Autogramm Mercedes CLS Schöne Grüße aus der S-Klasse

Die Mercedes E-Klasse ist die Business-Limousine schlechthin, als CLS-Variante macht sich das steife Auto locker. Mit neuen Motoren und Technik aus der S-Klasse festigt der Wagen sein Genießer-Image. Nur die Schnauze passt nicht dazu.

Mercedes

Der erste Eindruck: Was für eine Linie!

Das sagt der Hersteller: Baureihenleiter Michael Kelz rühmt die CLS-Modellreihe als die erste ihrer Art. Als die Schwaben die Baureihe 2004 lancierten, gab es die Kreuzung aus Limousine und Coupé so nirgends. Das sei heute anders, räumt Kelz ein: "In 14 Jahren und zwei Generationen haben wir nicht nur 375.000 CLS-Modelle verkauft, sondern auch ein paar Wettbewerber inspiriert." Deshalb muss Mercedes jetzt nachlegen, um Fahrzeugen wie dem BMW 6er Gran Coupé oder dem neuen Audi A7 Paroli zu bieten. Kelz sagt, der neue CLS habe alles an Bord, um diese Erfolgsstory fortzusetzen. Neben der neuen Designsprache gibt es für das neue Modell vor allem viel Hightech aus der Mercedes S-Klasse.

Das ist uns aufgefallen: Mercedes-Designchef Gorden Wagener hat beim CLS die Philosophie von der sinnlichen Klarheit auf die Spitze getrieben. Im Prinzip gibt es nur eine Linie, die den CLS charakterisiert, und diese schnörkellose Schönheit steht dem Wagen ausgesprochen gut. Nur die Haifischnase will nicht passen, weil sie zu sehr nach Ford Mustang aussieht.

Denn mit einer Krawallbude hat der CLS nicht das Geringste zu tun. Egal, ob man mit einem Vierzylinder unterwegs ist oder mit einem der neuen Reihensechszylindermotoren, geht es im CLS viel ruhiger zu als in einer normalen Limousine. Und das, obwohl die Seitenscheiben keinen Rahmen haben. Das passt gut zu einem Auto, das mehr als jede andere Variante der E-Klasse auf ein sinnliches Erlebnis setzt und dafür tief in die Trickkiste greift.

Das beginnt bei den neuen, bequemeren Sitzen, führt über das stärker geschwungene Armaturenbrett und ist bei den Lüfterdüsen noch nicht zu Ende, die passend zur eingestellten Temperatur mal rot oder blau leuchten.

Auch das Fahrverhalten ist entspannter. Man sitzt tiefer als in der E-Klasse, hat das Lenkrad besser im Griff und fühlt sich viel eher eins mit dem Auto. Man surft ganz locker über die Landstraße und freut sich, dass eine der drei Fahrwerkskonfigurationen auf Luftfederung setzt. Ja, auch der CLS ist natürlich eine E-Klasse, aber statt im steifen Anzug kommt er im bequemen Designerzwirn daher.

Der CLS ist als klassischer Gran Turismo ein Fahrerauto, doch anders als das Coupé der E-Klasse ist er nicht ganz so egoistisch entwickelt. Es gibt vier Türen und in der neuen Generation ein paar Millimeter mehr Beinfreiheit im Fond. Auf Wunsch bietet Mercedes sogar erstmals eine Dreierbank im Fond an, doch so bequem ist der Fond nun auch wieder nicht. Auch eine Anhängerkupplung hätte man beim CLS nicht als Neuheit erwartet - zumal der Kofferraum 520 Liter fasst.

Das muss man wissen: Beim Generationswechsel für den CLS hat Baureihenleiter Kelz tief in das Teileregal der S-Klasse gegriffen. Von dort hat er Details wie das neue Lenkrad und den jüngsten Softwarestand für die Assistenzsysteme entnommen und vor allem eine neue Generation von Motoren.

Die Achtzylinder-Aggregate sind passé. Stattdessen gibt es neue Reihensechszylinder mit 48-Volt-Technik und Startergenerator. (Eine ausführliche Erklärung der 48-Volt-Technologie finden Sie hier.) Bemerkenswert ist der Vierzylinder für den CLS 350, ein intern M264 genannter Benziner mit zwei Liter Hubraum und ebenfalls 48-Volt-System, der erstmals zum Einsatz kommt. Der vergleichsweise kleine, mit Auspufftuning aber durchaus hörbar gebürstete Motor mit 300 PS Leistung und 400 Nm Drehmoment passt erstaunlich gut zu dem großen Auto.

Das liegt vor allem am neuartigen Anlasser, der eben nicht nur den Motor startet, sondern beim Beschleunigen zugleich kräftig anschiebt. Zwar leistet die E-Maschine nur 20 PS, wirkt aber mit 250 Nm wie ein Booster und gibt dem CLS so den letzten Kick. Das merkt man beim Anfahren und man merkt es in engen, schnellen Kurven, wenn eben nur vier statt sechs Zylinder - und damit zwei Zentner weniger - auf der Vorderachse lasten.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes CLS - mit unserem 360-Grad-Foto:

Die neue Technik steigert nicht nur den Spaß, sondern hilft auch beim Sparen. Weil der Anlasser mehr Kraft hat und der Neustart des Motors geschmeidiger verläuft, schaltet die Elektronik das Triebwerk öfter und früher ab und wirft es später wieder an. Und besser rekuperieren kann der Riemenstarter auch. Der größte Gewinn liegt allerdings im Komfort. Denn das System funktioniert so unmerklich, dass man die Start-Stopp-Automatik nicht gleich wieder ausschalten möchte.

Allerdings wird es diesen Motor erst in ein paar Monaten geben. Der CLS ist seit dem 17. März im Handel. Er ist mit drei jeweils drei Liter großen Sechszylindern gestartet - als CLS 300d mit 286 PS, als CLS 400d mit Allradantrieb, Neungangautomatik und 340 PS und als CLS 450 mit 367 Verbrenner- und 22 elektrischen PS. Die Preise beginnen bei 68.128 Euro und liegen damit rund 10.000 Euro über einer vergleichbaren Limousine. Wenn im Sommer der CLS 350 folgt, sollte es bei knapp 60.000 Euro losgehen.

Auch nach oben ist noch Luft - und AMG steht schon mit einem CLS 53 bereit. Der Mercedes-Tuner nutzt die 48 Volttechnik nicht wie beim 400er und 350er für den Startergenerator, sondern installiert zum normalen Turbo auch noch einen elektrischen Verdichter für ein schnelleres Ansprechverhalten. Das wirkt: Das Top-Modell mit 435+22 PS und 520 Nm beschleunigt in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 und bekommt Auslauf bis 270 km/h.

Damit ist dann allerdings auch Schluss. Denn einen CLS 63 mit V8 wird es nicht mehr geben. Genauso wenig wie den bisherigen Kombi Shooting Break. Beide Derivate sollen im viertürigen GT aufgehen, den AMG als eigenständiges Modell in Genf enthüllt hat.

Das werden wir nicht vergessen: Die neuen Energizing-Programme mit dem sorgsam komponierten Zusammenspiel von Klima, Beleuchtung, Musik und Massage, die der CLS aus der S-Klasse übernommen hat. Nicht, weil ein Auto eine Wellnessoase sein sollte, und auch nicht, weil man vom Auto gezeigt bekommen möchte, wie man die Muskeln lockert. Doch sanfte Musik, warme Wellen die durch den Rücken fließen, ein kalter Hauch im Gesicht und dazu bunte Lichtspiele im Cockpit - irgendwie passt das perfekt zu dieser entspannten Variante der E-Klasse.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: CLS 400d
Karosserie: Limousine
Motor: Reihensechszylinder-Diesel
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.995 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 700 Nm
Von 0 auf 100: 5,0 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 5,6 Liter
CO2-Ausstoß: 148 g/km
Kofferraum: 520 Liter
Gewicht: 1.935 kg
Maße: 4988 / 1890 / 1435
Preis: 52.507 EUR
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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
hr.schnackermüller 30.03.2018
1. Seit der ersten Generation.....
.....hat Mercedes nie wieder die Eleganz und Harmonie die den CLS auszeichnete hinbekommen. Und diese Legoland Frontpartie konterkariert die fabelhafte Eleganz der Rückansicht auf´s infantilste. Und überhaupt: guckt da noch jemand hin? Das ist doch wie ein MP3 Player mit Hi-Res auf Rädern. Fazit: ich weiß nicht was soll es bedeuten. P.S. Die rote Lederausstattung macht noch keinen Gullwing Enkel aus dem mißratenen Enkel.
kriskross 30.03.2018
2. Ansichtssache
Was bitte ist an einer Limousine, die mindestens 1935 Kilogramm wiegt und deshalb mit einer elektrisch aufgeblasenen Übermotorisierung daherkommt, entspannt?
lord-crumb 30.03.2018
3. Sehr schade
dass es keinen Shooting Brake mehr gibt. Gerade dieses Modell hat den CLS einzigartig gemacht. Technischer Spielkram wie 64 Farben der Ambientebeleuchtung oder ein Lenkrad mit dem man - außer Kaffeekochen - alles machen kann, sind da kaum ein Mehrwert noch ein Ersatz. Nach meinem derzeit zweiten CLS Shooting Brake werden sich deshalb wohl die Wege von Mercedes und mir trennen. Schade. Der CLS SB war ein tolles Auto.
Peter M. Lublewski 30.03.2018
4.
Zitat von hr.schnackermüller.....hat Mercedes nie wieder die Eleganz und Harmonie die den CLS auszeichnete hinbekommen. Und diese Legoland Frontpartie konterkariert die fabelhafte Eleganz der Rückansicht auf´s infantilste. Und überhaupt: guckt da noch jemand hin? Das ist doch wie ein MP3 Player mit Hi-Res auf Rädern. Fazit: ich weiß nicht was soll es bedeuten. P.S. Die rote Lederausstattung macht noch keinen Gullwing Enkel aus dem mißratenen Enkel.
Stimmt, dabei war das grauenhafte Mercedes-Benz-Design der 90er schon schlimm genug.
DerBlicker 30.03.2018
5. Schicker Wagen
Nur leider total unpraktisch. Der Wagen ist 5 m lang, hat aber auf der Rückbank und im Kofferraum weniger Platz als mein 4,43m länger BMW X1.
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