Autogramm Mini Countryman S E Künftig vernünftig

Mini ist bislang der Inbegriff des verspielten Spaßautos. Jetzt gibt es den Kompakt-SUV Countryman erstmals mit Plug-in-Hybridantrieb. Die Technik stammt aus dem BMW 2er Active Tourer, ist jedoch viel ansprechender verpackt.

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Der erste Eindruck: Baut Playmobil jetzt auch Hybrid-Autos, oder warum hängt aus dem zu groß geraten Spielmobil ein Kabel?

Das sagt der Hersteller: Sebastian Mackensen, der Chef der Marke Mini, verfolgt mit dem Countryman mit Plug-in-Hybridantrieb zwei Ziele: "Wir wollen Mini-Fans vom Hybrid-Antrieb überzeugen, und wir wollen alle, die schon Hybrid-Erfahrung gesammelt haben, mit Mini-Feeling begeistern," sagt er. Dass diese Antriebstechnik ausgerechnet im Kompakt-SUV Countryman eingebaut wird, dem in Format und Zuschnitt untypischsten Modell der Lifestyle-Marke, hat einen technischen Grund.

Projektleiter Uwe Seitz erklärt, dass sich mithilfe der beiden Motoren ein intelligenter Allradantrieb für den Wagen umsetzen lasse. Dazu komme, dass der Plug-in-Hybridantrieb es ermöglicht, dass das Auto "als einziges in diesem Segment größere Strecken emissionsfrei fahren" könne. Was Seitz unerwähnt lässt, ist ein weiterer, viel pragmatischerer Grund: Der Countryman teilt sich die Plattform mit dem ebenfalls als Plug-in-Hybrid angebotenen BMW 2er Active Tourer, weshalb die Übernahme des Antriebs vergleichsweise einfach war.

Das ist uns aufgefallen: Dieser Mini ist ein Auto voller Gegensätze. Einerseits verspielt und verkünstelt, ist er für einen Mini aber fast schon zu seriös und praktisch. Wer erwartet von einem Modell dieser Marke ernsthaft eine Rückbank, auf der auch Erwachsene sitzen können? Und einen Kofferraum, der diesen Namen verdient?

Das gilt natürlich für die "normalen" Motorisierungen auch, doch der Teilzeitstromer vereint noch mehr Widersprüche in sich. Er zielt - Nomen est Omen - auf eher ländlich angesiedelte Kunden, gleichzeitig ist der Elektroantrieb vor allem in der Stadt sinnvoll.

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Doch das ist natürlich eine sehr theoretische Betrachtungsweise. In der Praxis wirkt der Wagen überaus stimmig. Die Motoren sind so harmonisch kombiniert, dass man schon nach wenigen Kilometern vergessen hat, in einem Plug-in-Hybrid unterwegs zu sein. Dank des zusätzlichen E-Antriebs beschleunigt das Auto so spritzig, wie man es von einem Mini erwartet. Nur die Höchstgeschwindigkeit eines Mini Cooper S erreicht der Wagen natürlich nicht. Außerdem ist er aufgrund des Gewichts von 1,7 Tonnen am unhandlichsten. Darüber kann auch nicht die Tatsache hinwegtäuschen, dass er der erste Mini ist, der zumindest zeitweise - nämlich im reinen E-Modus - mit Heckantrieb fährt.

Aber vielleicht ist der Vergleich mit anderen Minis grundsätzlich falsch. Vermutlich muss man ihn eher mit dem Plattform-Zwilling BMW 2er Active Tourer messen. Und in diesem Duell verströmt der Mini gegen die Blech gewordene Langweile des BMW-Modells die pure Lebensfreude. Gleiches gilt auch beim Blick auf Konkurrenzmodelle wie den betont sportlichen Seat Ateca, einem überdrehten Toyota C-HR oder einem technokratischen Audi Q2. Was man dabei zudem nicht vergessen darf: Abgesehen von Toyota bietet kein anderer Hersteller einen Hybridantrieb in dieser Klasse an.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des BMW 530e-Plug-In - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Mit dem Countryman Cooper S E schließt sich für Mini ein Kreis. Eigentlich war die britische die erste Marke in der BMW-Welt, die ein Elektroauto auf die Straße brachte. In Mini-Modellen. Schließlich erprobten die Bayern den Antrieb für den BMW i3, allerdings waren die 500 Prototypen aus dem Jahr 2009 unverkäuflich.

Wenn der Countryman S E jetzt als erster käuflich zu erwerbender E-Mini dieser Tage in den Handel kommt, kostet er mindestens 35.900 Euro und ist damit um 4000 Euro teurer als ein konventioneller Cooper S. Während der von einem zwei Liter großen Vierzylinder-Turbo mit 192 PS befeuert wird und auf bis zu 222 km/h beschleunigt, fährt das Plug-in-Hybridmodell mit einem 136 PS (100 kW) starken 1,5-Dreizylinder an der Vorder- und einem E-Motor mit 65 kW an der Hinterachse vor.

Das Zusammenspiel beider Aggregate regelt die Elektronik automatisch, es sei denn, der Fahrer gibt seinen Wunsch vor: Dann kann er den Wagen in den reinen Elektrobetrieb zwingen oder den Ladestand elektronisch einfrieren, um die Energie im Akku beispielsweise für die letzten Fahrkilometer durch die Wohnsiedlung zurückzuhalten.

Die Speicherkapazität des Akkus beträgt 7,6 kWh und reicht für maximal 42 Kilometer elektrische Fahrt; in diesem Fall ist die Höchstgeschwindigkeit auf 125 km/h begrenzt. Das Laden an einer Haushaltssteckdose dauert drei Stunden und 15 Minuten und lässt sich mit einer Wallbox auf etwa zwei Stunden verkürzen.

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Autogramm Mini Countryman S E: Manchmal unter Strom

Das werden wir nicht vergessen: Die neue Farbenlehre, die Mini auf dem Weg ins Elektrozeitalter einführt. Während BMW bei i3, i8 und allen Plug-in-Hybridautos blaue Farbakzente als Erkennungszeichen setzt, fährt der Countryman S E mit gelben Schmuckstreifen vor.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mini
Typ: Countryman S E
Karosserie: SUV
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.499 ccm
Leistung: 136 PS (100 kW)
Leistung (E-Motor): 88 PS (65 kW)
Drehmoment: 220 Nm
Drehmoment (E-Motor): 165 Nm
Von 0 auf 100: 6,8 s
Höchstgeschw.: 198 km/h
Verbrauch (ECE): 2,1 Liter
CO2-Ausstoß: 49 g/km
Kofferraum: 405 Liter
umgebaut: 1.275 Liter
Gewicht: 1.735 kg
Maße: 4299 / 1822 / 1559
Preis: 35.900 EUR
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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
wanniii 29.06.2017
1. Die Preise....
'Wenn der Countryman S E jetzt als erster käuflich zu erwerbender E-Mini dieser Tage in den Handel kommt, kostet mindestens 35.900 Euro und ist damit um 4000 Euro teurer als ein konventioneller Cooper S.' Zum Vergleich gibt's z. Zt. den Fiat 500L Rockstar (ohne Plug-in-Hybridantrieb) inkl. 6.300 € Preisvorteil und 4 Jahre Fiat Garantie schon ab 79 € monatlich finanziert oder ab 14.990 €! Also locker 2 neue Fiat 500L Rockstar für den Preise eines einzigen Countryman S E.
akkzent 29.06.2017
2. Autos, die die Welt nicht braucht!
Bei einem Preis von 35.900 EUR ist dieses angehauchte Pseudo-Grün einfach inakzeptabel. Wer kauft sich denn sowas?
BeatDaddy 29.06.2017
3. Wieso heißen
diese Kutschen eigentlich noch Mini? Die Dinger sind so groß, wie ein Golf und sind weder ansprechend, noch verspielt...können sie gar nicht, es sind ja BMW`s...
cindy2009 29.06.2017
4. Perversion auf die Spitze getrieben?
Mini - kompakt SUV - 1.7 Tonnen - Hybrid . Das passt nicht zusammen und ist ein weiterer Beleg für Alibi - Fahrzeuge.
Plasmabruzzler 29.06.2017
5.
Beim Preis habe ich aufgehört zu lesen. Dafür bekommt man ja ein gutes Fahrzeug mit konventionellem Antrieb und kann mehrere zehntausend Kilometer fahren für die Preisdifferenz.
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