Autogramm Mercedes A-Klasse Die Revolution rollt

Die nächste Generation der A-Klasse hört aufs Wort - dank eines innovativen Bedienkonzeptes. Nicht mehr Motoren oder Fahrwerksabstimmungen definieren den Fortschritt in einem Mercedes, sondern die Software.

Daimler

Der erste Eindruck: Linientreu! Mit Haifischnase und stark modellierten Flächen ohne Sicken und Kanten fügt sich die neue A-Klasse nahtlos in die aktuelle Mercedes-Optik ein.

Das sagt der Hersteller: Die neue, vierte Generation der A-Klasse sei nun der Maßstab in der Kompaktklasse, sagt Mercedes-Vertriebschefin Britta Seeger - VW behauptet das seit Jahrzehnten vom Golf. Am neuen Mercedes-Einstiegsmodell müssten sich Autos wie der Audi A3, der BMW 1er oder eben der VW Golf messen lassen, aber auch die anderen Mercedes-Modelle. Das, was die A-Klasse ausmacht, ist vor allem das neue Bedienkonzept MBUX. Selbst E- oder S-Klasse lässt die neue Technologie geradezu alt aussehen. Die Mercedes-Verantwortlichen wissen um dieses Risiko, nehmen es aber in Kauf. Sie sprechen von einer "Revolution von unten", bei der die übliche Strategie - neue Technologien werden zunächst in den großen und erst später in den kleineren Modellen eingeführt - auf den Kopf gestellt wird. Der Anspruch, ein "Smartphone auf Rädern" zu bauen, passe besser zu einem Auto mit jüngeren Kunden als zu solchen mit eher reiferer Klientel.

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Das ist uns aufgefallen: Solange man die neue A-Klasse von außen sieht, hält man die Aussagen von Seeger für das übliche Marketing-Blabla. Denn außer, dass die A-Klasse nun eine Haifischnase wie der CLS trägt und beim Generationswechsel um zwölf Zentimeter länger geworden ist (4,42 Meter), hält sich der Neuigkeitswert in Grenzen. Erst wenn man einsteigt und den Startknopf drückt, erwacht eine nahezu freistehende Bildschirmlandschaft zum Leben, befeuert von den angeblich leistungsstärksten Grafik-Chips der PS-Branche. Eingebettet sind die Monitore in ein Cockpit, das sich mit verspielten Details wie je nach Temperatur unterschiedlich beleuchteten Lüfterdüsen, Ambientebeleuchtung, Head-up-Display ohne Plexiglas-Klappe und einer sorgfältigen Materialauswahl deutlich von der Massenware in der Kompaktklasse absetzt.

Wer das System in jeder beliebigen Situation mit "Hallo Mercedes" anspricht, muss keinen Knopf mehr drücken und keinen Befehl mehr lernen. Man sagt einfach, was man möchte, und wundert sich, dass das Auto den Wunsch erfüllt - egal, ob ein Fenster geöffnet, die Musik lauter gedreht oder ein Navigationsziel herausgesucht werden soll. Noch nie war die Bedienung so einfach und kein anderer Hersteller ist bislang näher an die Idee von Siri, Alexa & Co. gekommen.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Was eigentlich den Fahrer entlasten und seine Aufmerksamkeit auf die Straße lenken soll, ist zumindest anfangs so fesselnd, dass man den Blick kaum von den Bildschirmen abwenden kann. Spätestens wenn das Navigationssystem live aufgenommene Kamerabilder, Karten und Fahrhinweise zu einer gemeinsamen Ansicht komponiert, fühlt man sich wie Captain Future. Fahren wird da irgendwie zur Nebensache.

Dass die A-Klasse auch neue Motoren und ein gründlich weiterentwickeltes Fahrwerk erhalten hat, merkt man ohnehin kaum. Nachdem die Schwaben schon beim letzten Facelift mit dem Irrglauben aufgeräumt haben, dass Härte automatisch als sportlich und damit als jugendlich empfunden wird, rollt auch die neue Generation sanft über die Straße.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum der Mercedes A-Klasse - mit unserem 360-Grad-Foto:

Dass man vom neuen Motor nichts merkt, ist durchaus als Kompliment zu verstehen. Schließlich arbeitet der 1,3-Liter-Vierzylinder-Benziner des Testwagens mit einer Zylinderabschaltung, sodass der Normverbrauch auf 5,2 Liter sinkt. Nur wenn man kräftig aufs Gaspedal tritt, mobilisiert die Maschine die vollen 163 PS Leistung und bis zu 250 Nm Drehmoment. Passagiere dürften goutieren, dass man jetzt hinten leichter einsteigen und etwas besser sitzen kann. Und der Kofferraum ist mit nun 370 statt zuvor 341 Litern Volumen auch einigermaßen urlaubstauglich.

Das muss man wissen: Die neue A-Klasse geht ab Mai in den Handel und kostet zunächst 30.232 Euro. Das ist happig und liegt vor allem an der anfangs reduzierten Motorenauswahl. Neben dem A200 mit dem hier vorgestellten 1,3-Liter-Vierzylinder gibt es zunächst nur den A250 mit 224 PS starken 2,0-Liter-Motor (36.462 Euro). Der einzige Diesel kostet ab 31.398 Euro und ist als A180d mit 1,5 Liter Hubraum und 116 PS ausgestattet. Der Normverbrauch beträgt 4,1 Liter. Bei dem Angebot soll es nicht bleiben. Es wird stärkere und schwächere Motoren geben, Modelle mit Allradantrieb und natürlich auch wieder eine AMG-Variante.

Mercedes will die Modellfamilie auf sieben Varianten ausbauen. Dazu zählen neben B-Klasse, GLA und CLA auch eine kleine Limousine, die es für den chinesischen Markt auch mit langem Radstand geben wird.

Das werden wir nicht vergessen: Die erfolglose Suche nach einem konventionellen USB-Anschluss zum Laden des Handys. Die A-Klasse verfügt ausschließlich über USB-C-Buchsen. Die kleinen Stecker gelten zwar als der kommende Standard, sind heute aber noch ziemlich unbrauchbar. Für den Anschluss an die Zukunft brauchen A-Klasse-Fahrer deshalb einen Adapter.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: A 200
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.333 ccm
Leistung: 163 PS (120 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 8,0 s
Höchstgeschw.: 225 km/h
Verbrauch (ECE): 5,2 Liter
CO2-Ausstoß: 120 g/km
Kofferraum: 370 Liter
umgebaut: 1.210 Liter
Gewicht: 1.375 kg
Maße: 4419 / 1796 / 1440
Preis: 30.232 EUR
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insgesamt 90 Beiträge
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Seite 1
chrismuc2011 18.04.2018
1.
Ich frage mich immer, wozu diese freistehenden Bildschirme gut sein sollen. Sie sehen weder gut aus, noch sind sie praktisch. Wie hat man es sich eigentlich gedacht, wie man hinter den Bildschirmen den Dreck und Staub wegbekommt? Und wenn ich mir das Armaturenbrett betrachte, die Düsen sind optisch sehr aufdringlich und BlingBling, man hat außerdem verpasst, da eine schöne Ablage rechts vom Bildschirm zu schaffen wie weiland im Panda1. Und wenn schon so ein freistehender Bildschirm, dann sollte der rechte Teil verschiebbar sein in Richtung Beifahrer, der sich dann um die Hotelbuchung, ein Restaurant in der Nähe kümmern könnte oder seine Langeweile mit einem Spielfilm bekämpfen könnte.
5b- 18.04.2018
2. Usb-c
Man sollte es tunlichst vermeiden, zu behaupten USB-C sei heute unbrauchbar. Besonders wenn man gleich danach erwähnt, dass es Adapter gibt. Wenn es Adapter gibt, kann man nicht sagen, dass der Anschluss nicht passt. Das gilt besonders in diesem Fall bei dem man den Adapter am Anschluss belassen kann. Man kann Mercedes nur loben, jetzt schon USB-C verbaut zu haben. So werden in Zukunft die Adapter gespart.
TheFunk 18.04.2018
3. Die 2. Generation A-Klasse war ein tolles Auto
Ein großartiges Ingenieursauto. Außen kompakt, innen groß. Perfekt für die Stadt, dennoch Autobahn geeignet. Die neue Generation A-Klasse sieht gefällig aus und wird sicher ein großartiges Auto sein, ist aber nichts besonders. Halt ein Golf von Mercedes-Benz.
redneck 18.04.2018
4.
Droese und unuebersichtliche Kiste mit grausligem Interieur und die Software und Hardware ist mindestens 4 Jahre alt und Doppelspurig zu meinem Handy..nur viel schlechter. Das Fahrwerk ist immer noch gezogene Starrachse mit McPherson Vorderachse. Da ist nichts gut gefedert sondern nur unterdaempft und elektronisch abgeriegelt. Wer solchen Mist fuer 35000 Euro kauft ist selber schuld. Alternativen gibt in dieser Klasse. Mein Tesla 3. Niedriger Schwerpunkt, die Masse ist zentral, grosser Kofferraum und viel Platz vorne und hinten und er faehrt von alleine. Der Bnez ist Steinzeit.
dirk1962 18.04.2018
5. Nichts für jeden
Wer sich keinen nervigen Lautsprecher ins Wohnzimmer stellt, der will auch mit seinem Auto nicht reden. Für mich persönlich ist das jetzt weder Innovation, noch Fortschritt. Und die im Artikel angesprochenen jungen Leute werden sich ein Auto in dieser Preisklasse nur vereinzelt leisten können. Sollte Mercedes dieses Konzept auch in höheren Fahrzeugklassen umsetzen, dann werden vermutlich mehr Kunden abgeschreckt, als neu gewonnen.
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