Mercedes SLS AMG Cooler Abschluss für den Silberpfeil

Über kaum ein Mercedes-Modell wurde in den letzten Monaten so viel geredet wie über den neuen SLS AMG. Jetzt hat das Theoretisieren ein Ende: Der 571 PS starke Flügeltürer ist startbereit. SPIEGEL ONLINE gab in dem Supersportwagen aus Stuttgart bereits Gas.


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Mercedes SLS AMG: Die oberen Zehntausend
Schnell und stark sind die Autos von Mercedes fast immer. Aber der echte Kick fehlte den schwäbischen Rennern bislang meist. Das ändert sich jetzt, denn als Antwort auf Konkurrenzmodelle wie Audi R8, Lamborghini Gallardo oder Ferrari 458 Italia bringt Mercedes' sportlicher Ableger AMG nun den SLS an den Start. Dabei greift das Team um Geschäftsführer Volker Mornhinweg auf ein Konzept zurück, dass Mercedes bereits vor mehr als 50 Jahren Lorbeeren einbrachte. Wie der legendäre 300 SL ist auch der neue SLS ein Flügeltürer. Die Klappen schwangen nun für die erste Testfahrt von SPIEGEL ONLINE nach oben.

Mit dem Finger drückt man den Startknopf. Was dann folgt, ist ein eindrucksvolles Hörspiel mit acht Zylindern, 32 Ventilen und 571 Pferdestärken. Ein Tritt auf das Gaspedal und der SLS schnellt davon und wechselt die Tonlage von tiefem Grollen in wildes Brüllen. Perfekt für Selbstdarsteller, die sich die nötige Beachtung so gern mit einem Supersportwagen erkaufen.

Dann geht alles sehr schnell. Schließlich schafft der aus Typen wie E 63 AMG & Co. bekannte und für den SLS weiterentwickelte V8-Motor mit einem maximalen Drehmoment von 650 Nm den Sprint auf Tempo 100 in 3,8 Sekunden, fährt nach weniger als zwölf Sekunden 200 km/h. Mehr als 317 km/h Sachen sind nicht drin, weil es darüber für die Reifen problematisch werden könnte. Offenbar ist dieser Wert auch wichtig für das Prestige, denn Hauptkonkurrent Audi schafft mit dem R8 maximal 316 km/h.

Bei der Hatz nach der Bestzeit auf der Rennstrecke hilft dem Fahrer ein neues Doppelkupplungsgetriebe mit drei Schaltprogrammen und Wippen für den manuellen Eingriff am Lenkrad. Der richtige Schaltpunkt wird mit einer blitzenden Ampel im Cockpit angezeigt, die Gänge wechseln dann fast unmerklich mit der Geschwindigkeit eines Wimpernschlags.

Benzindirekteinspritzung gibt es noch nicht

Das Original in den fünfziger Jahren hatte bereits eine Benzindirekteinspritzung; im AMG soll diese Technik erst im nächsten Jahr zum Einsatz kommen. Dennoch wurde der 6,2 Liter große Achtzylindermotor am AMG-Sitz in Affalterbach weiter austrainiert. Dabei stieg die Leistung um 46 PS, und das Triebwerk erhielt eine Trockensumpfschmierung nach Rennsport-Art. Das spart zugleich die Ölwanne ein, wodurch wiederum Motor und mit ihm der Schwerpunkt des Wagens nach unten rückten.

Der Benzinverbrauch? Hoch, doch im Vergleich zu den meisten Konkurrenzmodellen moderat. "Und wenn man den Verbrauch im Verhältnis misst, sieht die Sache ohnehin ganz anders aus", rechnet AMG-Chef Volker Mornhinweg die Zahlen schön. "Pro PS braucht der SLS nur 0,023 Liter pro 100 Kilometer. Bei Großserienmodellen liegt dieser Wert oft mehr als doppelt so hoch." Das ergibt unter dem Strich satte 13,2 Liter auf 100 Kilometer.

Der neue Supersportler im Schwergewicht - mit 1620 Kilogramm

Dass der Wagen nicht nur geradeaus, sondern auch in Kurven ungewöhnlich schnell fährt, ist ein Verdienst der ausgeglichenen Balance. Der Motor ist vorn platziert und das Getriebe nach dem Transaxle-Prinzip an der Hinterachse. Außerdem hat der neue Flügeltürer eine Fastenkur hinter sich: Der Rahmen besteht aus Aluminium, und unter dem Blech sowie im Innenraum gibt es reichlich Karbon. Das Leergewicht beträgt aber immer noch feiste 1620 Kilogramm.

Im Zusammenspiel von präziser Lenkung, einem von DTM-Champion Bernd Schneider abgestimmten Fahrwerk und tollen Bremsen gewinnt der SLS jene Schärfe, die etwa einem SLR oder den hoch gezüchteten SL-Modellen bislang fehlte. Doch so giftig sich der SLS auf der Rennstrecke gibt, so gemütlich kann man in ihm nach ein paar Runden nach Hause cruisen. Die Sitze sind bequemer als bei der Konkurrenz, die Platzverhältnisse etwas großzügiger, die Federn etwas weicher und die elektrischen Helfer etwas dienstbeflissener. Wo Mercedes draufsteht, wird Luxus erwartet - auch wenn so das Gewicht wieder in die Höhe geht.

Für AMG-Chef Mornhinweg ist der SLS nicht nur ein neuer Supersportwagen. "Nach dem ersten eigenen Motor und dem ersten eigenen Getriebe hat AMG nun das erste eigene Auto gebaut."

Mehr als 10.000 Autos pro Jahr sollen gebaut werden

Der neue Flügeltürer soll Aushängeschild und Markenbotschafter für AMG werden. Auch deshalb ist der Wagen mit einem Grundpreis von 177.310 Euro deutlich billiger als etwa der gerade ausrangierte SLR. "Das Auto soll nicht nur in klimatisierten Sammlergaragen, sondern tatsächlich auf der Straße zu sehen sein", sagt AMG-Sprecher Johannes Riegsinger. Die Jahresproduktion soll bei mehr als 10.000 Exemplaren liegen.

Die Zukunft? Für Ende 2012 ist die Elektroversion des SLS angekündigt. Und wie beim ehemaligen 300 SL wird es auch vom SLS einen Roadster geben - selbst wenn die Flügeltüren dabei auf der Strecke bleiben.



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