Autogramm Mercedes CLA 220 CDI Jetzt wird's schnittig

Ziemlich widersprüchlich, was Mercedes da mit dem CLA plant: Die Schwaben bauen eine Limousine, die keine sein will und hoffen auf Kunden, die bislang keinen Mercedes wollten. Der Wagen soll ein Rebell sein, aber vor allem wenig Widerstand leisten. Noch Fragen? Eine Testfahrt liefert Antworten.

Daimler

Der erste Eindruck: Auf den ersten Blick wirkt der neue CLA auf Basis der A-Klasse wie ein kleiner Bruder des CLS. Ausdrucksstarke Scheinwerfer, "Powerdomes" auf der Haube, die rahmenlosen Türen an der Flanke und das fließende Heck mit den riesigen Rückleuchten machen den Viertürer zum Blickfang, den erst der Zollstock entlarvt: Mit 4,63 Metern ist er gute 30 Zentimeter kürzer als sein großer Bruder und sieht schon neben einer C-Klasse verdächtig klein und ein bisschen verspielt aus.

Das sagt der Hersteller: Designchef Gordon Wagener spricht vom Stil-Rebellen und Projektleiter Hans Engel legt dem CLA eine mutige Botschaft in den Mund: "Ich bin ein echter Mercedes. Aber anders, als ihr ihn bisher kanntet." Solche großen Töne sind offenbar nötig, wenn man vor allem neue Kunden ansprechen muss. Denn natürlich will Mercedes nicht beim CLS und schon gar nicht bei der C-Klasse räubern. "Wir wollen mit diesem Auto auf die Shopping-Liste von Menschen, die Mercedes bislang nicht auf dem Zettel hatten."

In Amerika und Asien geht das vor allem über den Preis. In Europa dagegen muss es über das Design und das Image klappen und der Stern so vom Spießertum befreit werden: "In einem Segment, das sonst vor allem von Anpassung und Konventionen geprägt ist, wollen wir mit unserem Nonkonformisten für frischen Wind sorgen", schiebt Engel deshalb noch einmal nach.

Das ist uns aufgefallen: dass sich auch die kleinste Limousine von Mercedes so fährt wie eine große. Der CLA mag verwegen aussehen, auf der Straße wirkt der Jungspund genauso souverän und gelassen wie die Viertürer der C- und E-Klasse. Die 350 Nm des angenehm kräftigen Diesels im CLA 220 CDI bringen die Vorderräder ordentlich auf die Straße, in der Lenkung ist vom Antrieb nichts zu spüren, und man muss es auf den kurvigen Bergstraßen bei der ersten Testfahrt schon ziemlich wüst treiben, damit ein zartes Untersteuern den Fronttriebler verrät. Wem selbst das zu heikel ist, für den hat Mercedes einen Kompromiss in petto: Zumindest die stärkeren Modelle gibt es auf Wunsch mit Allradantrieb.

Er fährt wie ein ausgewachsenes Auto und in der ersten Reihe sehnt sich niemand nach einer C- oder E-Klasse. Doch hinten wird es im CLA dann schon ein bisschen enger. Für Kinder ist die Rückbank in Ordnung und der Kofferraum bietet mit 470 Litern viel mehr Platz als die A-Klasse (341 Liter). Für Erwachsene taugt der CLA angesichts der eher knappen Kopf- und Kniefreiheit dagegen allenfalls auf kurzen Strecken. Aber immerhin: Wo der Fond der A-Klasse eine dunkle Höhle ist, geht es im CLA lichter und luftiger zu.

Auch sonst haben die Schwaben offenbar aus der Kritik an der A-Klasse gelernt und das Fahrwerk spürbar sanfter abgestimmt: Während der Baby-Benz ein echter Knochenschüttler ist, schwingt der CLA weich über Bodenwellen und Querfugen.

Das muss man wissen: Der CLA fußt wie A- und B-Klasse auf der neuen Frontantriebsarchitektur von Mercedes und wird so zum Teil einer großen Familie. Denn noch in diesem Jahr entsteht aus diesem Baukasten auch ein kleiner Geländewagen mit dem Projektcode GLA, und 2014 soll es analog zum CLS auch einen CLA Shooting Break geben.

In den Handel kommt der CLA im April zu Preisen ab 28.977 Euro. Damit ist er rund 5000 Euro teurer als eine vergleichbare A-Klasse, bleibt aber 4000 Euro unter der C-Klasse.

Zum Start gibt es drei Benzin- und zwei Dieselmotoren, die eine Leistungsspanne von 122 bis 211 PS abdecken. Mit dem schnellsten CLA sind dabei 240 km/h möglich, der sparsamste ist bei den Dieseln mit 4,2 Litern und bei den Benzinern mit 5,0 zufrieden. Genau wie bei der A-Klasse hat Werkstuner AMG ebenfalls schon seine Finger nach der Limousine ausgestreckt und plant einen CLA 45 mit 360 PS, Doppelkupplungsgetriebe und obligatorischem Allradantrieb.

Aus dem Regal von A- und B-Klasse stammen neben den Motoren auch die meisten Ausstattungsoptionen. Das gilt für die Assistenzsysteme vom Schutz gegen Auffahrunfälle bis zum Müdigkeitswarner genauso wie für das Infotainment-Programm mit eingebauter Internetverbindung, Facebook-Integration oder Siri-Bedienung.

Dank einer ausgefeilten Coupé-Linie, einem fast vollständig verkleideten Unterboden und Finessen aus dem Windkanal hat der CLA mit einem cw-Wert von 0,22 den geringsten Luftwiderstand aller Serienfahrzeuge. Die extreme Windschnittigkeit ist laut Teddy Woll, Leiter der Aerodynamik-Abteilung bei Mercedes, mit ein Verdienst des Frontantriebs. Denn wo man keine Kardanwelle zur Hinterachse braucht, kann der Heckdiffusor früher beginnen. Und wenn die Antriebslast auf der Vorderachse ruht, lässt sich die Spurweite hinten ein wenig einziehen. Diese Details erlauben eine Heckform, an der die Luft den Wagen oben und unten, links und rechts mit dem gleichen Tempo umströmt. Spritraubende Wirbelschleppen werden somit vermieden, "der Luftstrom wirbelt symmetrisch und sieht aus eine ein riesiger Donut", sagt Woll.

Das werden wir nicht vergessen: Wie leise es im CLA zugeht, weil er dem Wind so wenig Angriffsfläche bietet und man deshalb bis weit jenseits von 100 km/h kaum etwas vom üblichen Rauschen hört. Und wie laut aus diesem Grund plötzlich der Diesel klingt. In A- und B-Klasse ein harmonischer Leisetreter, nagelt sich der Vierzylinder in der gedämpften Atmosphäre des CLA deutlich in den Vordergrund.



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Seite 1
cabeza_cuadrada 07.03.2013
1. also für mich,
sieht die Kiste von vorn aus wie ein Volvo S60. Und den würde ich auch lieber fahren. Nur meine Meinung.....
e-ding 07.03.2013
2. Fwd?
Zitat von sysopDaimlerZiemlich widersprüchlich, was Mercedes da mit dem CLA plant: Die Schwaben bauen eine Limousine, die keine sein will und hoffen auf Kunden, die bislang keinen Mercedes wollten. Der Wagen soll ein Rebell sein, aber vor allem wenig Widerstand leisten. Noch Fragen? Eine Testfahrt liefert Antworten. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/mercedes-cla-220-cdi-ausfahrt-im-baby-benz-a-887244.html
Sieht ja ganz nett aus aber eine Frontantriebsschlurre, die mit Durchschnittsmotor und ein wenig Ausstattung schnell 45k€ kostet!? Nö!
echo0815 07.03.2013
3. Stimmiges Design mit Mercedes-typischer
hoher Preisgestaltung. Für die in der Regel besser betuchten und meist schon etwas älteren Kunden wird die Frage aber wohl lauten: Welcher ist praktischer und übersichtlicher: C-Klasse oder CLA ?
truereader 07.03.2013
4.
Zitat von sysopDaimlerZiemlich widersprüchlich, was Mercedes da mit dem CLA plant: Die Schwaben bauen eine Limousine, die keine sein will und hoffen auf Kunden, die bislang keinen Mercedes wollten. Der Wagen soll ein Rebell sein, aber vor allem wenig Widerstand leisten. Noch Fragen? Eine Testfahrt liefert Antworten. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/mercedes-cla-220-cdi-ausfahrt-im-baby-benz-a-887244.html
oha, was fr ein Preis für das Basismodell. Wahnsinn. Nicht viel Auto fürs Geld. Aber wer auf dicke Hose machen will, kann es damit sicherlich anfangen.
zensorsliebling 07.03.2013
5. MFA heißt das Konzept...
Zitat von e-dingSieht ja ganz nett aus aber eine Frontantriebsschlurre, die mit Durchschnittsmotor und ein wenig Ausstattung schnell 45k€ kostet!? Nö!
[QUOTE=e-ding;12184125]>>Fwd?
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