Mini Clubman Rollender Adventskalender

BMW hat ein Problem: Bei besserverdienenden Jungdynamikern ist der Mini zwar ein Renner, doch wenn Juppies erst Paare und dann Familien bilden, sind sie für die trendige Kleinwagenmarke bislang verloren. Das soll die vieltürige Kombiversion Clubman nun ändern.


Alles kommt wieder: Schon in den Sechzigern gab es den Mini als Maxi. Bereits kurz nach der Markteinführung hatte der damalige Hersteller Austin einen Van für Gewerbetreibende aufgelegt, das Heck verlängert, die Fondfenster mit Blech verschlossen und auf der Rückseite zwei praktische Türen montiert, die in England Splitdoors heißen.

Fast gleichzeitig gab es diese Version auch für die private Nutzung. Sie trug Namen wie Countryman und Traveller, bot mehr Platz und mehr Ausstattung und feiert nun, fast 50 Jahre später, als Mini Clubman ein Comeback. Denn ab dem 10. November gibt es den Briten mit den bayerischen Wurzeln zu Preisen ab 19.900 Euro auch in einer dritten Karosserievariante nach Kleinwagen und Cabrio.

BMW rühmt das Platzangebot des neuen Modells. Doch während andere Hersteller bei der Präsentation eines neuen Kombis die Ladekapazität mit Dutzenden von Saftkisten oder mit Waschmaschinen demonstrieren, setzt die Bayern auch beim Clubman voll auf Lifestyle. Als Mini für die Mami will den Wagen in der PR-Abteilung keiner verstanden wissen - auch das Wort Kombi versucht BMW zu vermeiden.

Trotzdem ist es natürlich die Kundennachfrage nach mehr Platz gewesen, aufgrund derer BMW den Clubman gebaut hat. Bei den jungen Besserverdienern kommt der Mini zwar extrem gut an. Doch wenn diese – was selbst in Zeiten steigender Single-Zahlen vorkommen soll – Kinder bekamen, waren sie für die Marke bislang verloren. Im besten Fall wechselten sie zum BMW 1er, ansonsten stiegen sie auf VW Golf oder Audi A3 um.

Dehnübung auf nun 3,96 Meter

Damit soll nun Schluss sein. Ohne dass die knackigen Proportionen auf der Strecke blieben, wurde für rund 2000 Euro Aufpreis der Radstand um acht und die Karosserie um 24 Zentimeter gestreckt, so dass es der Clubman nun auf 3,96 Meter bringt und zum längsten Mini aller Zeiten wird. Außerdem wächst der Kofferraum gegenüber dem normalen Modell um 100 auf 260 Liter und kann durch das Umklappen der Rückbank auf 930 Liter erweitert werden.

So praktisch wie viele andere Kombis will er aber gar nicht sein. Deshalb störte es die Entwickler nicht, dass es hinter der Ladekante tief nach unten geht – wenn man als Extra nicht den zweiten Ladeboden bestellt. Die Gepäckraumabdeckung wirkt lieb- und lustlos, und eine verschiebbare Rückbank sucht man vergebens.

Die avisierte Kundschaft stört das angeblich nicht. Wer mitten im Nachtleben steht, achtet vor allem auf das Design und den Showeffekt, für den sich Mini mächtig ins Zeug gelegt hat. So wurden die Splitdoors des Originals reaktiviert und farblich sogar noch betont.

Zudem haben die Designer eine witzige Clubdoor auf der rechten Seit eingezogen, die sich hinter der Beifahrertür versteckt und entgegen der Fahrtrichtung angeschlagen ist. Die zusätzliche Luke erleichtert den Zustieg zum Fond, wo zwar nun etwas mehr Beinfreiheit herrscht, es aber dennoch eher beengt zugeht. Immerhin: Ein Kindersitz lässt sich durch die zusätzliche Öffnung auf der rechten Seite nun auch leichter montieren. Auf diese Weise wird der Mini zum ersten Auto, das den Namen Fünftürer wirklich verdient. Und er erinnert mit seinen vielen Klappen beim Ausladen fast an den Adventskalender.

Dem Kofferraum fehlen Größe und Raffinesse

Dass der Clubman praktisch, aber nicht pfiffig ist, liegt vor allem an der Diktion des Fahrzeugs. "Wir sehen ihn eher in der Tradition des Shooting Brake", sagt ein Sprecher. Mit diesem Fachbegriff ist jener klassische britischen Sportwagen gemeint, dessen Kofferraum ausreichend Platz für Jagdwaffen oder Golfgepäck bot - für mehr aber auch nicht. Enwickler Heinz Krusche, der für das Fahrwerk verantwortlich zeichnet, achtete beispielsweise auch beim Clubman auf größtmögliche Wendigkeit.

Ihm ist es zu verdanken, dass der Wagen mit dem größeren Radstand zwar etwas ruhiger auf der Straße liegt als der normale Mini, sich aber trotz der 80 Kilo Mehrgewicht kaum anders anfühlt. Insbesondere der 175 PS starke Cooper S (23.900 Euro) bleibt ein giftiger Kurvenjäger. Mit bis zu 260 Nm, Sechsganggetriebe und einer Sprintzeit von 7,6 Sekunden macht er die Landstraße zur Slalompiste und jedes Überholmanöver zu einem kleinen Triumph im grauen Alltag. Daneben gibt es als Basismodell den Cooper mit 120 PS und für 21.600 Euro den Cooper D mit einem 110 PS starken Dieselmotor.

Der Spritdurst aller Motoren wird mit Bauteilen aus dem BMW-eigenen Efficient-Dynamics-Paket gezügelt. So kommen die Autos auf vernünftige Verbrauchswerte - von 4,1 Liter beim Diesel bis 6,3 Liter beim stärksten Benziner. Bislang fahren die Bayern beim Mini streng im Einklang mit der Geschichte. Doch das wird sich ändern. Nach dem Motto "Jedes Jahr ein neues Modell" kommt wohl Ende 2008 erst einmal das nächste Cabrio, aber danach könnte ein neumodisches Cross-Over-Auto folgen, das den Mini in die Nähe eines Geländewagen rücken würde. Zumindest einen alten Namen für das neue Modell böte das Mini-Archiv: Wie zum Beispiel wäre es mit Countryman?

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