Mercedes SLK Kniefall vor den Machos

Ein Frauenschwarm zeigt seine männliche Seite: Nachdem die ersten beiden Generationen des SLK oft als zu weich und weiblich kritisiert wurden, kehrt die dritte Auflage des Mercedes-Roadsters jetzt den Sportler heraus. Das kann man nicht nur fühlen, sondern auch hören.

Von

Dirk Weyhenmeyer

Die Frauenquote ist derzeit in aller Munde, auch bei den Autoherstellern. Nicht umsonst hat zum Beispiel Daimler mit der ehemaligen hessischen Justizministerin Christine Hohmann-Dennhardt gerade das erste weibliche Vorstandsmitglied berufen. Doch während die Schwaben in manchen Bereichen gar nicht genügend Frauen gewinnen können, sind es andernorts fast zu viele - am Steuer des SLK etwa. Zwei Generationen lang galt der Roadster als so weich und weiblich, dass er vielfach als Frauenauto abgestempelt wurde und bei den Männern durchgefallen ist.

Jetzt korrigiert Mercedes den Kurs und lässt bei der dritten Auflage, die Ende März zu Preisen ab 38.756 Euro in den Handel geht, in jeder Hinsicht die Muskeln spielen. "Wir wollen gar nicht diskutieren, ob das neue Auto männlicher oder weiblicher ist", sagt Vertriebsvorstand Joachim Schmidt: "Sondern der neue SLK ist in erste Linie sportlicher - und gefällt damit beiderlei Geschlecht."

Den neuen Anspruch sieht man dem in der Basisversion SLK 200 immerhin 184 PS starken Zweisitzer auf den ersten Blick an: Wo der Vorgänger mit seiner von der Formel 1 inspirierten Hakennase zuletzt fast ein wenig albern aussah, spannt der neue SLK mit seiner so genannten Softnose, der weichen Nase um den großen Stern, geschickt den Bogen vom 190 SL aus den Fünfziger Jahren zum aktuellen Flügeltürer. Dazu gibt es schick modellierte Flächen und sorgfältig gesetzte Lichtkanten, einen breiten Stand und Proportionen, wie sie sich für einen Sportwagen gehören: eine lange Haube, weit nach hinten gerückte Sitze und ein kurzes Heck.

Auch innen sucht der SLK etwa mit seinen Lüftungsdüsen im Jet-Design die Nähe zum SLS. Hinzu kommt ein halbes Dutzend neuer Assistenzsysteme vom Müdigkeitswarner bis zur Verkehrszeichenkamera. Feine Oberflächen und edle Materialien sorgen dafür, dass das Ambiente edler und vornehmer wirkt als im Vorgänger. Allerdings wirkt das Ganze schon fast ein bisschen bemüht: Die Mittelkonsole mattiert, die Lüfter glänzend, die Instrumente silbern hinterlegt und ganz oben auf dem Armaturenbrett noch eine einzelne Uhr - genau wie bei den Sportwagen von Porsche. Da wäre weniger mehr gewesen. Womöglich hätten Platz und Phantasie dann auch für ein paar zusätzliche Ablagen gereicht.

Klingt nicht nur sportlich - fährt auch so

Doch genug der Theorie, jetzt wird der Motor gestartet. Und schon hält der SLK die nächste Überraschung bereit. Obwohl unter der Haube ein vergleichsweise mickriger 1,8-Liter montiert ist, klingt der Vierzylinder wie ein Großer. "Kein Wunder", freut sich Baureihenleiter Jürgen Weissinger und verrät seinen Trick: Mit einem Soundgenerator werden die niederfrequenten Töne am Ansaugventil abgegriffen und an der Trennwand zwischen Motor und Kabine künstlich verstärkt. Da röhrt selbst der SLK 250, als klebe das falsche Typenschild am Heckdeckel. Als Zugabe erlaubt ihm die Elektronik ein paar simulierte Fehlzündungen und bläst beim Schalten mit Zwischengas den Tusch.

Aber der Vierzylinder klingt nicht nur sportlich - er fährt auch so: Mit 204 PS und maximal 310 Nm ist man auf allen Straßen flott unterwegs, freut sich auf jeden Ausflug ins Gebirge und muss das Benzingespräch an der Tankstelle nicht scheuen: Immerhin schafft der Motor den Sprint auf Tempo 100 in 6,6 Sekunden und kommt auf 243 km/h.

Auch bei den Vierzylindern hat der Chefingenieur neben der Emotion auf die Emission geachtet: Weil Start-Stopp immer Serie ist und es den Roadster nun durchweg mit der siebenstufigen Automatik gibt, kommt der SLK bestenfalls mit 6,1 Litern aus. Und das ist noch nicht alles, verrät der Entwickler: "Zum Ende des Jahres bieten wir den Wagen erstmals auch mit einem Diesel an."

So macht er den V6-Motor fast überflüssig. Doch ganz darauf verzichten will Baureihenleiter Weissinger dann noch nicht. Er reklamiert, dass man auch den neuen Dreiliter-Direkteinspritzer im teuersten Modell, dem SLK 350 für 52.300 Euro, mit gutem Gewissen fahren kann: Obwohl die Leistung von 272 auf 306 PS steigt, geht der Verbrauch um 24 Prozent auf 7,1 Liter zurück.

Mehr Kraft, mehr Krach und schärfere Konturen

Zum kernigen Sound und den kraftvollen Motoren gibt es ein knackiges Fahrwerk mit vielen Finessen. Macht man die entsprechenden Kreuzchen in der Aufpreisliste, so kann man die Härte der Dämpfer auf Knopfdruck verstellen, die Lenkung ist angenehm direkt und eine so genannte Torque Vectoring Brake hilft dem Wagen schneller um die Ecken. Dafür bremst die Elektronik das innere Hinterrad ein wenig ab und dreht den Wagen förmlich in die Kurve.

Zwar hat der SLK in der dritten Auflage tatsächlich einen neuen Charakter. Doch die alten Tugenden sind deshalb nicht vergessen. So bleibt es beim versenkbaren Hardtop mit gläsernem Einsatz, das aber leider noch immer nur im Stand oder allenfalls bei Schrittgeschwindigkeit bewegt werden darf. Und es gibt nach wie vor den Nackenföhn zur individuellen Verlängerung der Open-Air-Saison. Neu sind dagegen das Glasdach Magic Sky Control für stolze 2400 Euro, das sich durch einen elektrischen Taschenspielertrick auf Knopfdruck eintrübt, sowie die Wendematte im 335 Liter großen Kofferraum. Dreht man den Boden mit zwei Handgriffen um, hat man eine kleine Gepäckschale, erläutert Weissinger. Das schafft ein paar zusätzliche Liter Stauraum, hält aber Taschen und Tüten in Position, wenn der Fahrer in den Kurven seinen Spaß hat. Selbst bei den praktischen Kriterien haben die Entwickler offenbar an die Sportlichkeit gedacht.

Mehr Kraft, mehr Krach und schärfere Konturen - der neue SLK ist tatsächlich ein wenig maskuliner geworden. Das kommt nicht nur bei den Männern an. Bei den ersten Testfahrten sind es vor allem Damen, die dem Roadster hinterher schauen. "Das ist kein Wunder", sagt eine der Passantinnen: "Wer Frauen ansprechen will, muss ein männliches Auto bauen."

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Leser161 17.03.2011
1. Blender
"Mit einem Soundgenerator werden die niederfrequenten Töne am Ansaugventil abgegriffen und an der Trennwand zwischen Motor und Kabine künstlich verstärkt" Was soll denn das? Wenn ich die niedrigen Frequenzen gezielt verstärke, dann kann ich auch machen, dass ein Fiat Cinquecento wie ein Panzer klingt. Ich mein, wenn man schon auf Motorsound steht, dann sollte man doch wenigsten so viel Stil haben, das man mechanisch erzeugten und nicht elektronisch frisierten Sound verlangt
Fangio 17.03.2011
2. Fake, fake, fake
---Zitat--- ...Als Zugabe erlaubt ihm die Elektronik ein paar simulierte Fehlzündungen und bläst beim Schalten mit Zwischengas den Tusch. ---Zitatende--- Und das möchte die Senior(inn)en-Kundschaft so? Kaum zu glauben.
pirkal 17.03.2011
3. künstlich
wer viagra braucht, muss wohl auch den sound seiner genitalen zusatzausstattung künstlich aufmotzen. schwachsinn!
persona-non-grata 17.03.2011
4. Auf Thema geantwortet
Zitat von sysopEin Frauenschwarm zeigt seine männliche Seite: Nachdem die ersten beiden Generationen des SLK oft als zu weich und weiblich kritisiert wurden, kehrt die dritte Auflage des Mercedes-Roadsters jetzt den Sportler heraus. Das kann man nicht nur fühlen, sondern auch hören. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,750123,00.html
Echte Männer werden zu diesem Frauenauto auch weiterhin "Neee, danke" sagen.
Currywurst 17.03.2011
5. .
Simulierte Fehlzündungen? Automatisches, künstliches Zwischengas? Alles wird vorgetäuscht, nichts muss man noch selbst machen. "Sportlichkeit" à la Mercedes für jeden, der sie bezahlen kann. Abgesehen davon, was soll an dem Führen eines Fahrzeuges im öffentlichen Straßenverkehr überhaupt "sportlich" sein? Da soll ein Miteinander und gerade kein Wettkampf stattfinden... Asoziale Lächerlichkeit.
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