er sich damit in der Oldtimer-Szene nicht nur Freunde macht. Aber das ficht ihn nicht an: "Wir diskutieren nicht über Originalität, sondern über Qualität. Bei uns wird nicht repariert oder geflickt, sondern im Zweifel lieber ersetzt", sagt der Käfer-König, der nur ein Ziel hat: "Den besten Käfer der Welt zu bauen."

Und eigentlich können ihm die Fans sogar dankbar sein. Denn die Fahrzeuge, die Memminger als Basis für seine Umbauten nimmt, sind für Sammler ohnehin verloren, sagt er und führt Besucher zum Beweis in eine Halle, in der weit mehr als 100 vom Rost zerfressene oder bei Unfällen zerstörte Wracks auf eine Behandlung warten. "Bis sie zu uns kamen, hatten diese Autos keine Zukunft mehr", sagt Memminger. "Aber wir bringen sie nicht zum Schrott, sondern wieder auf die Straße."

Fotostrecke

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Fotostrecke: VW-Käfer mit 210 PS

Das ist uns aufgefallen: Spartanische Instrumente, ein unerreicht schlichtes Interieur, Lenkstockhebel dünn wie Strohhalme, die Pedale für Schuhgröße 36 schon zu schmal, die Schaltung ungewohnt und ein bisschen hakelig und aus dem Heck das wunderbare Brabbeln eines luftgekühlten Boxers: Auf den ersten Metern ist die Fahrt im Memminger-Käfer tatsächlich eine Zeitreise, die einen sofort in die Wirtschaftswunderjahre zurückkatapultiert.

Doch sobald sich der sentimentale Schleier ein wenig lichtet, sieht man den Urzeit-Beetle mit ganz anderen Augen: Das Leder ohne Falten, das Cockpit ohne Risse, die Sitze solide und der Lack satt - dieser Käfer ist heute besser in Schuss als am Tag seiner Auslieferung. Und vor allem fährt er besser.

Unter der alten Hülle steckt ein modernes Sportfahrwerk mit präziser Lenkung und standfesten Bremsen. Im Heck tobt ein Boxer, wie es ihn selbst beim Käfer-Porsche nicht gegeben hat. Auf bis zu 2,7 Liter bohrt Memminger den so genannten Typ4-Motor auf, den er aus alten US-Beständen importiert hat, und kitzelt damit im besten Fall 210 PS aus dem Käfer. So wird aus dem gemütlichen Krabbler ein Kugelblitz, der wie irre über die Landstraße fliegt. Der Motor steht schon bei 1500 Umdrehungen gut im Futter, lässt sich aber willig hochdrehen und ist, kurz gesagt, eine reine Freude.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Memminger Käfer - mit unserem 360-Grad-Foto:

Und er ist Memmingers größter Stolz und ganz nebenbei offenbar auch noch eine nachhaltige Weiterentwicklung. Das zumindest habe ihm sogar die Kreditanstalt für Wiederaufbau bestätigt, sagt Memminger: "Denn wir haben doppelt so viel Leistung und halb so viel Verbrauch wie das Original. Das war denen ein Förderdarlehen wert", freut sich Memminger.

Weil Oldtimerfahren nicht nur etwas mit Erinnerung, sondern immer auch bisschen mit Entbehrung zu tun hat, will in so einem Käfer zwar kein echtes Klassiker-Feeling aufkommen. Nur wer versucht, bei Memmingers Cabrio-Versionen das Verdeck zu schließen oder die Persenning über die offene Stoffhaube zu ziehen, wähnt sich auf einmal wieder in den Fünfzigerjahren. Denn zumindest das ist noch genauso mühsam wie früher.

Das muss man wissen: Vor 20 Jahren restaurierte Memminger seinen ersten Käfer für den privaten Gebrauch. Die Resonanz war so groß, dass er daraus ein Geschäft gemacht hat. Aus der Werkstatt in Reichertshofen auf halbem Weg zwischen München und Ingolstadt sind seitdem bereits mehr als 250 Buckelporsche der Typenreihen 1302 und 1303 aus den Jahren 1970 bis 1979 zurück auf die Straße gebracht worden. Mittlerweile beschäftigt Memminger dafür zehn Mitarbeiter und fertigt so viele Teile neu, dass vom Spenderfahrzeug meist nicht mehr viel mehr als die die H-Zulassung unerlässlichen Rahmenteile mit der Fahrgestellnummer sowie der Frontrahmen und bei den Cabrio-Varianten ein paar Spriegel des Verdecks übrig bleiben.

Kein Wunder, dass der Umbau sechs bis acht Monate dauert und im günstigsten Fall 95.000 Euro kostet. Im Schnitt gehen die Autos aber für 130.000 bis 150.000 Euro vom Hof und bisweilen stellt er auch mal 175.000 Euro in Rechnung. An Nachfrage herrscht aber offenbar trotzdem kein Mangel. "Die Kunden kommen aus ganz Europa. Wir sind über Monate ausgebucht und haben entsprechend lange Lieferfristen", räumt Memminger zerknirscht ein.

Dass der Kurs des Käfers bei Oldtimer-Fans steigt, merkt Memminger auch im Einkauf. Mittlerweile wird der Nachschub knapp und selbst für Wracks wie er sie braucht, muss er fast fünfstellige Preise bezahlen, wo früher noch eine Kiste Bier als Tausch gereicht hat. Doch seine Halle ist so gut gefüllt, dass auch der Sohn des 67-Jährigen damit noch gut über die Runden kommen wird - und der ist erst 32.

Das werden wir nicht vergessen: Das erst verdutze und dann verbissene Gesicht des Dreier-Fahrers im Rückspiegel, der vergeblich versuchte hat, am Käfer dran zu bleiben. Auch das ist etwas, das Käfer-Fahrer eigentlich nicht kennen. Und trotzdem möchte man es nicht mehr missen.

Fahrzeugschein
Hersteller: VW/Memminger
Typ: Käfer
Karosserie: Cabrio
Motor: Vierzylinder-Boxermotor
Getriebe: Viergang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.715 ccm
Leistung: 168 PS (124 kW)
Höchstgeschw.: 210 km/h
Kraftstoff: Super
Gewicht: 930 kg
Maße: 4140/1585/1460
Preis: 95.000 EUR
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Seite 1
kindacool 01.09.2017
1. Im Ernst ?
"Mittlerweile beschäftigt Memminger dafür zehn Mitarbeiter und fertigt so viele Teile neu, dass vom Spenderfahrzeug meist nicht mehr viel mehr als die die H-Zulassung unerlässlichen Rahmenteile mit der Fahrgestellnummer sowie der Frontrahmen und bei den Cabrio-Varianten ein paar Spriegel des Verdecks übrig bleiben." Wenn all die genannten Verbesserungen ins Fahrzeug einfließen, ist eine Zulassung mit H-Kennzeichen nach aktueller Rechtslage eigentlich ausgeschlossen. Servolenkung z.B. gab es für den Käfer nie und bei Einbau selbiger muß der TÜV gemäß den Anforderungen, die zur Zuteilung eines H-Kennzeichens gelten, eine entsprechende Einstufung des Fahrzeugs verweigern. Oder wie läuft das in diesen Fällen ?
mazzmazz 01.09.2017
2. Nett
Ähnlich den Chamonix-Spidern ist das ein neues Auto. Im Falle des Käfers halt noch mit einer alten Rahmennummer. Man kokettiert mti der alten, symphatischen Optik, aber das war´s dann auch schon mti "Oldtimer". Wer für ein solches Auto 100.000 Eur oder mehr bezahlt, muss schon ein echter Fan sein. Für dieses Geld bekommt man einen erstklasig restaurierten Mercedes 450 SL 5.0 mit einem richtigen Motor, höchster Qualität, bestem Komfort und einer Lebenserwartung von weiteren 500.000 Km bis zur nächsten Überholung. Sogar einen tip-top hergerichteten 911 Carrera 3.2 mit G50 kann man für dieses Geld erwerben. Was soll man da mit einem Käfer??
novoma 01.09.2017
3. Sinn?
Welchen Sinn hat ein Käfer-Cabrio mit 168PS? Mehr als schnell Geradeausfahren geht damit doch sowieso nicht, da sei das Käferfahrwerk vor. Oder ist das Fahrwerk ein komplett anderes, und es ist nur die Karosserie noch original? Dann kann man allerdings froh sein, dass nur ein wenig seltenes 1303-Cabrio verbastelt wurde, und kein früheres Modell.
et4711 01.09.2017
4. Für ein Käfer?
Wer gibt soviel Geld aus für solch eine Büchse? Die Kisten waren nie alltagstauglich ständig Probleme u Werkstätten sind zudoof sowas zu reparieren. Der Lacher ist immer bei solch VW Treffen wie sie ihre Gurken bewundern u nur Kohle reinhaun aber keiner gibt zu das sie nix taugen. Hab selbst zwei VWs gehabt. Also ehrlich ,da ist jeder Japaner um Welten zuverlässiger als diese Marke v Made in Germany hahahaha. Heutige Modelle auch wieder. Ständig hört man DSG,Steuerkette,Softwareprobleme u dieser ganze Kleinkram. Warum wird darüber nichtmal ehrlich berichtet. Geht alles ein bisschen durch den Dieselskandal unter. Wer war nur gleich der Verursacher davon??? Lacher echt....
zerr-spiegel 01.09.2017
5. Gab's früher schon
Findige Bastler haben schon in den 1970er Jahren Posche-Motoren in den Käfer gebaut. Dazu brauchte es keine 6-stelligen Beträge, den Kram gabs billig auf dem Schrottplatz, wenn mal wieder einer seinen 911 gegen einen Baum gefahren hatte.
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