Mercedes C-Klasse Das Auto, das Rempler verpetzt

Nach vier Jahren Laufzeit gönnt Mercedes der C-Klasse eine Überarbeitung. Mehr als die Hälfte aller Bauteile wurden verändert. Aber die größte Innovation kommt hoffentlich nie zum Einsatz.

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Der erste Eindruck: Schmucker Augenaufschlag! Es sind vor allem die neuen Multibeam-LED-Scheinwerfer, die das überarbeitete Design der Mercedes C-Klasse ausmachen.

Das sagt der Hersteller: Das meistverkaufte Auto der Marke, die größte Modellfamilie und die heterogenste Kundschaft - wenn Mercedes-Produktmanager Michael Hartmann über die C-Klasse spricht, spart er nicht an Superlativen. Das gilt auch für die Modellpflege, die der Baureihe jetzt, nach vier Jahren Laufzeit des aktuellen Modells, zuteilwird. Denn die sei die bislang größte in der Geschichte, erläutert Hartmann. Die Fahrzeugreihe startete 1982 mit dem "Baby-Benz". Zur Begründung führt er zwei Zahlen an. Von den rund 11.500 Bauteilen des Autos seien rund 6500 geändert oder ausgetauscht worden, so der Produktmanager. Er spricht deshalb vollmundig von der "neuen C-Klasse".

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Das ist uns aufgefallen: So viel die Entwickler an der C-Klasse auch geändert haben, der Wagen bleibt ein vertrautes Auto - und zwar im besten Sinne. Die meisten Neuerungen sind nämlich nur kosmetisch oder erschließen sich erst mit der Zeit. Andere Neuerungen setzt Mercedes bereits in der E- oder der S-Klasse ein.

Dazu gehört beispielsweise das neue Lenkrad mit den Blackberry-Tasten, mit denen man fast alle Funktionen des Infotainmentsystems steuern kann. Auch die Massagesitze und die sogenannten Energizing-Funktionen, für die Mercedes Klimasteuerung, Ambientelicht, Musikberieselung und Sitzmassage zu verschiedenen Wellnessprogrammen kombiniert hat, kommen aus der Oberklasse. Ebenfalls aus der S-Klasse stammt das Intelligent Drive - eine Funktion, die Assistenzsysteme bündelt und mit den Navigationsdaten verknüpft. So wird der Fahrer zeitweise zum Nebendarsteller, der eigentlich nur noch pro forma ins Lenkrad greifen muss.

Wo Mercedes nicht direkt ins Regal der großen Baureihen greifen konnte, wurde die verfügbare Technik zumindest adaptiert. So prangt jetzt auch hinter dem Lenkrad der C-Klasse ein digitales Kombiinstrument, das allerdings als Solitär verbaut ist und nicht mit dem großen Bildschirm auf der Armaturentafel verschmilzt. Die Sprachsteuerung lässt sich jetzt auch zum Öffnen der Fenster oder zum Bedienen der Klimaanlage nutzen.

Was sich überhaupt nicht verändert hat, sind Fahrgefühl und Fahrverhalten der C-Klasse. Ja, auch das Fahrwerk haben die Ingenieure noch einmal feingetunt, doch grundlegend verändert wurde es nicht. Die C-Klasse bleibt die gemütliche Alternative unter den Premiumangeboten in dieser Klasse. Und das größte Kompliment für den hier getesteten C 300 ist, dass man ihm den neuen Motor nicht anmerkt. Schließlich sitzt ein vergleichsweise mickriger 2-Liter-Vierzylinder unter der Haube, der die Limousine jedoch überraschend mühelos und leichtfüßig bewegt. Aber bei 258 PS Leistung und 370 Nm Drehmoment ist das eigentlich auch kein Wunder. Schon eher erstaunt es, dass der Turbobenziner je nach Fahrstil angenehm leise und zurückhaltend oder kräftig und knurrig, aber nie über Gebühr angestrengt klingt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes der C-Klasse - mit unserem 360-Grad-Foto:

Die vielleicht größte Innovation der C-Klasse hat mit dem Fahren gar nichts zu tun und bleibt ohnehin idealerweise ungenutzt. Denn als erster Mercedes bekommt das Auto eine Art Alarmanlage gegen Parkrempler. Die Bewegungsmelder bleiben nämlich auch beim abgestellten Auto aktiv und registrieren sofort, wenn der Wagen auch nur leicht touchiert wird. Damit der Besitzer das möglichst schnell erfährt, geht ein Alarm auf die "Mercedes Me"-App des Smartphones. Technisch könnte mithilfe der Umfeldkameras sogar das Kennzeichen des Unfallgegners erfasst und damit der Halter des Unfallwagens ermittelt werden; Fahrerflucht zwecklos sozusagen. Jedoch laufe dazu noch die juristische Prüfung, heißt es bei Mercedes.

Das muss man wissen: Die überarbeitete C-Klasse kommt ab Juli in den Handel und wird auch weiterhin in vier Karosserieversionen angeboten - als Limousine für mindestens 35.034 Euro, als Kombi namens T-Modell für 36.700 Euro aufwärts, als Coupé (ab 40.466 Euro) oder als Cabrio (ab 48.070 Euro).

Insgesamt gibt es zwei Benziner-Premieren in der C-Klasse. Außer der getesteten C-Klasse 300 gibt es noch den C 200 mit einem 1,5 Liter-Motor und 184 PS Leistung. Was das Aggregat interessant macht, ist ein mit 48 Volt angetriebener Riemenstarter, der als elektrischer Unterstützer fungiert und den Antrieb zum Mildhybrid macht (Durchschnittsverbrauch 6,0 Liter). Auch bei den Dieselmotoren gibt es Nachschub. Dort hält ein neuer Vierzylinder mit 1,6 oder 2,0 Liter Hubraum Einzug, der in den Leistungsstufen 122, 150 oder 194 PS angeboten wird. Und ja, AMG darf bei den Neuheiten ebenfalls mitmachen und dem C 43 eine Kraftspritze spendieren; denn der V6-Motor kommt nun auf 390 statt bislang 367 PS.

Das werden wir nicht vergessen: Den großen Bildschirm, der jetzt frei über der Armaturentafel thront. Der sieht zwar gut aus, ist aber trotzdem eine Enttäuschung. Denn anders als in der kleineren und billigeren A-Klasse ist dieser, trotz des großen Infotainment-Updates, noch immer kein Touchscreen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: C 300
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 1.991 ccm
Leistung: 258 PS (190 kW)
Drehmoment: 370 Nm
Von 0 auf 100: 5,9 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 6,5 Liter
CO2-Ausstoß: 148 g/km
Kofferraum: 480 Liter
Gewicht: 1.555 kg
Maße: 4686 / 1810 / 1442
Preis: 43.982 EUR
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insgesamt 127 Beiträge
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ka.lauer 05.07.2018
1. Wellness
Zitat: "Auch die Massagesitze und die sogenannten Energizing-Funktionen, für die Mercedes Klimasteuerung, Ambientelicht, Musikberieselung und Sitzmassage zu verschiedenen Wellnessprogrammen kombiniert hat, kommen aus der Oberklasse." Hat der Wagen eigentlich endlich eine Saunafunktion? - Idealerweise per Mercedes-Me App steuerbar, damit ich dann sofort in die auf 95° aufgeheizte Wellnessoase steigen und ganz entspannt am Ziel ankommen kann? - Dampfbad wird nicht gehen wegen der angelaufenen Scheiben?
kalsu 05.07.2018
2. Das ist mit Abstand...
... das hässlichste Amaturenbrett, das jemals gebaut wurde.
Lobhudel 05.07.2018
3. Schöne neue Welt...
Wenn ich in meinem H-Opel eine Handy-Taste drücke, um einen Anruf entgegen zu nehmen, bekomme ich Punkte. Hier lobt der Autor das zur Multifunktions-Tastatur mutierte Lenkrad, um gleich noch zu nörgeln, dass man während Fahrt nicht auch noch auf dem Armaturenbrett herumtatschen - sorry touchen - kann.
Prokrastes 05.07.2018
4. Fragwürdige Logik
Was ist daran entäuschend, wenn eine schwachsinnige und gefährliche Entwicklung NICHT mitgemacht wird? Die Entscheidung, keinen Touchscreen zu verbauen, ist zwingend richtig; im Auto ist ein Touchscreen absolut fehl am Platz.
go2dive 05.07.2018
5. Warum?
Warum heißt das Modell mit 2 Liter Hubraum C 300? Früher ergaben die Bezeichnungen noch Sinn und man konnte ihnen eine Information entnehmen.
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