Ein Roadster mit Dieselantrieb? Davor schreckten die Entwickler bislang immer zurück. "Aus gutem Grund!", möchte man dazwischen rufen, wenn man die ersten Kilometer mit dem SLK 250 CDI abgespult hat. Der kleine Zweisitzer von Mercedes steht seit kurzem zu einem Preis ab 41.828 Euro bei den Händlern.
Doch so kräftig und sparsam der 2,1 Liter große Vierzylinder auch sein mag, er ist ein Krawallbruder. In der S- oder M-Klasse, wo die Maschine ebenfalls zum Einsatz kommt, dämpfen zentimeterdicke Dämmmatten und eimerweise Dichtschaum sein Krakelen. Im SLK jedoch ist das Nageln nach dem morgendlichen Kaltstart derart laut, dass man durchaus den Nachbarschaftsfrieden gefährdet.
Immerhin lässt der Lärm mit jedem Kilometer Fahrt nach und irgendwann ist auch das Rütteln und Schütteln unter der langen Haube vorbei. Zugegeben: Es war kalt, während wir das Auto getestet haben. Verdammt kalt sogar. Und sicher schlägt der Diesel an einem milden Sommermorgen leisere Töne an. Aber wenn der Klappdach-Roadster mit Sitzheizung, Nackenföhn und saunastarker Klimaanlage als Ganzjahresauto angepriesen wird, dann muss man ihn auch unter 0 Grad fahren können.
Auch bei warmem Motor und auf langen Fahrten verschwindet das Dröhnen des Motors nicht ganz. Ob das Dach geschlossen bleibt oder auf Knopfdruck im Kofferraum verschwindet - es brummt und brabbelt in einer Klangfarbe, die zu einem offenen Sportwagen einfach nicht passen will. Besonders albern wird das Getöse im Sportprogramm, wenn der Diesel beim Schalten auch noch ein paar Stöße Zwischengas hinausplärrt.
Schade, dass der Krawall den Fahrgenuss stört
Dass einem der Motor so in den Ohren liegt, ist schade. Denn eigentlich ist er für den Einsatz in einem sportlichen Auto wie geschaffen. Mit maximal 500 Nm Drehmoment treibt der Vierzylinder den SLK so lässig über die Landstraße wie ein V8-Motor, und selbst wenn die samtene Siebengangautomatik kaum mehr als 4000 Touren erlaubt, lässt sich der Wagen sehr sportlich bewegen. 6,7 Sekunden von 0 auf 100 und maximal 243 km/h - damit kann man sich beim Ampelsprint und auf der Überholspur sehen lassen. Dass der Diesel etwas schwerer auf der Vorderachse lastet als ein Benziner, merkt man beim Fahren nicht: Vor allem mit dem aufpreispflichtigen Sportfahrwerk schneidet der Wagen schnell und sauber durch die Kurven.
Den offiziellen Verbrauchswert von 4,9 Liter haben wir zwar nicht geschafft, aber mit einem leichten Gasfuß lässt sich der Roadster tatsächlich mit respektablen sechs Litern bewegen. Und auch wer eine verschärfte Gangart wählt und wirklich rasant unterwegs ist, wird mit dem Durchschnittsverbrauch im einstelligen Bereich bleiben.
Das ist nicht schlecht. Aber für die Sparsamkeit muss ein hoher Preis gezahlt werden. Und das gar nicht mal für das Auto selbst, das auf den Cent genauso viel kostet wie der gleich starke Benziner. Sondern fürs Zubehör. Denn im Diesel-SLK empfiehlt es sich, die Musikanlage von Harman Kardon für knapp 1000 Euro gleich mitzubestellen. Denn erst wenn die aufgedreht ist, kann man die Fahrt im Diesel-Roadster so richtig genießen. Ohne störende Motorgeräusche.
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