Mercedes ML 63 AMG: Die Kanonenkugel

Von Tom Grünweg

Mercedes M 63 AMG: Der Bulle von Benz Fotos

Der neue Mercedes ML 63 ist der derzeit stärkste Geländewagen aus deutscher Produktion. Zwei Tonnen Auto, bewegt von 557 PS, in einem Wort: Wuchtbrumme. Spartechnik ist zwar an Bord, doch die nutzt kaum etwas.

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert" - wenn dieses Sprichwort ein Auto wäre, dann vermutlich die neue, von Mercedes-Haustuner AMG aufgebrezelte Version der M-Klasse. Der Geländewagen aus Stuttgart ist als Vertreter der Gattung SUV allen Öko-Spießern seit jeher ein Dorn im Auge. Und die aufgepumpte Version ist wie eine Faust - und zwar die Sorte, die keine blauen Augen macht, sondern sofort zum Knockout führt.

Das liegt vor allem an dem V8 unter der Haube. Der kam zuletzt auf 510 PS, protzt in der aktuellen Ausbaustufe dank Doppelturbo aber mit 525 PS und 700 Nm. Das etwa 7000 Euro teure Performace Package peitscht die Leistung sogar auf 557 PS und macht den ML 63 noch vor BMW X5 M und Porsche Cayenne Turbo S zum stärksten Geländewagen in Deutschland.

Entsprechend geht der Bulle von Benz zur Sache. Man könnte die M-Klasse auch gelassen durch den Stadtverkehr oder über eine romantische Küstenstraße steuern - doch dazu muss man den Gasfuß ganz, ganz leicht machen. Senkt man die Sohle etwas kräftiger aufs Pedal, bricht ein wütendes Grollen aus den vier Endrohren und die M-Klasse wird zum Brachialgerät, das ebenso mächtig wie mühelos in Fahrt kommt. Wer es nötig hat, kann in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Die Raserei ist übrigens begrenzt auf 250 km/h - und das liegt nicht an mangelnder Leistung, sondern an Reifen und Bremsen. Irgendwie muss die Fuhre ja auch unter Kontrolle gehalten werden.

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Mercedes im Überblick: Vom Silberpfeil bis zur blauen Null
Um das zu gewährleisten, hat AMG das Fahrwerk verstärkt und das Auto spürbar strammer abgestimmt. Auch die Bremsen haben mehr Biss, und wie in den normalen Serienautos gibt es auch im AMG-Modell einen automatischen Wankausgleich, der die Karosserieneigung in scharf gefahrenen Kehren im Zaum hält. Den wünscht man sich leider auch für das Gestühl: Weil die M-Klasse in erster Linie ein gemütlicher Reisewagen ist, fehlt es den Sitzen an Kontur, wie sie sonst bei AMG-Modellen üblich ist. In flott gefahrenen Kurven fleht man, während man im Sessel hin und her kippt, also um mehr Seitenhalt.

Angesichts der Preisliste fällt der hohe Verbrauch gar nicht auf

Hart im Nehmen muss man auch an der Zapfsäule sein. Zwar ist AMG-Chef Ola Källenius wirklich stolz auf den Verbrauch seiner neuesten Kreation: Um 28 Prozent haben die Schwaben den Spritdurst gesenkt mit der Überarbeitung des Motors, dem neu abgestimmten Getriebe, sparsameren Nebenaggregaten und einer Start-Stopp-Automatik. Das klingt zwar imposant, ist aber doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn selbst auf dem Prüfstand zeigt der Bordcomputer noch immer 11,8 Liter, und im Alltag wird es kaum unter 15 Litern gehen.

Aber wen juckt das schon bei so einem Auto? Die Kunden jedenfalls nicht. Schließlich gehen die meisten ML 63 AMG in die USA, nach Russland oder Arabien, wo Benzin billig und die Toleranz groß ist. Die werden die Käufer des ML 63 AMG allerdings auch aus anderen Gründen brauchen - zum Beispiel beim Blick in die Preisliste, die bei 108.885 Euro beginnt. Schon der 40.000 Euro-Aufschlag im Vergleich zum bislang stärksten Serienmodell der M-Klasse ist ein starkes Stück. Dass AMG dann noch einmal extra Geld für Navigation, Klimaautomatik oder die elektrische Heckklappe verlangt, ist Beutelschneiderei, die selbst Multi-Millionäre auf die Palme bringen könnte. Reich wird man schließlich nicht durch Verschwendung.

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insgesamt 33 Beiträge
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1.
fx33 16.01.2012
Ein weiteres Fahrzeug aus der Klasse "Nur für den Renngebrauch" und sollte für den öffentlichen Strassenverkehr wegen der immanenten Verkehrsgefährdung nicht zulassungsfähig sein.
2. Toller Wagen
axelkli 16.01.2012
Vielleicht sollte ich meinen Q7 V12 Diesel gegen diesen wunderbaren Kraftwagen (im wahrsten Sinne des Wortes) eintauschen. Ein Benziner macht einfach mehr Spaß, und bei AMG gibt es zum Glück auch die Aufhebung des 250 km/h Limits, wenn auch gegen Aufpreis. Aber bei dem Fahrzeugpreis macht das auch nix mehr aus. Vielleicht gibt es in naher Zukunft auch noch ein schönes Update von Brabus, denn Leistung kann man nie genug haben, oder? Und by the way: Eine Klimaautomatik ist sehr wohl serienmäßig an Bord, nur die Version mit getrennter Regelung im Fond kostet Aufpreis. Das finde ich auch o.k. Wenn wie bei uns hinten meistens sowieso nur die Golftaschen, die Jagd- oder Tauchausrüstung mitreisen, muß man ja nicht extra noch eine 2. Klimaanlage spazieren fahren.
3. Na bravo, noch einer!
kassel-atze 16.01.2012
Zum Glück gibts noch keine Steuern auf PS-strotzende Kanonenkugeln, die das benzinvernebelte und adrenalingeschwängerte Höhlenmännchen vom Sofa in die urbane Dschungelprüfung nötigt. Hier wäre doch noch ein Rettungsschirmchen drin, Frau Merkozy.
4. AMG ja, aber das hier?
celui-ci 16.01.2012
Normalerweise kann ich den AMGs ja was abgewinnen, vor allem dem SL, SLS und CL....aber diese Kiste hier? All die PS um die eigene Überfettung zu kompensieren, viel zu hoher Schwerpunkt, und das Aussehen? Von einem Werkstuner erwarte ich eigentlich, dass er das etwas gekonnter umsetzt. Durch seine "Bravheit" wirken die ganzen Anbauten völlig aufgeplustert.
5. Toll?
DerBlicker 16.01.2012
Zitat von axelkliVielleicht sollte ich meinen Q7 V12 Diesel gegen diesen wunderbaren Kraftwagen (im wahrsten Sinne des Wortes) eintauschen. Ein Benziner macht einfach mehr Spaß, und bei AMG gibt es zum Glück auch die Aufhebung des 250 km/h Limits, wenn auch gegen Aufpreis. Aber bei dem Fahrzeugpreis macht das auch nix mehr aus. Vielleicht gibt es in naher Zukunft auch noch ein schönes Update von Brabus, denn Leistung kann man nie genug haben, oder? Und by the way: Eine Klimaautomatik ist sehr wohl serienmäßig an Bord, nur die Version mit getrennter Regelung im Fond kostet Aufpreis. Das finde ich auch o.k. Wenn wie bei uns hinten meistens sowieso nur die Golftaschen, die Jagd- oder Tauchausrüstung mitreisen, muß man ja nicht extra noch eine 2. Klimaanlage spazieren fahren.
Wenn man alle 300 km tanken muss, finde ich das nicht toll. Da bevorzuge ich den ML350 CDI, der braucht bei Tempo 200 nur die Hälfte, kostet nur die Hälfte vom ML63, ist komfortabler gefedert und auch noch schneller unterwegs, da der ML63 eben ständig an der Tanke steht. Der ML63 ist komplett sinnfrei und Freude kommt nur beim Tankwart auf.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: Mercedes M 63 AMG
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V8-Benzindirekteinspritzer mit Turbo
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 5.461 ccm
Leistung: 557 PS (410 kW)
Drehmoment: 760 Nm
Von 0 auf 100: 4,7 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 11,8 Liter
CO2-Ausstoß: 276 g/km
Kofferraum: 690 Liter
umgebaut: 2.010 Liter
Preis: 115.906 EUR


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