Autogramm Mercedes S500 Plug-in-Hybrid Sparen als Luxus 

Mercedes baut ein Drei-Liter-Auto. Allerdings hat der Öko-Wagen seinen Preis: Knapp 110.000 Euro kostet die S-Klasse mit Plug-in-Technologie - und spart dabei trotzdem am falschen Ende.

Daimler

Der erste Eindruck: Das ist ja wie im Stummfilm! Schon als Benziner ist die Mercedes S-Klasse ein sehr leises Auto. Doch wenn der neuen S 500 Plug-in-Hybrid vorfährt, wird es fast gespenstisch. Denn erstmals fährt die S-Klasse eine nennenswerte Strecke rein elektrisch - und deshalb absolut geräuschlos.

Das sagt der Hersteller: Acht, vier, null - mit dieser Zahlenkombination will Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber die wohlhabenden Kunden vom Spritsparen überzeugen. "Diese S-Klasse bietet die Fahrleistungen eines Achtzylinders beim Verbrauch eines Vierzylinders und über weite Strecken null Emissionen", löst Weber die Zahlenspielerei auf. Die Marketingleute sagen es ein bisschen anders: Das neue S-Klasse-Modell sei die sparsamste Luxuslimousine der Welt. Mit 2,8 Liter Durchschnittsverbrauch und einem CO2-Ausstoß von 65 g/km stehe das Flaggschiff besser da als die meisten Kleinwagen.

Das ist uns aufgefallen: War da was? Es ist nur ein dezentes Pochen im Pedal, aber die Botschaft ist unmissverständlich: "Fuß vom Gas!" Das beispielsweise signalisiert der S500 Plug-in-Hybrid, wenn man dem Vorausfahrenden zu nahe kommt. Bevor die Energie unnötig beim Bremsen vernichtet wird, fordert einen die Elektronik der Limousine zum Segeln auf oder wechselt in den Rekuperationsbetrieb, um den Akku aufzuladen. Wenn der Akku voll geladen ist, reicht die elektrische Energie für 33 Kilometer Fahrt, gibt Mercedes an. Weil jedoch zwischendurch immer mal wieder Energie zurückgewonnen wird, lässt sich dieser Wert noch steigern. Am Ende einer hundert Kilometer langen Testfahrt zeigte die eigens programmierte Smartphone-App einen elektrischen Fahrtanteil von fast 50 Kilometern an.

Derlei Tricks um elektrisch voranzukommen und dabei Sprit zu sparen, hat Mercedes eine ganze Menge eingebaut. Anders hätte man auch keine Chance, in die Nähe des Normverbrauchs von 2,8 Liter zu kommen. So regelt die Regie das Zusammenspiel der beiden Motoren selbst dann mit Hilfe von Navigationsdaten, wenn gar kein Ziel eingegeben wurde. Allein mit Wahrscheinlichkeitsrechnung und Routenprognosen berechnet der Bordcomputer, ob auf Steigungen auch wieder ein Gefälle zum Rekuperieren folgt, ehe die E-Maschine gestartet wird. Und wenn sich die S-Klasse einer Ortsdurchfahrt nähert, dann in der Regel mit rechtzeitig vorher gefülltem Akku, erläutert Projektleiter Uwe Keller die intelligente Betriebsstrategie des Plug-in-Hybridmodells.

Das muss man wissen: S 500 Plug-in-Hybrid - dieses Typkürzel haben die Schwaben ganz bewusst gewählt, denn nicht nur die Fahrleistungen des Autos liegen auf dem Niveau des V8-Modells, auch der Preis ist identisch: 108.944,50 Euro muss bezahlen, wer mit dem leisen Riesen vom Hof des Händlers fahren will.

Statt des 4,7 Liter großen Achtzylinders steckt dann ein 3,0 Liter großer V6-Benziner unter der Haube, der 333 PS leistet. Ihm zur Seite steht ein ins Getriebe integrierter E-Motor. Der ist mit 116 PS stark genug, um die Limousine auch alleine zu bewegen - mit bis zu 140 km/h. Den dafür nötigen Strom zieht er aus einem Lithium-Ionen-Akku im Kofferraum, dessen Kapazität bei 8,7 kWh liegt. Arbeiten beide Motoren im Team, erreicht der S500 eine Systemleistung von 442 PS und das vereinte Drehmoment liegt bei 650 Nm.

Die Schwachstelle des Autos ist der Akku. Denn der zehrt nicht nur 135 Liter Kofferraum auf und sorgt für eine unpraktische Stufe im Ladeboden, sondern für eine saubere Energiebilanz muss das Paket auch regelmäßig ans Netz. Das Laden an einer normalen Haushaltsbuchse dauert knapp drei Stunden, mit einer so genannten Wallbox, für die Mercedes 600 Euro extra berechnet, funktioniert es binnen zwei Stunden. Weil man aber auch dann noch ein Kabel einstöpseln muss und sich dabei den feinen Zwirn versauen könnte, arbeitet Mercedes mit Hochdruck am induktiven Laden. Von den Assistenzsystemen unterstützt, rangiert man dann auf zehn Zentimeter genau über eine Ladespule auf dem Boden und der Strom fließt kabellos. "Das bringen wir noch in dieser Modellgeneration in Serie", kündigt Entwicklungsvorstand Weber an.

Das werden wir nicht vergessen: So engagiert Mercedes die Plug-in-Technik vorantreiben will, buchstäblich am Ende haben die Schwaben gespart. Denn während die Konkurrenz teils elegante und aufwändige Ladelösungen entwickelt hat, wird die S-Klasse wenig vornehm hinter einer billigen Plastikklappe im Stoßfänger mit dem Stromnetz verbunden. Nicht, dass den Ingenieuren keine andere Lösung eingefallen wäre, sagt der Projektleiter des S500 Plug-in Uwe Keller. Aber eine größere Tankklappe mit Benzineinfüllstutzen und Ladebuchse oder etwa ein Stromanschluss hinter dem Mercedes-Stern hätten Eingriffe ins Blech erfordert, so Keller. "Und das war uns schlicht zu teuer."

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insgesamt 48 Beiträge
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Stäffelesrutscher 30.09.2014
1. Demnächst auf der Fahrradspur
»Den dafür nötigen Strom zieht er aus einem Lithium-Ionen-Akku im Kofferraum, dessen Kapazität bei 8,7 kWh liegt.« Kapazität. Kilowattstunden. Ah ja.
jalu-2008 30.09.2014
2. Kapazität.
Zitat von Stäffelesrutscher»Den dafür nötigen Strom zieht er aus einem Lithium-Ionen-Akku im Kofferraum, dessen Kapazität bei 8,7 kWh liegt.« Kapazität. Kilowattstunden. Ah ja.
Stimmt es nicht? "Die Ladungsmenge, die ein Akkumulator speichern kann, wird in Amperestunden (Ah) oder physikalisch genauer in Wattstunden (Wh) angegeben und als Kapazität (Nennkapazität) bezeichnet." Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Akkumulator
phalter 30.09.2014
3. Oberflächlicher geht kaum
Wenn es außer dem Stecker nichts zu bemängeln gibt... Fahrleistung, Fahrverhalten, Praxis(!)verbrauch - offenbar alles uninteressanter Kleinkram.
leierbündchen 30.09.2014
4. Kilowattstunden, na klar.
Die Kapazität eines Akkus wird in Kilowattstunden angegeben, vollkommen richtig.
Frank Zi. 30.09.2014
5.
Zitat von phalterWenn es außer dem Stecker nichts zu bemängeln gibt... Fahrleistung, Fahrverhalten, Praxis(!)verbrauch - offenbar alles uninteressanter Kleinkram.
Fahrleistung und Fahrverhalten dürften der normalen S-Klasse entsprechen, also sehr gute Fahrleistung und sehr gutes Fahrverhalten, über jeden Zweifen erhaben. Praxisverbrauch ist bei einem 110000€ Auto nebensächlich.
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