Mini Countryman Cooper D: Übergewichtiges Lifestyle-Wägelchen

Buttercreme, Schokostreusel, Schlagsahne - wer diesen Leckereien niemals ausweicht, muss bald den Gürtel etwas weiter schnallen und wird rundlicher am Rumpf. Und damit wären wir auch schon beim Mini Countryman, dem übergewichtig wirkenden Modell der Erfolgsmarke. Und das hat seinen Preis.

Mini Countryman Cooper D: Kleinwagen aus Hefeteig Fotos
Jürgen Pander

Den Body-Mass-Index, die Kennziffer, die das Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße ausdrückt, gibt es bereits seit 1871, als der belgische Statistiker Adolphe Quételet die entsprechende Formel erstmals veröffentlichte. An benzingetriebene Autos dachte damals noch keiner, schon gar nicht an ein Modell namens Mini. Jetzt gibt es Autos und es gibt die Marke Mini und auch der Body-Mass-Index, kurz BMI, ist noch in Gebrauch. Für die Autowelt war die Kennziffer bislang irrelevant. Rechnet man sie aber für den Mini Countryman Cooper D mal aus (1380 Kilogramm Leergewicht geteilt durch 4,10 Meter Länge im Quadrat), ergibt sich ein Wert von rund 82 - was auf extremes Übergewicht hinweist.

Der Eindruck, dass dieses Auto zwar nicht extrem übergewichtig, aber doch etwas füllig wirkt, täuscht also nicht. Die Plastikbögen um die Radhäuser, die glubschigen Frontscheinwerfer, die breiten Chromspangen unterhalb der A-Säulen - vieles an diesem Auto wirkt drall und prall und widerstrebt damit dem gängigen Trend nach schlanken und ranken Formen. Ein Eindruck, der sich übrigens im Innenraum fortsetzt. Hier dominieren große Kreise, etwa der zentral auf dem Armaturenbrett angeordnete, tellergroße Tacho mit integriertem Navigationsmonitor. Rund sind auch die Lüftungsdüsen, ebenso der direkt auf der Lenksäule angebrachte Cockpit-Bildschirm. Dessen oberer Rand wird übrigens immer vom Lenkradkranz verdeckt - durchdachte Ergonomie sieht anders aus.

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In diesem Fall aber geht es erkennbar nicht so sehr um Funktionalität, sondern um Originalität. Und in dieser Kategorie, da gibt es kein Vertun, setzt der Mini Countryman Maßstäbe. Die Idee, ein poppig-andersartiges Auto zu gestalten, wurde von den Designern konsequent durchgehalten. Ob Türgriffe oder Fensterheberschalter, ob Ablageschiene über dem Mitteltunnel, Lenkstockhebel oder Kofferraumgriff: stets ist der Wille zur besonderen Form erkennbar. Man kann das übertrieben finden, doch angesichts der sonst oft so austauschbaren Autointerieurs ist der Mini Countryman eine in sich schlüssige, erfrischende Alternative.

Bei Mini rechnen die Vertriebsleute mit einem Anteil von etwa 30 Prozent Countryman-Modellen an der Gesamtproduktion. Den letztjährigen Ausstoß von 234.000 Mini-Exemplaren zugrunde gelegt, wären das rund 70.000 Countryman-Typen in diesem Jahr. Das klingt realistisch, zumal der Verkauf in den USA und China, wo Autos ja gerne eine Nummer größer gekauft werden, erst in den nächsten Wochen beginnt.

Kleiner SUV mit großem Durst

Für den Countryman sind drei Benzinmotorisierungen (98 bis 184 PS) sowie drei Dieselaggregate (90 bis 143 PS) im Angebot. Wir waren mit dem mittleren Selbstzünder namens Cooper D unterwegs, der 112 PS leistet und gut zum Auto passt. Der Wagen ist flott unterwegs, macht sich aber nicht als Sportskanone wichtig, sondern nimmt eher die Rolle des technisch unaufgeregten Alltagsmobils ein. 4,9 Liter Durchschnittsverbrauch gibt Mini für den Countryman Cooper D mit Allradantrieb (es gibt das Auto auch frontgetrieben) und Start-Stopp-Automatik an. Am Ende der Testfahrten von SPIEGEL ONLINE, davon etwa ein Drittel Stadtverkehr und zwei Drittel Landstraßen- und Autobahnfahrten, ergab sich allerdings ein Durchschnittsverbrauch von 7,8 Liter je 100 Kilometer.

In der Disziplin Spritsparen also wird der Countryman keine Aufmerksamkeit erzielen. Dafür ist das Auto das erste Modell der Marke, in dem vier Erwachsene oder eine vierköpfige Familie, deren Nachwuchs noch in voluminösen Kindersitzen reisen muss, bequem unterwegs sein können. Es gibt ausreichend Ablagen für Kleinkram und das Kofferraumvolumen ist mit 350 Liter bei voller Bestuhlung nicht üppig, aber angesichts der bisherigen Mini-Stauräume sehr ordentlich.

Jede Kleinigkeit am Auto muss extra bezahlt werden

Unerfreulicher ist die Preispolitik der Marke. Der billigste Countryman überhaupt kostet bereits 20.200 Euro. Die Variante Cooper D mit Frontantrieb kostet schon 24.200 Euro, die mit Allradantrieb 25.900 Euro. Wer Automatikgetriebe wünscht, muss 1540 Euro draufzahlen. Allerdings können auch viele kleine Dinge den Preis rasch in die Höhe treiben. Veloursfußmatten (80 Euro), ein ebener Ladeboden (180 Euro), ein automatisch abblendender Innenspiegel (150 Euro) oder eine Mittelarmlehne im Fond (250 Euro), also Dinge, die bei einem Autohersteller, der sich für Avantgarde hält selbstverständlich sein sollten, kosten bei Mini extra.

Dem Reiz der Autos und der Marke tut das bislang keinen Abbruch. Der Gefahr, dass das Retro-Konzept, auf dem der Erfolg von Mini letztlich fußt, irgendwann nur noch langweilig sein könnte, wird durch Überraschungen wie den buchstäblich aus den Fugen geratenen Countryman wirksam entgegen gewirkt. Nach der Ausdehnung der Modellpalette durch den SUV ist bereits die Erweiterung des Angebots in die Gegenrichtung geplant. Angeblich wird auf dem Autosalon in Genf Anfang März die Studie eines Mini-Mini gezeigt. Und auch von einem Mini-Van als der endgültigen Maxi-Version der immer gleichen Grundmelodie hört man in der Branche munkeln. Retro scheint also zumindest mittelfristig eine große Zukunft zu haben.

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Mini Countryman: Lifestyle-Allradler im Golf-Format

Aktuelles zu
Fahrzeugschein
Hersteller: Mini
Typ: Cooper D Allrad
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 112 PS (82 kW)
Drehmoment: 270 Nm
Von 0 auf 100: 11,6 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 4,9 Liter
CO2-Ausstoß: 129 g/km
Kofferraum: 350 Liter
umgebaut: 1.170 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 23 (TK) / 19 (VK)
Preis: 25.900 EUR

Schnellcheck

Mini Countryman Cooper D

Einsteigen: ...wenn es unbedingt ein Mini sein soll, zugleich aber auch ein Familienauto.

Aussteigen: ...wegen der langen Preisliste - oder natürlich der Form halber.

Umsteigen: ...aus auffälligen Typen wie Nissan Cube, Kia Soul oder Kompakt-SUVs wie Skoda Yeti.



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