Autogramm Mercedes G-Klasse Die alte Schachtel

Klare Kante seit 36 Jahren: Auch beim jüngsten Facelift ist das Design der Mercedes G-Klasse gleich geblieben. Das ist gut so - denn Veränderungen passen nicht zu diesem Auto, wie man an einigen Details feststellt.

Daimler

Der erste Eindruck: Panzerschrank, Lego-Mobil, Blechkasten - kein anderes Auto lässt sich so bildhaft beschreiben wie die Mercedes G-Klasse. Denn kein anderes ist so markant und sieht fast immer noch so aus wie zum Produktionsstart 1979.

Das sagt der Hersteller: "Bevor die G-Klasse rund wird, bekommt die Erde Ecken", sagt Baureihenchef Gunnar Güthenke. Die große Beliebtheit des Geländewagens gibt ihm recht: Im vergangenen Jahr fertigte Mercedes-Kooperationspartner Magna im österreichischen Graz 14.500 G-Klasse-Exemplare - mehr als je zuvor seit der Premiere. Zudem gehen mittlerweile nur noch höchstens 20 Prozent der Autos an institutionelle Kunden wie Militär, Katastrophenschutz oder Feuerwehren. Dagegen liegt der Anteil der von Haustuner AMG aufgemotzten Typen mit etwa 50 Prozent höher als bei jeder anderen Baureihe. Kurz gesagt: Mit der G-Klasse macht Mercedes ein grandioses Geschäft.

Während Land Rover die Produktion des ähnlich fossilen Defender gerade auslaufen lässt, weil er den neuen Crash- und Abgas-Bestimmungen nicht mehr genügt, wurde die G-Klasse kontinuierlich frisch gehalten. Ergebnis: Der Werkvertrag mit Magna ist kürzlich bis 2022 verlängert worden.

"Die G-Klasse ist die einzige Daimler-Baureihe ohne Verfallsdatum", sagt Güthenke. "Immer wieder mal wurde das Produktionsende terminiert. Doch genau so oft wurde es auch verschoben. Und jetzt legen wir gar keines mehr fest."

Das ist uns aufgefallen: Während man sich beim Einsteigen in eine Mercedes-Limousine jedweder Baureihe so fühlt, als besuche man ein vertrautes Hotel, ist das Entern der G-Klasse wie die Ankunft in einer Berghütte. Und zwar nicht, weil man ein bisschen klettern muss, um auf den Fahrersitz des Allradlers zu kommen, sondern weil die G-Klasse einen rustikalen Charme versprüht. Beispiele dafür sind die steil stehenden Sitzlehnen, die harte Rückbank und mäßige Platzverhältnisse im Fond.

Auch wenn die G-Klasse wunderbar altmodisch und authentisch bleibt, ist sie mit dem Facelift doch moderner geworden. Der Bildschirm des Command-Systems zum Beispiel ist etwas größer als vorher, und die Armaturen haben jetzt runde Einfassungen mit einem großen Display. Allerdings passt der digitale Firlefanz so wenig zu diesem Auto wie ein Touchscreen an die Rückseite einer Leica-Kamera.

Auch unter der Haube entwickelt sich die G-Klasse weiter und fährt jetzt im Modell G 500 mit einem neuen V8-Motor vor. Zurechtgestutzt auf vier Liter Hubraum und mit zwei Turboladern bestückt, folgt das Triebwerk dem Trend zum Downsizing und spart auf dem Prüfstand immerhin 2,6 Liter im Vergleich zum Vorgängeraggregat; der Durchschnittsverbrauch liegt bei 12,3 Litern.

Sparsamer, sauberer, kleiner - wer deshalb glaubt, der neue Motor sei eine Spaßbremse, der wird schon beim Anlassen eines Besseren belehrt. Unflätig wie eh und je brabbelt und blubbert der V8 aus den seitlich unter den Trittleisten hervortretenden Auspuffstummeln und macht keinen Hehl daraus, dass er eigentlich ein AMG-Triebwerk ist. Dort befeuert er nach einigen Tuning-Eingriffen den Supersportwagen GT.

Mit 422 PS Leistung und 610 Nm Drehmoment braucht der G 500 von null auf Tempo 100 exakt 5,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Es gibt schnellere Autos - doch dieses hier wiegt immerhin knapp drei Tonnen.

Das muss man wissen: Die überarbeitete G-Klasse kommt noch im September in den Handel und kostet mindestens 89.922 Euro. Dafür gibt es den ebenfalls optimierten G 350d mit 245 PS, der jetzt 9,9 Liter verbraucht und so zur bislang sparsamsten G-Klasse wird. Darüber rangieren der hier vorgestellte G 500 für 105.035 Euro und die AMG-Modelle, die ebenfalls optimiert wurden: Der G 63 leistet jetzt 571 PS und kostet 143.271 Euro und der 630 PS starke G 65 mit V12-Motor happige 271.915 Euro.

Das werden wir nicht vergessen: Diese fast antiquierten Geräusche in der G-Klasse. Zum Beispiel das Schmatzen der schweren Türen, wenn sie beim zweiten oder dritten Versuch endlich ins Schloss fallen. Oder das Verriegeln der Türschlösser - das klingt wie das gleichzeitige Öffnen von vier Springmessern.

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insgesamt 109 Beiträge
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Flying Rain 11.10.2015
1. Und
Und kein Wort über die Geländegängigkeit des Autos (insofern es noch welche hatt) ?
monolithos 11.10.2015
2. Geländegängigkeit
Zitat von Flying RainUnd kein Wort über die Geländegängigkeit des Autos (insofern es noch welche hatt) ?
Erwarten Sie wirklich noch Aussagen über die Geländegängigkeit einer G-Klasse? Begegnet Ihnen dieses Auto zum ersten Mal? Dann kann man auch eine Aussage über die Konfession des Papstes erwarten.
schoggibär 11.10.2015
3. Ein feines Fahrzeug
Ich werde nie meinen G230 Bj. 1987 vergessen. Er hat mir in meinem Jahr in Schweden treue Dienste erwiesen. Schweren Herzens hab ich ihn danach verkauft (hab mehr bekommen als ich bezahlt hab) seither träum ich immer und immer von einem neuen G. Es gibt wohl kaum ein eleganteres, kompromissloseres und geileres Kfz als ihn. Ein Mercedes der den Namen G verdient.
salsabiker 11.10.2015
4.
Wirklich ein geiles zeitloses Auto, in jeder Version.
adacio 11.10.2015
5. Mythen Bildung
der wagen ist echt geil teuer mehr nicht. natürlich macht man da grandioses Geschäft. da wird jedes Jahr das gleiche Ding neu aufgelegt hier und da Kleinigkeiten geändert und teuerer verkauft. es gibt andere hersteller die mindestens genauso gute Produkte herstellen. aber schön anzusehen wie man an einer Mythos bastelt die keine ist.
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