Autogramm Mercedes G 500 Alt, aber oho

Je älter die G-Klasse wird, desto größer die Nachfrage. Kein Wunder, dass Mercedes dem Allradmodell noch mindestens fünf weitere Jahre spendiert. Damit würde der Kasten seit fast 40 Jahren unverändert gebaut.

Daimler

Der erste Eindruck: Man hört ihn lange bevor man ihn sehen kann. Achtung, jetzt kommt's dicke, verkündet das nahende Grollen. Wenn sich das Auto dann ins Blickfeld schiebt, werden die Erwartungen nicht enttäuscht. Die Mercedes G-Klasse ist klobig wie ein Tresor. Dass man dem Geländewagen dennoch Sympathie entgegenbringt, liegt an seiner Beständigkeit: Seit 1979 wird das Trumm nahezu unverändert gebaut. Der Kasten gehört zum Straßenbild; gäbe es ihn nicht mehr, würde er genauso fehlen wie die gelben Telefonzellen der Post.

Das sagt der Hersteller: Mercedes-Chef Dieter Zetsche nennt die G-Klasse den "Fels in der Brandung", der seinem "kernigen, unverwechselbaren Stil treu bleibt". Obwohl das G-Modell jetzt schon fast 35 Jahre auf dem Buckel hat, hält Mercedes dem Klassiker die Treue. Aus gutem Grund, denn die Absatzkurve geht beständig nach oben. Allein seit 2009 haben sich die Zulassungen verdreifacht, schwärmen die Schwaben. Im Jahr 2012 stiegen die Verkäufe um 35 Prozent, im ersten Halbjahr 2013 lag das Plus bei 70 Prozent, und insgesamt gilt 2013 als das beste Jahr der Modellgeschichte, in der bislang insgesamt knapp 250.000 Autos verkauft wurden. Soeben hat Mercedes die Produktionskapazität bei Magna Steyr in Graz aufgestockt und den Vertrag mit dem Auftragshersteller bis 2019 verlängert.

Das ist uns aufgefallen: Neumodische Sperenzchen wie Multimedia-Gedöns und Assistenzsysteme gibt es in der G-Klasse kaum. Kein Wunder: Als die G-Klasse konstruiert wurde, waren diese Ausstattungsdetails noch weitgehend unbekannt.

Was noch auffällt ist die ungewöhnliche Enge in einem äußerlich so großen Auto. Die Türen sind klein, der Aufstieg hoch, die Sitze verfügen über viel geringere Verstellwege als in jedem anderen SUV-Modell, und schon mittelgroße Menschen stoßen mit den Knien immer wieder ans Armaturenbrett. Einzig der Kofferraum hinter der schweren Hecktür ist riesig. Das muss er auch sein. Denn das Umklappen der Rückbank, um das Ladevolumen zu erweitern, ist so mühsam, dass man davon besser die Finger lässt.

Eine Freude ist die kantige Karosserie für den Fahrer, denn das massige Auto ist wunderbar einfach zu rangieren. Während es bei modernen SUV-Typen mit ihren oft muskulös verquollenen Karosserien meist an Übersichtlichkeit mangelt, zirkelt man den großen Kasten millimetergenau in die engste Parklücke und freut sich an den glatten Flächen ebenso wie an den eigenwilligen Positionsleuchten, die wie Krokodilaugen auf den vorderen Kotflügeln thronen und perfekt zum Peilen taugen.

Irgendwie gestrig wirkt die G-Klasse übrigens auch unter der Haube. Dort saß im von uns gefahrenen Modell ein 387 PS starker V8-Motor, der längst nicht mehr modern ist. Bei Bedarf wuchtet die Maschine das 2,5 Tonnen schwere Stahlgebirge in 6,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, doch das kostet erschreckend viel Sprit. Schon der offizielle Durchschnittsverbrauch liegt bei 14,9 Liter, real sind es eher 16 bis 17 Liter. Wer auf Sportskanone macht, muss mit 25 Liter Verbrauch rechnen. Die mit einem neueren und um gut 150 PS leistungsstärkeren Motor bestückte AMG-Variante G 63 schluckt im Normverbrauch gut einen Liter weniger als der G 500 - eine Eigenheit, die es sonst bei keiner anderen Mercedes-Baureihe gibt.

Das Fahrgefühl ist durchwachsen. Bei höherem Tempo schwellen die Windgeräusche zu einem Brausen an, Querfugen in der Straße schmecken dem Fahrwerk gar nicht, und in Kurven kämpft man als Fahrer gegen die Fliehkraft. Offroad gilt die G-Klasse als kaum zu toppen.

Das muss man wissen: Verkauft wird die G-Klasse schon seit 1979, und ein Ende ist nicht absehbar, das Angebot jedoch wurde ausgedünnt; eine kurze Karosserievariante gibt es gar nicht mehr, vom Cabrio wird gerade die "Final Edition" feilgeboten. Immerhin sind vier Motorisierungen verfügbar. Neben dem hier getesteten V8-Benziner im G 500 gibt es noch einen 211 PS starken Diesel sowie zwei AMG-Varianten, nämlich den schon erwähnten G 63 und neuerdings den G 65 AMG mit Zwölfzylindermotor. Der leistet 612 PS, und das Auto kostet 266.322 Euro. Noch teurer ist allerdings die sechsrädrige Variante G 63 AMG 6x6 mit Zwillingsachse hinten, für die 451.010 Euro fällig werden.

Das werden wir nicht vergessen: Die Geräuschkulisse des Klassikers! Und zwar weniger das fast obszöne Bollern, Blubbern und Brüllen des V8-Motors. Stattdessen eher nebensächliche Geräusche wie das Klacken der Türschlösser oder das satte, solide Schmatzen, wenn die schweren Türen ins Schloss fallen. Dann fühlt man sich sicher und gut aufgehoben - fast wie in einem Tresor. Und das passt ja auch.

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insgesamt 246 Beiträge
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Seite 1
fort-perfect 11.01.2014
1. Anachronismus
Zitat von sysopDaimlerJe älter die G-Klasse wird, desto größer die Nachfrage. Kein Wunder, dass Mercedes dem Allradmodell noch mindestens fünf weitere Jahre spendiert. Damit würde der Kasten seit fast 40 Jahren unverändert gebaut. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/mercedes-g-500-das-gelaendewagen-urgestein-von-mercedes-mit-v8-motor-a-942625.html
Kein Wunder, dass Mercedes den Anschluss verloren hat.... wenn man es nötig hat einen solchen technischen Anachronismus als "Fels in der Brandung" zu verkaufen. Das sollte Mercedes besser nicht über den Lada Niva lachen..... der säuft weniger, kommt auch durch jeden Dreck und kann mit einem Hammer repariert werden....
Lupus39 11.01.2014
2.
Zitat von sysopDaimlerJe älter die G-Klasse wird, desto größer die Nachfrage. Kein Wunder, dass Mercedes dem Allradmodell noch mindestens fünf weitere Jahre spendiert. Damit würde der Kasten seit fast 40 Jahren unverändert gebaut. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/mercedes-g-500-das-gelaendewagen-urgestein-von-mercedes-mit-v8-motor-a-942625.html
Super Auto! Und nur ca. 25l/100km (das ist ein realistischer Wert), Spizenwert! Bitte nochmal mind. 40 Jahre lang genauso bauen, das ist ganz klar ein Automobil der Zukunft!
bratbär 11.01.2014
3. Spaß
Ich bin das Ding Anfang der Neunziger beim Bund gefahren. 70 PS und 3 Minuten von 0 auf 100. Man fuhr nur Vollgas. Im Gelände gibts nix, was mehr Spaß macht.
LapOfGods 11.01.2014
4. Was soll das?
Toll, wie der Autor ein potthässliches Auto mit 1000 Mängeln, einem horrenden Verbrauch und Preis schön redet. Außer der Geländegängigkeit gibt es ja wohl nichts an diesem Wagen was brauchbar ist. Aber als typischer Autojournalist findet er dann auf einmal das Null-Design kultig. Und die Geräuschkulisse. Beides würde er bei einem Lada ohne Stern verreissen.
perkmann 11.01.2014
5. Artikelinhalt passt nicht zum G!
Irgendwie habe ich das Gefühl, der Autor hat den Artikel zu einem anderen Fahrzeug geschrieben! Als „Geländewagen“ hat der heutige G m. E. schon zu viel „Multimedia-Gedöns und Assistenzsysteme“. Früher konnte man einen G einfach volltanken und ab in die Wüste oder Urwald fahren; dies ist heute dank Elektronik einfach nicht mehr ohne Risiko – wegen des ganzen Schnickschnacks! Beim Militär spielt das keine Rolle: die haben ihren eigenen Sprit, ihre eigene Werkstatt dabei, und wenn das nicht hilft, wird das Fahrzeug einfach aufgegeben (siehe Afghanistan). Waren Sie „breit“ als Sie in den G gestiegen sind?! Türen klein, Innenraum eng, also irgendwie habe ich das Gefühl in meinem G nicht bei 1,8 Meter Größe und ca. 120 kg Lebendgewicht. Und was treibt Sie dazu, Blinker als Positionsleuchten zu beschreiben? Eine solche Feststellung würde ich als Lehrer immer mit „Thema verfehlt, sechs setzen“ bewerten!
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