Autogramm Mercedes S-Klasse Dieses Auto will gestreichelt werden

Für Mercedes ist die Sache klar: Die meiste Klasse in der Oberklasse hat die S-Klasse. Und die Überarbeitung ist tatsächlich geglückt. Treue Kunden müssen sich allerdings auf eine Umstellung gefasst machen.

Daimler

Der erste Eindruck: Ob da wirklich eine S-Klasse steht, erfährt man, wenn das Licht angeht. Damit fortan jeder sogleich sieht, welchen Rang die S-Klasse in der Mercedes-Palette hat, bekommt das Flaggschiff nun drei LED-Streifen im Scheinwerfer. Bei der E-Klasse sind es künftig zwei, bei der C-Klasse einer.

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Autogramm Mercedes S-Klasse: Der Auto-Salon

Das sagt der Hersteller: Mercedes-Chefingenieur Hermann-Joseph Storp spricht bei der S-Klasse beharrlich vom "besten Auto der Welt" und sieht die Spitzenposition auch nicht vom neuen Audi A8 oder dem noch recht frischen BMW 7er bedroht. "Allerdings ist nichts so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte", räumt Storp ein. In Zahlen ausgedrückt: "Rund 6500 neue oder modifizierte Teile machen die Modellpflege zu einer der umfangreichsten in der Historie der Limousine."

Das ist uns aufgefallen: Fahren oder fahren lassen - diese Frage stellt sich in der S-Klasse mittlerweile auch dann, wenn man allein im Auto sitzt. Denn was früher der Chauffeur erledigt hat, macht der Wagen nach der Modellpflege fast von selbst. Schon bisher fuhr die S-Klasse auf der Autobahn nahezu autonom, inklusive voll automatischem Spurwechsel. Nun rollt der dicke Benz selbst auf der Landstraße fast schon ohne Zutun des Fahrers. Weil die Assistenzsysteme mit Hilfe von GPS weit vorausschauen, passen sie das Tempo nicht nur dem Verkehrsfluss an, sondern bremsen beispielsweise vor Kurven, Kreuzungen oder Kreisverkehren auf eine komfortable Geschwindigkeit herunter.

Tom Grünweg

Um das System zu aktivieren, müssen treue Mercedes-Fahrer allerdings ein wenig umdenken: Der Tempomat wird nämlich nicht mehr - wie in den vergangenen 30 Jahren - über einen Hebel links neben dem Lenkrad bedient. Stattdessen befinden sich die Schalter jetzt direkt auf dem Volant. Mercedes brach nach eigener Auskunft auf Drängen der US-Kunden mit der Tradition.

Ist der sogenannte "Intelligent Drive"-Modus eingeschaltet, streichelt man nur noch alle paar Sekunden über die Blackberry-Tasten links und rechts der Hupe, um die physische und vor allem mentale Präsenz zu quittieren. Eine sanfte Berührung, und der Wagen fährt weiter teilautonom: Wer hätte selbstfahrenden Autos soviel Sinnlichkeit zugetraut?

Der Autopilot ist einerseits entlastend, andererseits auch gewöhnungsbedürftig. Es fällt nämlich gar nicht so leicht, permanent aufmerksam zu bleiben. Die zweite große Neuerung des Luxusliners macht das nicht einfacher. Denn die sogenannten "Energizing"-Funktionen sollen aus der neuen S-Klasse eine Spa-Klasse machen. Es handelt sich dabei um ein geschickt orchestriertes Zusammenspiel von Klimaanlage und Beduftung, Musik und Massage sowie der nun in 64 Farben schillernden Ambiente-Beleuchtung. Es gibt unter den sechs Programmen auch solche, die anregen und erfrischen wollen, doch die Versuchung der Tiefenentspannung ist groß. Nahezu autonom fahrend mit einem Wellnessprogramm an der Grenze zur Bewusstseinsveränderung - ans Fahren mag man da kaum mehr denken.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes S500 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das ist schade. Denn mit der überarbeiteten S-Klasse geht auch eine neue Motorengeneration an den Start. Gerade der S 500 verdient Aufmerksamkeit - selbst wenn er erstmals mit sechs statt acht Zylindern auskommen muss. Aber der neue Dreiliter-Motor kompensiert den Zylinderschwund. Weil es seit langem mal wieder ein Reihenmotor von Mercedes ist, läuft er besonders ruhig und rund; ein mit 48 Volt gespeister Startergenerator hilft beim Anfahren und optimiert das Start-Stopp-System; außerdem stopft ein elektrischer Zusatzverdichter das Turboloch. Das Ergebnis sind 435 PS Leistung und 520 Nm Drehmoment sowie ein Normverbrauch von 6,6 Litern.

Das muss man wissen: Neben dem neuen Reihen-Sechszylinder, den es auch als S 450 mit 367 PS Leistung gibt, hat Mercedes noch weitere Premieren unter der Haube der S-Klasse in Planung. So kommt das Auto auch mit einem neuen V8-Triebwerk mit 4 Liter Hubraum und Zylinderabschaltung, das im S 560 auf 469 PS kommt und von AMG für den S 63 auf 612 PS getunt wird. Außerdem gibt es weiterhin einen V12-Motor mit 630 PS im S 600 oder 650 PS im Maybach und im S 65.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes S500 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Und dann sind da noch die Dieselmotoren. Just während Mercedes in den Sog des Abgasskandals gerät, präsentieren die Schwaben in der S-Klasse eine neue Generation von Selbstzündern, die nach den Worten von Motorenentwickler Oliver Vollrath beweisen soll, dass diese Technik eine Zukunft hat. Denn der ebenfalls in Reihe konstruierte und drei Liter große Sechszylinder mit 286 PS im S 350d und 340 PS im S 400d ist nicht nur der bislang stärkste Pkw-Diesel der Schwaben. Er ist auch die überfällige Antwort auf die potenten Ölbrenner aus München und Ingolstadt. Und natürlich soll er zu den saubersten seiner Art zählen, verspricht Mercedes.

Auf das Facelift für die S-Klasse-Limousine - die neuen Autos befinden sich bereits im Handel - folgen nach und nach die Überarbeitungen der anderen Varianten. Demnächst bekommen auch Maybach und Pullman das Update und zum Jahreswechsel folgen S-Klasse Coupé und Cabrio.

Das werden wir nicht vergessen: Die Sinne der Assistenzsysteme hat Mercedes geschärft und mit den "Energizing"-Funktionen kehren die Schwaben mehr denn je die Sinnlichkeit der Luxuslimousine heraus. Doch so gefühlvoll sich das Auto gibt, es fehlt dennoch buchstäblich an Fingerspitzengefühl. Denn ausgerechnet die Limousine mit den vielleicht größten Bildschirmen im Interieur hat noch immer keinen Touchscreen und ist zumindest in dieser Hinsicht absolut gefühllos.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: S 500 (2017)
Karosserie: Limousine
Motor: Sechszylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.999 ccm
Leistung: 435 PS (320 kW)
Drehmoment: 520 Nm
Von 0 auf 100: 6,0 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 6,6 Liter
CO2-Ausstoß: 150 g/km
Kofferraum: 530 Liter
Gewicht: 2.005 kg
Maße: 5125 / 1899 / 1496
Preis: 102.560 EUR
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insgesamt 80 Beiträge
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Oberleerer 23.12.2016
1.
Den Hebel für den Tempomat hätte man als Option erhalten sollen. Kaum zu glauben, daß die US-Kundschaft das als Tasten will, wenn sie das so gewohnt ist. Mercedes war früher so ergonomisch, mittlerweile ist alles irgendwie sinnfrei platziert, man muß suchen und die die Augen von der Fahrbahn nehmen. Dieses autonome Fahren ist wohl nur deshalb integriert, um das zu kaschieren.
pgre 23.08.2017
2.
Der Begriff Autopilot wurde von Tesla leider etwas verbrannt und Daimler (auch viele andere) bemüht sich sonst eigentlich sehr diesen Begriff zu vermeiden. Sie können gerne bei Daimler nachfragen, aber, wenn Daimler den Begriff Autopilot nicht selbst verwendet hat, dann sollten Sie diesen hier wahrscheinlich mit so etwas wie 'teilautonomer Fahrassistent' oder 'Fahrassistent' ersetzen.
murmel57 23.08.2017
3. Touchscreen
Das Fehlen von Touchscreens empfinde ich persönlich als Vorteil. Einen Knopf fast blind zu betätigen ist wesentlich einfacher als eine Kombination aus wischen, antippen und halten.
tillw 23.08.2017
4. Bevor jetzt wieder der Vergleich...
mit Tesla kommt: fahren Sie doch einfach mal beide Modelle Probe. Die S-Klasse ist Welten entfernt und sehr, sehr Verbrauchssteuer. Zu fünft haben wir auf 600Km keine 8 Liter Diesel pro 100Km verbraucht. Bei ruhiger Landstraßenfahrt sind Verbräuche unter 6litern möglich und das ganze in einer Qualität des Fahrzeugs, die ein Tesla wohl nie erreichen wird. Zu recht das beste Auto der Welt - auch wenn mir optisch andere Autos mehr schmeicheln.
kruderich 23.08.2017
5. Wers immer noch glaubt
muß doch die letzten Jahre mit dem Brett vorm Kopf rumgelaufen sen: 6,6 Liter schafft man mit solch einem Automobil bei keiner Fahrweise...Und SPON verbreitet solch einen Unsinn auch noch...
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