Mercedes E 300 Bluetec-Hybrid: Man muss dran glauben

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Mercedes gibt Strom - zumindest ein bisschen. Als erster deutscher Hersteller präsentiert Daimler einen Hybrid mit Dieselaggregat, den E 300 Bluetec Hybrid. Nach einer ersten Testfahrt drängt sich vor allem eine Frage auf: Was genau ist der Sinn dieses Autos?

Mercedes E 300 Bluetec-Hybrid: Was soll der Geiz? Fotos
Daimler

Daran muss man sich als Mercedes-E-Klasse-Fahrer erst gewöhnen: Man dreht den Schlüssel, es flackern alle Kontrollleuchten auf, und dann passiert - nichts. Nur das Säuseln der Lüftung ist zu hören, sonst herrscht gespenstische Stille. Der Mercedes-Mann auf dem Beifahrersitz blickt mich an und in seinen Augen steht die unausgesprochene Frage: Na, nicht schlecht, oder?

Michael Weiss nennt diese kleine Show "Silent Start", er hat diese Überraschung mit ausgeheckt, denn er ist Projektleiter des neuen Hybridmodells E 300 Bluetec. Das Auto wird im Spätsommer auf die Straße kommen, zu einem Preis ab 51.795 Euro. Wer den Wagen mit sanftem Gasfuß anfährt, erlebt den oben beschriebenen Flüsterstart, denn wie ein U-Boot auf Schleichfahrt legt die Limousine dann die ersten Meter ausschließlich elektrisch angetrieben zurück.

Die zweite Überraschung folgt, sobald man mit dem rechten Fuß etwas beherzter zutritt. Dann nämlich dringt ein altbekanntes Nageln ans Ohr, das Geräusch ist zwar merklich gedämmt und nicht wirklich störend, doch es ist vergleichsweise neu bei einem Hybridauto. Denn während die Konkurrenten von BMW und Audi in ihren Business-Limousinen Benzin- und Elektromotor paaren, kombiniert Mercedes einen Diesel mit der E-Maschine. Diesen Antriebsmix bieten bislang nur die PSA-Marken Peugeot und Citroën an.

Wenn schon sparen, dann richtig, haben sich offenbar die schwäbischen Ingenieure gedacht und den Elektromotor deshalb mit dem effizientesten Verbrenner aus dem Mercedes-Motorenregal gekoppelt. Der 2,2-Liter-Vierzylinder, den unter anderem auch im S 250 CDI dieselt, leistet 204 PS und wird im Hybridmodell von einem 27 PS starken Stromer unterstützt. Das Resultat: Der Normverbrauch sinkt durch die Elektrifizierung um 0,7 auf 4,2 Liter. "Das macht die E-Klasse zur sparsamsten Limousine der Welt", prahlt Weiss.

Bei unseren Testfahrten erreichten wir diesen Wert allerdings nicht. Aber bei vorausschauender und unaufgeregter Fahrweise zeigt das kunterbunte Mäusekino auf der Mittelkonsole irgendwann Verbrauchswerte um fünf Liter je 100 Kilometer an. Für ein Fünf-Meter-Auto mit feudaler Ausstattung und flottem Antritt ist das ein beachtliches Ergebnis. Und selbst als auf dem Rückweg die Autobahn frei ist und es zügig vorwärts geht, bleibt die Verbrauchsanzeige in der Nähe von sechs Litern.

Beim Spritsparen hilft auch der "Segel-Modus"

Dass der Wagen so sparsam ist, liegt nicht allein am elektrischen Hilfsmotor. Sondern wie die Konkurrenzmodelle auch, kann die Hybridvariante der E-Klasse segeln. Und das geht so: Sobald der Wagen in Schwung ist und man den Gasfuß ein wenig lupft, wird der Motor abgeschaltet. Das funktioniert bisweilen über mehrere Kilometer und so gleitet man mit bis zu 160 km/h über die Autobahn und wundert sich, wie leise es plötzlich wieder ist. Sobald man wieder aufs Gaspedal drückt, meldet sich der Diesel zurück und sorgt für frischen Vortrieb. Segeln spart also Sprit, doch natürlich braucht man für diese Technik keinen Hybridantrieb.

Womit wir bei der Kernfrage zum E 300 Bluetec wären: Hat dieses Auto überhaupt eine Daseinsberechtigung? Worin liegt der Vorteil gegenüber dem bisherigen Dieselmodell E 250 CDI Automatik, das Weiss gern als Referenzauto erwähnt? Sicher, die Hybridvariante bietet zwar ein kombiniertes Drehmoment beider Motoren von maximal 750 Nm, doch das kompensiert der normale Diesel durch rund hundert Kilo weniger Gewicht. Und so liegen die beiden Limousinen bei Beschleunigung (7,5 Sekunden) und Topspeed (242 km/h) exakt gleichauf.

Und was das Hybridauto an der Tankstelle einspart, muss man quasi schon vorher beim Autokauf drauflegen. Denn der Aufschlag für die zusätzliche Elektrifizierung des Antriebs liegt bei rund 3500 Euro. Vermutlich wird man diesen Mehrpreis in einem Autoleben kaum mehr hereinfahren, denn wirklich sparen lässt sich mit dem E 300 Bluetech nicht. Warum also der ganze Zauber? Es geht wohl mehr um ideelle Dinge; man wähnt sich nachhaltiger unterwegs, wenn unterm Blech ein Hybridantrieb werkelt.

Außerdem ist da ja noch der Reiz des elektrischen Fahrens - zumindest in der Theorie. In der Praxis erlebt man den nämlich nur selten und wenn, dann nur kurz. Weil der Lithium-Ionen-Akku, der aus der Mercedes-Fabrik im sächsischen Kamenz kommt, über eine Speicherkapazität von lediglich 0,8 kWh verfügt, reicht die Energie nur für einen Kilometer. Der Vorteil des Minimal-Akkus: Er kostet viel weniger als beispielsweise die Batterien, die BMW oder Audi einsetzen, und er passt wie eine normale Autobatterie noch in den Motorraum. "Dadurch haben wir keinerlei Einschränkungen beim Kofferraumvolumen", sagt Weiss. Das führt dann auch dazu, dass die E-Klasse mit Diesel-Hybridantrieb als einziges Auto dieser Spezies auch als Kombi angeboten werden kann - und wird.

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1. Ganz einfach
ms66 29.03.2012
Zitat von sysopWas genau ist der Sinn dieses Autos? Mercedes E 300 Bluetec-Hybrid: Man muss dran glauben - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,824290,00.html)
die nörgelnde, alles besser wissende Journalistenkaste zu befriedigen.
2. Im Prinzip...
Charlie Whiting 29.03.2012
...ist es ja gut, dass es solche Autos gibt. Wie sollen die Hersteller denn sonst Erfahrungen mit Hybrid/Elektrofahrzeugen sammeln? Dass ein guter, leistungsmässig vergleichbarer, Diesel nicht mehr verbraucht und günstiger in der Anschaffung ist gehört zum Lernprozess, hoffentlich nicht allzu lange. Allerdings sind mir 1-4 km elektrische Reichweite viel zu wenig. Mag ja Gewicht sparen aber bis zum Kumpel im Nachbarort, sagen wir mal 20 km, sollte es schon reichen.
3. Sinnloser geht nicht
pierrotb 29.03.2012
Zitat von sysopMercedes gibt Strom - zumindest ein bisschen. Als erster deutscher Hersteller präsentiert Daimler einen Hybrid mit Dieselaggregat, den E 300 Bluetec Hybrid. Nach einer ersten Testfahrt drängt sich vor allem eine Frage auf: Was genau ist der Sinn dieses Autos? Mercedes E 300 Bluetec-Hybrid: Man muss dran glauben - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,824290,00.html)
Die Frage ist berechtigt... Verbrauchsbonus von 0,7 Liter auf dem Papier, also 0,3 Liter wenn man vorsichtig fährt, kein elektrischen Betrieb in der Stadt (1 km..), Mehrgewicht, Mehrpreis... Warum baut Daimler so ein Auto? Weil sie es nicht besser können..
4. Preis ab 51.795 Euro!
Airkraft 29.03.2012
Sprit sparen - vielleicht, Geld sparen - sicherlich nicht!
5.
wannewupp 29.03.2012
Zitat von sysopMercedes gibt Strom - zumindest ein bisschen. Als erster deutscher Hersteller präsentiert Daimler einen Hybrid mit Dieselaggregat, den E 300 Bluetec Hybrid. Nach einer ersten Testfahrt drängt sich vor allem eine Frage auf: Was genau ist der Sinn dieses Autos? Mercedes E 300 Bluetec-Hybrid: Man muss dran glauben - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,824290,00.html)
Nur, weil man die Mehrinvestition nicht einspart, ist die Technik doch nicht sinnlos. Wenn es dem technologischen Fortschritt und auch etwas der Umwelt dienst, ist das doch mehr als sinnvoll. Wenn man sich einen Mercedes zulegt, sollte man auf die finanzielle Ersparnis durch eventuellen Minderverbrauch nicht angewiesen sein.
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Mercedes E 300 Hybrid

Das begeistert: Wie sparsam man so ein Dickschiff fahren kann, ohne dass es zum Krampf wird.

Das fehlt: Ein größerer Akku für mehr elektrische Reichweite.

Das nervt: Die langatmige Modellbezeichnung. Allein die vielen Buchstaben am Heckdeckel steigern das Gewicht.

Was sonst? Dieser Antrieb sollte auch in der C-Klasse verfübar sein.
Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: E300 Bluetech-Hybrid
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.143 ccm
Leistung: 204 PS (150 kW)
Leistung (E-Motor): 27 PS (20 kW)
Drehmoment: 500 Nm
Von 0 auf 100: 7,5 s
Höchstgeschw.: 242 km/h
Verbrauch (ECE): 4,2 Liter
CO2-Ausstoß: 109 g/km
Kofferraum: 540 Liter
Gewicht: 1.735 kg
Maße: 4868 / 1854 / 1470
Preis: 51.795 EUR



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