"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert" - wenn dieses Sprichwort ein Auto wäre, dann vermutlich die neue, von Mercedes-Haustuner AMG aufgebrezelte Version der M-Klasse. Der Geländewagen aus Stuttgart ist als Vertreter der Gattung SUV allen Öko-Spießern seit jeher ein Dorn im Auge. Und die aufgepumpte Version ist wie eine Faust - und zwar die Sorte, die keine blauen Augen macht, sondern sofort zum Knockout führt.
Das liegt vor allem an dem V8 unter der Haube. Der kam zuletzt auf 510 PS, protzt in der aktuellen Ausbaustufe dank Doppelturbo aber mit 525 PS und 700 Nm. Das etwa 7000 Euro teure Performace Package peitscht die Leistung sogar auf 557 PS und macht den ML 63 noch vor BMW X5 M und Porsche Cayenne Turbo S zum stärksten Geländewagen in Deutschland.
Entsprechend geht der Bulle von Benz zur Sache. Man könnte die M-Klasse auch gelassen durch den Stadtverkehr oder über eine romantische Küstenstraße steuern - doch dazu muss man den Gasfuß ganz, ganz leicht machen. Senkt man die Sohle etwas kräftiger aufs Pedal, bricht ein wütendes Grollen aus den vier Endrohren und die M-Klasse wird zum Brachialgerät, das ebenso mächtig wie mühelos in Fahrt kommt. Wer es nötig hat, kann in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Die Raserei ist übrigens begrenzt auf 250 km/h - und das liegt nicht an mangelnder Leistung, sondern an Reifen und Bremsen. Irgendwie muss die Fuhre ja auch unter Kontrolle gehalten werden.
Angesichts der Preisliste fällt der hohe Verbrauch gar nicht auf
Hart im Nehmen muss man auch an der Zapfsäule sein. Zwar ist AMG-Chef Ola Källenius wirklich stolz auf den Verbrauch seiner neuesten Kreation: Um 28 Prozent haben die Schwaben den Spritdurst gesenkt mit der Überarbeitung des Motors, dem neu abgestimmten Getriebe, sparsameren Nebenaggregaten und einer Start-Stopp-Automatik. Das klingt zwar imposant, ist aber doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn selbst auf dem Prüfstand zeigt der Bordcomputer noch immer 11,8 Liter, und im Alltag wird es kaum unter 15 Litern gehen.
Aber wen juckt das schon bei so einem Auto? Die Kunden jedenfalls nicht. Schließlich gehen die meisten ML 63 AMG in die USA, nach Russland oder Arabien, wo Benzin billig und die Toleranz groß ist. Die werden die Käufer des ML 63 AMG allerdings auch aus anderen Gründen brauchen - zum Beispiel beim Blick in die Preisliste, die bei 108.885 Euro beginnt. Schon der 40.000 Euro-Aufschlag im Vergleich zum bislang stärksten Serienmodell der M-Klasse ist ein starkes Stück. Dass AMG dann noch einmal extra Geld für Navigation, Klimaautomatik oder die elektrische Heckklappe verlangt, ist Beutelschneiderei, die selbst Multi-Millionäre auf die Palme bringen könnte. Reich wird man schließlich nicht durch Verschwendung.
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